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Namibia : Gegen Speikobras empfehlen wir Schrotflinten

Genüsslich knabbert die Löwin an der Kudu-Haxe

Und als wir glaubten, Namibias Leere und Weite habe sich nun endgültig auf die eigene Spitze getrieben, kamen wir zur Etosha-Pfanne und verstummten. Denn dieser ausgetrocknete See, unfassbare fünftausend Quadratkilometer groß, die größte Salzpfanne auf Erden, so heiß, dass man darin Eier und auch Menschen braten könnte, ist eine spiegelglatte, schneeweiße, totenstille, lebensleere Fläche, die aussieht, wie die Welt ausgesehen haben mag, bevor der Schöpfer mit seiner Schöpfung begann, oder wie sie aussehen wird, wenn sich der Rauch der Apokalypse gelichtet hat. Wir sind ein paar Kilometer in die Pfanne hineingefahren, fehlgeleitet von Fata Morganas, von Brandungen, die wir sogar zu hören glaubten, und standen dann inmitten des existentialistischen Nichts. Wer jemals glaubt, des Lebens überdrüssig zu sein, sollte ein paar Minuten in diesem irdischen Totenreich verbringen. Er wird danach dürsten nach dem Leben.

Menschen sind Memmen. Das sagen sich wahrscheinlich die Tiere, die zu Hunderttausenden den Etosha-Nationalpark bevölkern. Allein die Zahl der Zebras, die immer ein wenig wie Kinderspielzeug aussehen, und der eleganten Springböcke, die wie Ballerinas auf Spitzen durch die Savanne zu tänzeln scheinen, ist geradezu epidemisch. Wir haben auch sehr bald aufgehört, die Oryx-Antilopen mit ihren endlos langen Doppelfloretthörnern zu zählen, oder die Gnus, die mit ihren unförmigen Monsterschädeln und struppigen Haarkämmen aussehen, als seien sie gerade einer prähistorischen Felsmalerei entsprungen. Wir haben Unmengen von Straußen gesehen und uns darüber gewundert, dass ausgerechnet eines der dümmsten Tiere der Wildnis mit einem erbsengroßen Hirn ihr heimlicher König ist; denn der Strauß überwacht mit seinem lächerlich überdimensioniert wirkenden Hals die gesamte Ebene wie mit einem Periskop und rennt bei Gefahr mit siebzig Sachen pro Stunde jedem Feind davon. Noch mehr haben wir über die Webervögel gestaunt, die gigantische Nester mit Aberhunderten von Eingängen in den Akazien bauen und einfach nicht aufhören können, so dass die elefantengroßen Behausungen irgendwann zu Boden krachen - und die Webervögel immer noch weiterbauen.

Manchmal glaubten wir, all diese friedlich grasenden, im Schatten dösenden, zwischen Bitterbüschen schlendernden Tiere warteten hier nur auf die Abfahrt der Arche Noah. Doch jeder Glaube an Friedfertigkeit ist Illusion in dieser Welt des Fressens und Gefressenwerdens. Wir sahen keine Knochen, weil die verschlagenen Allesfresser von Hyänen selbst sie zernagen. Wir sahen Dutzende von Schakalen, klein wie Füchse, klapperdürr wie Straßenköter, die wohl selbst nicht wussten, ob sie Opfer oder Täter sind. Wir stießen auf fünf Löwinnen, die sich keine fünf Meter von uns entfernt am Straßenrand unter einer Akazie räkelten, miteinander schmusten und sich ganz entzückend liebkosten, bis eine Löwin aufstand, um eine Kudu-Haxe hinter einem Busch hervorzukramen und genüsslich abzuknabbern, der Digestif ihrer letzten erfolgreichen Jagd. Und schließlich sahen wir an einem Wasserloch auch drei mächtige Elefantenbullen, Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem benachbarten Angola, den Rebellen und Wilderern gerade noch entkommen und jetzt in Etosha zweihundert Liter Wasser am Tag trinkend, ein Viertel mehr als ihre Artgenossen in Südafrika, weil es hier so brüllend heiß ist. Wir fühlten uns ihnen plötzlich sehr verwandt.

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