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Namibia : Gegen Speikobras empfehlen wir Schrotflinten

Tsumeb ist eine Oase, umringt von Maisfeldern, Mangobäumen und Orangenplantagen, geschmückt von Abertausenden Jacaranda-Bäumen, die im Frühjahr ihre lilafarbenen Blüten über die Stadt streuen wie duftendes Konfetti, beherrscht in ihrem Zentrum von einem großen Park, um den sich neogotische Kirchen aus der Kaiserzeit und Villen auf fußballfeldgroßen Grundstücken scharen. Denn Tsumeb ist reich, dem Kupfer sei Dank, dem der Ort seine Existenz und sein Geld verdankt und wahrscheinlich auch sein Glück. Und daran, dass Tsumeb buchstäblich auf Kupfer gebaut ist, erinnert ein Förderturm mitten in der Stadt, ein rostendes Wahrzeichen, denn gefördert wird nichts mehr, wohl aber Kupfer noch geschmolzen, das aus aller Welt herbeigeschafft wird.

Das erste Haus am Platz kann da gar nicht anders als Minen Hotel heißen. Vor hundert Jahren begann es als Baracke mit Bar, wuchs dann zu einem repräsentablen Haus rund um einen tropischen Garten mit Bougainvilleen, Oleander und Magnolien heran, ist seit alters berühmt für seine deutsche Küche, führt auf der Karte unerschütterlich Toast Hawaii, Birne Helene und Strammen Max, doch das ist nicht so schlimm, solange die Ewiggestrigkeit kulinarisch bleibt. Geführt wird das Hotel von Herrn Radenberg, den alle nur Max nennen und der kein strammer Generaldirektor, sondern ein freundlicher, zurückhaltender Mann Mitte dreißig ist, „Deutschnamibier“ aus Überzeugung, stolzer Nachfahre seines Urgroßvaters, „neunzehnnullvier aus Moers nach Namibia gekommen“, mit der alten Heimat noch immer freundschaftlich verbunden - „einmal im Jahr gehe ich rüber“ -, ansonsten aber der neuen Heimat genauso leidenschaftlich zugetan wie die gute alte Frau Kugel.

Ein einträchtiges Bier im Minen Hotel

„Die Unabhängigkeit hat uns Namibier zusammengeschweißt“, sagt Max Radenberg. „1990 saßen bei mir in der Klasse plötzlich auch schwarze Kinder, doch das war überhaupt kein Problem. Wir haben einfach zusammen Fußball gespielt.“ Namibia sei eben ein Land der vielen Ethnien, und die Deutschen seien eine davon, so einfach sei das. „Wir trinken mit den Ovambos oder den San ein Bierchen, dann geht jeder wieder seines Weges und lebt sein eigenes Leben.“

Überhaupt sei Namibia ja gar kein richtiges Afrika, kein Uganda oder Ruanda, wo sich die Rebellen gegenseitig auf die Schnauze hauten. Hier sei alles schon immer entspannter gewesen, sogar zu den unseligen Apartheid-Zeiten während der südafrikanischen Zwangsherrschaft. „Bei uns in der Bar hockten schon 1982 schwarze Swapo-Kämpfer gemeinsam mit weißen Farmern am Tresen. Wir waren das einzige Hotel in ganz Namibia, in dem das möglich war“, sagt Max Radenberg mit einem scheuen Triumphlächeln. Und genauso entspannt wie einst geht es heute noch in der Kneipe zu, in der Schwarze Weiße bedienen und Weiße Schwarze und alle geruhsam ihr Bier unter deutschen Wappen, deutschen Bierkrügen und deutschen Sinnsprüchen wie diesem trinken: „Es grünt die Tanne, es wachse das Erz, Gott schenke uns allen ein fröhliches Herz. Glück auf!“

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