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Neuseeland : Pinguine auf der Weide

  • -Aktualisiert am

Blaupinguine: häufiger anzutreffen als ihre Verwandten die Gelbaugenpinguine Bild: ASSOCIATED PRESS

Klimaneutrales Fliegen ist für den neuseeländischen Schaffarmer und Umweltaktivisten Ron Marriott keine Floskel. Seine Gäste können bei ihm Urwaldzertifikate kaufen und so ihr Gewissen von den vielen Tonnen Abgasen reinwaschen.

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          Die Klimabilanz eines Neuseeland-Fluges ist verheerend. Einmal um den halben Globus und zurück zu fliegen entspricht ungefähr einer Strecke von vierzigtausend Kilometern. Die Triebwerke einer Langstreckenmaschine pusten hundertzehn Gramm des Treibhausgases Kohlendioxid pro Passagier und Kilometer Flug in die Luft. Das macht knapp viereinhalb Tonnen Treibhausgas für jeden Neuseeland-Reisenden und entspricht der Jahresration eines Mittelklassewagens bei knapp fünfundzwanzigtausend Kilometern Fahrleistung. „Doch diese Klimaschuld könnt ihr zurückzahlen, wenn ihr uns besucht“, sagt Ron Marriott.

          Dieser Satz geht den beiden Wanderern auf dem Weg zu Ron Marriott mehr als einmal durch den Kopf. Denn der Neuseeländer wohnt nicht nur genau auf der anderen Seite des Globus, sondern dort auch noch ganz am Ende der Welt. Wie soll man ausgerechnet dort seine Klimaschulden begleichen können? An dieses Ende jedenfalls kommt man nur in Etappen: Mit dem Campervan von der größten Stadt Neuseelands, Auckland, in die Hauptstadt Wellington. Von dort mit einer Riesenfähre in drei Stunden von der Nord- auf die Südinsel. Weiter geht es mit dem Postboot vierzig Kilometer lang durch eine Art langgezogenen Fjord bis zu einer Bucht namens Ship Cove, in der schon der Neuseeland-Entdecker James Cook im Januar 1770 vor Anker gegangen war. Von dort sind es dann noch einmal sieben Stunden zu Fuß nach Cape Jackson. Und dort wartet Ron Marriott mit seinem Ablass auf die Klimasünder.

          Folgen Sie den roten Dreiecken

          Weshalb diese letzte Etappe so anstrengend ist, erklärt Ron Marriott mit fröhlichem Gesicht: „Da ich den Weg ganz allein mit der Axt durch den Urwald geschlagen habe, ist er so eng und anstrengend geworden. Immerhin hat das den Vorteil, dass es nur die richtigen Leute bis hierher schaffen.“ Wie streng seine Auslese ist, zeigen die Zahlen: In Ship Cove beginnt mit dem Queen Charlotte Track einer der bekanntesten Mehrtageswanderwege Neuseelands, auf dem jedes Jahr dreißigtausend Wanderer nach Süden unterwegs sind. Den von Ron Marriott vom selben Ausgangspunkt nach Norden mit der Axt ausgeschlagenen Weg dagegen laufen jedes Jahr keine dreihundert Menschen.

          Im dichten Unterholz weisen Markierungen aus roten Dreiecken zwischen Urwaldriesen, Baumfarnen und Lianen steil den Hang hinauf. Zwei Stunden und fünfhundert Höhenmeter weiter wird man dann mit phantastischen Ausblicken vom Hügelkamm über die türkisblauen Buchten der Marlborough Sounds belohnt. Weiter geht es über den Kamm mit seinen uralten Baumriesen hinauf auf achthundert Meter und anschließend durch dichten Urwald und über altes Weideland beinahe wieder ganz hinunter zu den Meeresbuchten. Als der Protest der überlasteten Beine sich nicht mehr leugnen lässt, taucht dort unten eine Werkstatt auf und eine Minute weiter ein geräumiges Haus, in dem Ron Marriott auf die Wanderer wartet.

          Vom Ingenieur zum Schafzüchter

          Nach einer Weile erschöpften Verschnaufens und einem üppigen Abendessen löchern die beiden Wanderer Ron Marriott mit ihren Fragen: Wie sie denn ihre Klimaschulden zurückzahlen können? Und wieso zieht sich jemand ans Ende der Welt zurück, um das Klimaproblem zu lösen? Marriott holt ein wenig weiter aus, erzählt in kurzen, trockenen Sätzen von seinem früheren Leben als Elektronikingenieur mit Spezialisierung auf Notfallkommunikation in Christchurch, der größten Stadt auf der Südinsel Neuseelands. Und von den drei Pferden der drei Töchter, die selbst in einer so grünen Stadt wie Christchurch kaum Weideland gefunden hätten.

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