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Peru : Eine Frage der Wellen

  • -Aktualisiert am

Warten auf die Welle, an der Promenade von Punta Hermosa Bild: F.A.S. - Andreas Lesti

Das Geheimnis von Punta Hermosa: ein Surfer, ein Surfbrett und die gewaltige Brandung. Peru hat 2.300 Kilometer Pazifikküste und perfekte Wellen. 365 Tage im Jahr.

          5 Min.

          An jenem Sonntag, als der große Surf-Guru Raul Calle nach 25 Jahren nach Punta Hermosa zurückkehrte, passierten dort seltsame Dinge. Zuerst fiel ein Lama in die Fluten des Pazifiks, dann sprang Ibo mit einem plötzlichen Satz von den Felsklippen, und schließlich streute Umberto die Asche seiner Mutter in die Dünung des Ozeans. Er rang nach Fassung und sagte: „Nirgendwo ist das Meer so schön wie hier.“

          Aber der Reihe nach: Punta Hermosa, das ist ein kleiner Ort am Pazifik, dreißig Kilometer südlich von Perus chaotischer Hauptstadt Lima. Die Bucht ist eine Art meditativer Gegenpol zum Großstadtlärm, an dem vor allem wohlhabende Peruaner in den Wellen oder am Strand ihre innere Ruhe suchen. Die Stadt mit ihren achtspurigen Straßen, ihrem höllischen Verkehr, ihren quietschenden Toyota-Taxis, röhrenden Chevrolet-Pick-ups, dröhnenden VW-Käfern und der kreischenden Meute in den überladenen Kleinbussen, die Stadt ist nur ein paar Kilometer entfernt - und doch ist sie hier nicht zu spüren. Es ist, als hätte jemand einen gigantischen Stoppknopf gedrückt.

          Sprung in die Brandung

          Doch an jenem Sonntag zerriß das Bellen eines Hundes die Ruhe über dem Strand. Der Mischling hatte sich im Dorf losgerissen und war zum Strand gejagt - direkt auf das Lama zu. Ein alter Mann, der darauf wartete, daß sich reiche Peruaner für zwei Soles mit seinem Hochlandtier fotografieren lassen, bürstete dem Lama gerade das Fell. Dann ging alles ganz schnell. Aggressiver Hund, angsterfüllte Augen, springendes Lama - und schon trieb das Tier hilflos in der Pazifikbrandung. Man konnte es retten, doch es lag später noch lange zitternd und verstört am Strand.

          Wenige Minuten später sprang Ibo ins Meer - freiwillig. Der Surfer aus Lima kam wie jeden Sonntag nach Punta Hermosa. Ibo hatte keine Lust, gegen die hereinbrechenden Wellen hinauszupaddeln, und so stieg er, das Surfbrett unterm Arm, über die Felsen und das tosende Wasser hinauf zum höchsten Punkt von La Isla, der Insel vor dem Strand. Auf der anderen Seite lief er wieder ein Stück hinunter bis zu den acht Meter hohen Klippen, an deren Grund sich die Wellen brachen. Dort zog er seinen Neoprenanzug über die tätowierten Schultern, warf sein Brett hinunter und sich selbst hinterher. Im Wasser schnappte sich Ibo sein Brett, paddelte in die erste hübsche Welle und ließ sich von ihr bis zur Promenade der Playa Blanca tragen. Was für ein Auftritt.

          Vom Büro aufs Brett

          Ibo ist einer jener reichen Menschen aus Lima, die man auch im Waikiki-Club am Strand des exklusiven Stadtteils Miraflores trifft. Das ist eine Glamourwelt, die sich zum restlichen Peru ungefähr so wie der Zürichberg zu Bangladesch verhält. Goldketten, Zigarrenqualm und Mahagoniholz beherrschen das Bild im Waikiki-Club, zerfetzte Müllbeutel, streunende Hunde und windschiefe Wellblechhütten das des peruanischen Hinterlandes. An einem der Mahagonitische sitzen Eduardo Caceres Guislain und Sofia Mulanovich und wirken in ihren Designerklamotten auch nicht gerade wie typische Peruaner. Sind sie auch nicht. Guislain ist Präsident des peruanischen Surfverbandes und Sofia sein ganzer Stolz.

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