https://www.faz.net/aktuell/reise/fern/nigeria-die-herren-der-hyaenen-1514874.html

Nigeria : Die Herren der Hyänen

  • -Aktualisiert am

Mallam Mantari Lamal und die Hyäne Mainsara Bild: Abbildungen aus dem besprochenen Band

Stolz und Würde der Kreaturen: Der südafrikanische Fotograf Pieter Hugo reiste mit einer Schaustellertruppe durch Nigeria. Bilder von verstörender Fremdheit über die Zivilisation und Wildheit von Mensch und Tier.

          2 Min.

          Unter den wilden Tieren der Welt haben Hyänen einen denkbar schlechten Ruf. Daran ist Alfred Brehm nicht unschuldig. In seiner Enzyklopädie „Illustriertes Thierleben“, in den sechziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts erstmals veröffentlicht, beschrieb der Zoologe Hyänen als dumm, böse und feige. Bei dieser Vermutung ist es im Wesentlichen geblieben, auch wenn die Wissenschaft längst über Brehms Erkenntnisse hinaus ist.

          Neuere Studien weisen etwa nach, dass Tüpfelhyänenmännchen besonders höfliche und aufmerksame Liebhaber sind, was im Zusammenhang mit einer anatomischen Besonderheit der Weibchen steht. Auch ist das alte Vorurteil korrigiert, Hyänen ernährten sich ausschließlich von Aas. Tatsächlich gehören sie in den Savannen Ostafrikas zu den erfolgreichen Jägern, die ihre Beute allein oder in kleinen Gruppen erlegen.

          Legenden und Sagen, und die Furcht vor dem Tier

          Sogar in Afrika, der Heimat der Tüpfelhyäne, ist die Furcht vor dem Tier weit verbreitet. Das äußert sich nicht nur in vielen Legenden und Sagen, sondern auch in bizarren Kolportagen, die bisweilen sogar seriöse Medien erreichen. So zitiert der nigerianische Journalist Adetokunbo Abiola die Meldung aus einer Zeitung in Lagos, in der es vor einigen Jahren hieß, eine Verbrecherbande, die ihre Opfer mit Hilfe einer abgerichteten Hyäne und eines Affen beraubte, sei in eine Schießerei mit der Polizei geraten.

          Gadawan Kura, die Hyänen-Männer von Abuja
          Gadawan Kura, die Hyänen-Männer von Abuja : Bild: Abbildungen aus dem besprochenen Band

          Tatsächlich war es so, dass die Besitzer der Hyänen, eine Familie fahrender Schausteller, an einem Polizeiposten unter Feuer gerieten. Die Schießerei endete tödlich für zwei Hyänen und zwei Beamte, die versehentlich von ihren Kollegen getroffen wurden. Erst im Nachhinein sei gegen die Hyänen-Männer Anklage erhoben worden, sie wurde aber schnell wieder fallengelassen. So lautet die Version des Ereignisses, die Abiola von Abdullahi Ahmadu hörte.

          Die Hyänen-Männer, Gaukler und Wundheiler

          Adbullahi Ahmadu gehört seit seiner Kindheit zu den Gadawan Kura, den Hyänen-Männern, die als Gaukler und Wunderheiler durch Nigeria ziehen und ihr Laufpublikum mit Tierdressuren zum Kauf traditioneller Medizin animieren - die Tinkturen, Salben und Wunderpulver sollen immun machen gegen alle Widrigkeiten des Lebens. Zur Gruppe zählen überdies Ahmadus kleine Tochter Mummy, drei Hyänen, zwei Felsenpythons und vier Paviane.

          Beim Blick auf die Familie wird man auf Anhieb kaum entscheiden können, wer den gefährlicheren Eindruck macht: die Männer, alle im besten Alter, die finster entschlossene Mienen und grelle Muskelhemden zur Schau tragen, oder die Hyänen zu ihren Füßen, deren Bedrohlichkeit durch improvisiert wirkende Maulkörbe aus Hanfstricken und Eisenketten um den Hals noch verstärkt wird.

          Mensch und Tier vor dem Elend der Kulissen

          Die Hyänen-Männer und ihre Tiere strahlen einen eigenartigen Reiz aus. Ihm ist auch der junge Fotograf Pieter Hugo aus Südafrika erlegen, der über Abiola Kontakt zu der Truppe fand und die Reisenden durch ihre Heimat begleiten durfte. Die Aufnahmen, die unterwegs entstanden, zeigen nicht das Handwerk der Schausteller, die Tricks und Kunststücke, mit denen sie ihr Publikum unterhalten. Vielmehr konzentriert sich Hugo auf Porträts, die er selbst als Vermischung von Mensch und Tier, Zivilisation und Wildheit bezeichnet.

          Es sind Bilder von verstörender Fremdheit - selbst für Betrachter, für die das Unbehauste afrikanischen Lebens auf der Straße ein geläufiger Eindruck ist. Die Irritation entsteht durch das Nebeneinander des selbstgewissen Posierens von Mensch und Tier vor dem Elend der Kulissen aus Überlandstraßen, Betonbrücken und Elendsquartieren - Menetekeln einer Welt, die verdorben ist von den Auswürfen der Zivilisation. Intuitiv erkennt man, dass diese Bilder vor allem von einem erzählen: von Stolz und Würde der Kreatur wider die Verhältnisse.

          Weitere Themen

          Biete weniger!

          Sparen auf Reisen : Biete weniger!

          Beim Hotelportal „Midnightdeal“ und dem Bezahlmodell „Pay as you wish“ können Kunden den Preis selbst bestimmen. Geschenkt gibt es dort aber nichts.

          Topmeldungen

          TV-Kritik „Hart aber fair“ : Hört auf diese Frau

          Börsenexpertin Anja Kohl fährt die sozialpolitischen Krallen aus. Bei Frank Plasberg erteilt sie Lektionen zu Preissteigerungen, mit denen anwesende Abgeordnete eigentlich etwas anfangen könnten. Wenn sie sich nicht an überholte Konzepte klammerten.
          Freude pur mit Plattenhardt (l.): Hertha BSC Berlin bleibt in der Bundesliga

          Bundesliga-Relegation : Plattenhardt rettet Hertha

          Der Berliner Linksverteidiger bereitet das 1:0 vor und erzielt den entscheidenden zweiten Treffer. Hertha bleibt in der Bundesliga, die Mission von Trainer Magath „ist jetzt beendet“. Der HSV muss in sein fünftes Zweitligajahr.
          US-Präsident Joe Biden am Montag mit den Ministerpräsidenten von Japan und Indien.

          Bidens Wirtschaftspakt : Eine Gefahr für den Freihandel

          Der amerikanische Präsident schmiedet einen Wirtschaftspakt im Indo-Pazifik. Die Chancen, dass seine Initiative Durchschlagskraft entwickeln wird, sind indes gering.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Sprachkurse
          Lernen Sie Englisch
          Sprachkurse
          Lernen Sie Französisch
          Sprachkurse
          Lernen Sie Spanisch
          Sprachkurse
          Lernen Sie Italienisch