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Reiseveranstalter : Weiter Bildungsweg

  • -Aktualisiert am

Höhlentauchen oder River-Rafting: Billigstudienreisen mit Entdecker-Highlights liegen im Trend Bild: AP

„Weniger Leistung für weniger Geld“ - Reiseveranstalter wie Marco Polo von Studiosus setzen neuerdings auf preiswerte Erlebnisreisen. Nach den Billigfliegern scheint nun die Billigstudienreise zum Trend zu werden.

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          Die gute alte Studienreise mit Zeigestock und Professorenvortrag vor Tempelbauten ist kaum noch wiederzuerkennen: Erlebnis statt Bildungseifer heißt es heute. Mit neuen Konzepten versuchen die Veranstalter seit Jahren vor allem die jüngere Klientel für sich zu gewinnen.

          Zum Beispiel Marco Polo: Zuletzt war die Marke des Münchner Reiseanbieters Studiosus als Veranstalter für exklusive Fernreisen ein Mauerblümchen. Seit dem Relaunch im Herbst sollen vor allem 20- bis 35jährige mit günstigen Erlebnisreisen angelockt werden. Nach Billigfliegern, Billigmietwagen und Low-cost-Hotelzimmern jetzt also auch die Billigstudienreise?

          Nicht alles inklusive

          „Geiz ist eben auch bei Studienreisen geil“, sagt Holger Baldus, Produktverantwortlicher bei Marco Polo. „Wir zielen vor allem auf preissensible Gäste ab, die die wichtigsten Highlights eines Landes in überschaubaren Gruppen mit maximal zweiundzwanzig Personen kennenlernen möchten.“ Daß Marco Polo mit seinen Preiswert-Angeboten aus vier Katalogen aktuell im Trend liegt, hat erst dieser Tage das BAT-Freizeitforschungsinstitut in einer Studie festgestellt. „Die grenzenlose Reiselust der Deutschen hat ihre finanzielle Grenze erreicht“, sagt Institutsleiter Horst Opaschowski. „Der Preis wird für die Auswahl des Reiseziels immer wichtiger.“

          Im Durchschnitt geben die Deutschen nur noch 1025 Euro für ihren Urlaub aus, heißt es in der Studie. Dafür kommt man mit Marco Polo zum Beispiel für acht Tage nach Malta ab 399 Euro, für neun Tage nach Iran ab 969 Euro und für zwei Wochen nach Thailand ab 1099 Euro. Aber muß der Gast bei solchen Preisen nicht auch auf Leistung verzichten? „Klar, daß nicht alles im Preis inbegriffen sein kann“, sagt Baldus. „Anreise, Unterkunft, Verpflegung, Rundreise und deutschsprachige Reiseleitung sind natürlich dabei. Ausflüge nach Wahl, Eintrittsgelder und Visumgebühren muß der Gast aber extra zahlen.“

          Konkurrenz noch gegen Billigtrend

          Um die Kosten so niedrig wie möglich zu halten, fliegt der Veranstalter vermehrt mit Billigairlines, bucht maximal Dreisternehotels - und die Reisedauer übersteigt im Schnitt nicht zehn Tage. Als Reiseleiter fungieren keine Professoren, sondern einheimische Landeskenner, die den Gästen das Land möglichst authentisch näherbringen sollen.

          Das Motto der Billigstudienreise oder der preiswerten Erlebnisreise, wie die Sprachregelung bei Marco Polo lautet, ist wie bei den Billigflügen: weniger Leistung für weniger Geld. Offiziell sperrt sich die Konkurrenz zwar noch gegen den Billigtrend. „Wir würden keine wichtigen Reisebestandteile aus dem Programm herausnehmen, um eine Reise günstiger zu machen“, sagt Gebeco-Geschäftsführer Ury Steinweg.

          Das Erlebnis im Vordergrund

          Längst hat aber auch der Wettbewerber Preiswertreisen im Programm. Neben dem Produkt „Gebeco Länder erleben“, der günstigen Alternative zur klassischen Studienreise, lockt das Kieler Unternehmen das ganze Jahr über mit Sonderangeboten. Aktuell werden eine achttägige Nordindien-Reise für 755 Euro und eine neuntägige China-Reise ab 999 Euro beworben. Auch Studiosus bietet seit einiger Zeit sogenannte Preiswert-Studienreisen.

          Immer stärker in den Vordergrund rückt bei Studienreisen das Erlebnis. „Die Kunden haben größere Erfahrungswerte und wollen nicht nur an der Oberfläche eines Landes kratzen“, sagt Haidrun Brauner, Produktmanagerin bei Meier's Weltreisen. Vermehrt baut der Anbieter deshalb Besuche bei den Indios im Regenwald von Venezuela oder die Teilnahme an einem Schamanenritual in Sibirien in seine Reisen ein.

          Eigener Katalog für Singles und Paare

          Ähnlich sieht es bei Gebeco und Studiosus aus. Marco-Polo-Gästen serviert man auf jeder Reise das Entdecker-Highlight „Marco Polo Live“: Die Palette reicht vom Höhlentauchen in Mexiko über River-Rafting auf dem Indus bis hin zur Sternenschau in Chiles Atacama-Wüste. Auch individuelle Reisen sind 2005 gefragt: „Immer stärker wollen die Kunden ihren Urlaub selbst gestalten“, stellt Haidrun Brauner fest. Meier's Weltreisen hat sein Angebot deshalb erneut ausgebaut. Immer mehr Studienreisen tragen den Zusatz „Meier's exklusiv“ - sie werden auch für Kleinstgruppen ab zwei Personen angeboten.

          Marco Polo hat für Singles und Paare sogar einen eigenen Katalog aufgelegt. Er reicht von der individuellen Kulturreise durch Syrien und Jordanien samt Besuch der märchenhaften Wüstenstadt Petra bis hin zur privaten Jeeptour durch die Mongolei - persönlicher Reisescout und Fahrer stets inklusive.

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