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Reich in New York? Ein Selbstversuch : Heute bin ich Milliardär

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Ganz oben ist die Aussicht doch am schönsten Bild: AP

Packen Sie Ihren besten Anzug und ein Paar elegante Schuhe ein. Dann geben Sie sich beim Makler als Vertrauter eines russischen Oligarchen aus und jagen mit den anderen Multimilliardären nach Wohnungen in der Upper East Side oder am Central Park West.

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          Die New Yorker Band LCD Soundsystem singt mit zynischem Unterton „New York's the greatest place if you get someone to pay your rent“. Stimmt. Nichts wäre schöner, als hier zu wohnen und sich die Miete von anderen bezahlen zu lassen. Noch großartiger fühlt sich die Stadt allerdings an, wenn man lediglich zu Besuch vorbeikommt, die Taschen voller Euro, und so tut, als gehöre man zu denen, die mitspielen können im verrücktesten Monopoly-Turnier aller Zeiten: der Jagd nach den schönsten, größten, teuersten Apartments, die diese reichste aller Städte offeriert.

          Ansonsten ist ja nicht mehr viel los. Die letzte freundliche Nachtbar mit anspruchsvollem DJ-Programm, das „Passerby“ in Chelsea, schloss vergangenen Monat. Der legendäre Schwulen- und Lesben-Diner „Fleurent“ im Meatpacking District macht Ende Juni zu - weil die Miete von 15 auf 60 000 Dollar steigen sollte. Nur zwei von vielen tragischen Fällen. Die Grundstücke werden dringend gebraucht, um neue Luxus-Wolkenkratzer für Investoren aus Russland, China und Arabien zu errichten.

          Vertrauter eines russischen Oligarchen

          Wenn das echte Leben in der Stadt immer schneller abstirbt, bleibt Touristen nichts übrig, als mitzumachen beim letzten Abenteuer, das New York zu bieten hat: Packen Sie Ihren besten Anzug und ein Paar elegante Schuhe ein (oder kaufen Sie den Kram hier - der Dollarkurs!!!). Dann geben Sie sich beim Makler als Vertrauter eines russischen Oligarchen oder als deutscher Internetunternehmer aus und jagen mit den anderen Multimilliardären nach Wohnungen in der Upper East Side oder am Central Park West. Nur so zum Spaß. Sie werden keine Sekunde bereuen, versprochen.

          Der Rest des Landes, das haben sogar New Yorks Monopoly-Spieler schon mal gehört, versinkt in einer Immobilienkrise epochalen Ausmaßes. Manhattan leidet unter einem anderen Problem: Zehntausende neuer Luxus-Apartments werden nicht schnell genug fertig, so dass beim Bau geschludert wird und in wenigen Monaten ein halbes Dutzend Arbeiter in den Tod stürzte. Außerdem explodieren die Preise. Im ersten Quartal kostete ein Apartment in Manhattan laut der Bewertungsfirma Miller Samuel 33,5 Prozent mehr als vor zwölf Monaten. Die durchschnittliche Zweiraumwohnung wechselt derzeit für 1,7 Millionen Dollar den Besitzer.

          Es liegt kein Rechenfehler vor

          Doch die Statistik, über die man als Bewohner der Insel so richtig kichern muss, ist diese: Die Zahl der verkauften Apartments mit einem Preis von über zehn Millionen Dollar stieg im ersten Quartal um 1658 Prozent. Und es liegt kein Rechenfehler vor. Eine neue Generation von viel zu schnell viel zu reich Gewordenen aus aller Welt giert nach Zweitwohnungen mit Blick auf den Park oder das Empire State. Eine Hysterie herrscht im Gewerbe, die der New Yorker Immobilienmogul Kirk Henckels so ausdrückt: „50 Millionen ist das neue 30 Millionen“.

          Da will man als Zuschauer natürlich dabei sein, das muss man doch gesehen haben. Schnell die Schuhe putzen und den Anzug zur Reinigung bringen. Wir möchten auch mal gucken, was die Reichen machen. Spannende Fragen, die jeder Mensch mal einem New Yorker Makler gestellt haben sollte: Könnten wir das Waschbecken bitte aus massivem Platin bekommen? Die Wohnung im 36. Stock wäre perfekt für meine Butler. Wie schnell können wir diesen P. Diddy oder wie der heißt da rausklagen? Kann ich den Weinkeller von der Steuer abschreiben?

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