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New York : Der schönste Blick auf Manhattan

  • -Aktualisiert am

Wer New York auf den Kopf schauen will, muß sich nicht in die lange Schlange vor dem Empire State Building einreihen oder einen Helikopterflug rund um Manhattan buchen. Es geht auch mit der Roosevelt Island Tram.

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          New York gehört zu den Städten, die man von allen Richtungen aus erleben sollte - vor allem von oben, denn so kann man die himmelsstürmende Vertikalität der Metropole am besten erfassen. Nicht umsonst gehören Aussichtsplattformen und Restaurants in den obersten Stockwerken der Wolkenkratzer zu den Hauptattraktionen der Stadt. Man kann New York allerdings auch auf den Kopf schauen, ohne sich in die lange Schlange vor dem Empire State Building einzureihen oder einen der überteuerten Helikopterflüge rund um Manhattan zu buchen. Es gibt ja noch die Roosevelt Island Tram.

          Die 1976 gebaute Seilbahn sollte ursprünglich nur eine temporäre Verbindung für die Bewohner von Roosevelt Island nach Manhattan sein. Längst aber ist die Tram nicht mehr aus dem Stadtbild wegzudenken und gilt New-York-Insidern als Sehenswürdigkeit ersten Ranges. Nach Ansicht der "New York Times" bietet sie sogar den aufregendsten aller Blicke auf die Stadt. Ein wenig fühlt man sich wie im Skiurlaub, wenn man die Stufen zu der in der Schweiz gefertigten Bahn an der Ecke von 2nd Avenue und 59th Street nach oben klettert. Meist warten schon einige Fahrgäste in der hundertfünfundzwanzig Personen fassenden Gondel, wenn der Tram-Führer in den Wagen steigt. Alle fünfzehn bis zwanzig Minuten pendeln die beiden Kabinen zwischen Manhattan und Roosevelt Island, zuerst zwischen den Apartmentgebäuden an der Queensborough Bridge hindurch und dann hoch über den East River.

          Langsam setzt sich die Seilbahn in Bewegung, dann gewinnt sie mit der Höhe an Tempo. Immer kleiner werden die gelben Taxis, die sich durch die Straßen schlängeln. Weit unten braust der Verkehr, Autos und Busse drängeln sich hupend und Auspuffgase spuckend an der geschwungenen Auffahrt zur Queensborough Bridge. Zu beiden Seiten der Seilbahn erheben sich klobige Apartmenthäuser und Bürogebäude in den Himmel, fünfzehn, zwanzig Stockwerke hoch. Durch die großen Fenster sieht man hier eine Zimmerpflanze, dort ein Bücherregal, jemand sitzt am Schreibtisch und liest. Viel zu kurz dauert der voyeuristische Einblick in die Wohnungen echter New Yorker. Über dem East River hat die Tram ihren höchsten Punkt von achtzig Meter erreicht. Jetzt saust sie mit sechzehn Meilen pro Stunde abwärts gen Roosevelt Island.

          Obwohl die Fahrt nicht viel länger als viereinhalb Minuten dauert, ist die Roosevelt Island Tram eine Berühmtheit, denn sie ist schon durch mehrere Hollywood-Produktionen gegondelt. 1991 zum Beispiel war sie in "City Slickers" zu sehen. Sylvester Stallone befreite in den achtziger Jahren in "Nighthawks" einige Diplomaten der Vereinten Nationen aus der Gondel, die von Terroristen entführt worden waren. Spiderman und der Grüne Goblin lieferten sich einen erbitterten Kampf um die Kinder, die der Goblin in einer der Kabinen über dem East River baumeln ließ.

          Im richtigen Leben ist noch niemand in der Roosevelt Island Tram zu Schaden gekommen. Mehr als dreißig Millionen Passagiere hat sie seit der ersten Fahrt sicher über den East River transportiert, die knapp zehntausend Einwohner von Roosevelt Island nahezu täglich. Und auch für sie ist es jedes Mal von neuem aufregend, beim Rückweg nach Manhattan regelrecht in die East Side hineinzufliegen. Man saust direkt auf die Schluchten der Stadt zu und versinkt in ihnen und wird wieder Teil New Yorks, das sich nicht nur in alle vier Himmelsrichtungen erstreckt, sondern auch hoch hinaus in die Wolken.

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