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Neukaledonien : Die schwierige Liebe zum Stiefmutterland

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Einzigartige Natur

Die Pleine des Lacs hingegen lag einst unter einer riesigen Wasserfläche; nach dem Austrocknen hat sich auf dem roten Boden eine hartnäckige und überlebenswillige Flora angesiedelt. Die menschenleere Ebene ist ein natürliches Labor für Botaniker mit Dutzenden von Pflanzen, die nur an den Ufern des fünfzehn Kilometer langen Rivière des Lacs vorkommen. In diesem Raritätenkabinett hat die Natur eine fremdartige Vegetation gestaltet, deren Stämme, Blätter und Blüten hart, rauh, dornig und nadelig sind, um die Pflanzen überlebensfähig zu machen. Nichts anderes hat je den Weg hierher gefunden, nichts anderes könnte auf diesem ariden metallischen Boden wachsen.

Nicht nur auf dem Land, auch in den Gewässern rund um Neukaledonien präsentiert die Natur einzigartige und höchst seltsame Lebewesen. Das sechzehnhundert Kilometer lange Riff, das Grand Terre vollständig umgibt und dadurch die größte Lagune der Welt formt, gilt bei Experten als eines der intaktesten Korallenriffe der Welt. Deshalb sollen jetzt große Teile der neukaledonischen Unterwasserwelt von der Unesco zum Weltnaturerbe erklärt werden. Der Antrag ist eingereicht, die Entscheidung steht aus.

Lebendes Fossil in den Wellen

Das ungewöhnlichste Meerestier freilich lebt jenseits von Lagune und Riff in den Tiefen des westlichen Pazifiks. Dort ist die Heimat des Nautilus, eines rätselhaften Wesens, das sich auf groteske Weise langsam und wippend durchs Wasser bewegt. Der Nautilus ist ein Kopffüßler, der sich seit vierzig Millionen Jahren genetisch kaum verändert hat und deshalb als lebendes Fossil gilt. Seine braunweiße Schale besitzt die Form einer perfekten logarithmischen Spirale, bei der Länge und Breite im selben Verhältnis anwachsen. Mit dem Weichkörper, der sich in der äußeren Kammer des Gehäuses befindet, kann der Nautilus eine pumpende Bewegung ausführen, die ihn im Wasser voranbringt, Luftkammern in den hinteren Abteilungen sorgen für Auftrieb und Absinken.

Das Aquarium von Nouméa war in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts das erste, das einen lebendigen Nautilus präsentieren konnte. Heute besitzt es ein halbes Dutzend Exemplare, die den Besuchern nach einer aufwendigen Neugestaltung des Gebäudes auf originelle Weise nahegebracht werden. In der Mitte eines verdunkelten Raumes steht ein runder Glasbehälter, in dem die Tiere im Wasser schweben. Durch geschickte Beleuchtung und die Installation von Vergrößerungsspiegeln erscheinen diese skurrilen Wesen noch seltsamer, als wenn man ihnen in der Tiefe der Südsee begegnen würde.

Auf dem Aussichtsturm mit der Jungfrau Maria

Außerhalb des großen Riffs liegen auch die Îles Loyauté, eine Inselgruppe, die ebenfalls zu Neukaledonien gehört. Hauptinsel ist Lifou, ein Ableger von Grand Terre im Kleinen. Die Insel ist platt, sitzt aber auf einem felsigen Sockel, der einige Meter aus dem Meer herausragt. Deshalb gibt es rund um die Insel fast überall steile Klippen. Besonders eindrucksvoll rollen die Pazifikwellen im Süden bei Xodre auf die Küste zu, schäumen meterhoch auf und fallen dramatisch in sich zusammen. Den schönsten Aussichtspunkt darf man sich mit der Jungfrau Maria teilen. Sie steht bei Easo am Rand einer leicht erhöhten Halbinsel auf der Spitze eines Glockenturms. Die Madonna schaut selbstvergessen hinaus auf den Pazifik, und der Fremde ist froh, hier nicht vollkommen allein mit sich und der gewaltigen Macht der Südsee zu sein.

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