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Namibia : Der Wüstenplanet

Sind Giraffen begriffstutzig? Bild: F.A.Z.-Melanie Ottenbreit

Das Damaraland ist reich an Leben: Eine Reise durch den Staub von Namibia, vorbei an begriffsstutzigen Giraffen, müden Löwen und rülpsenden Robben.

          6 Min.

          Giraffen sind begriffsstutzig. Das könnte man jedenfalls meinen, wenn man sie so an ihrem Wasserloch stehen sieht. Sie gehen ein paar Schritte, majestätisch und langsam, das Geröll unter ihren Hufen knirscht in Zeitlupe, und dann stehen sie wieder da. Und stehen. Und warten. Inzwischen wird es dunkel. Und sie stehen immer noch da, erhoben und erhaben, aber trinken wollen die vier Giraffen nicht, obwohl es ein heißer namibischer Tag war und ihre trockene Kehle mehrere Meter lang sein dürfte. Aber warum trinken sie denn nicht endlich?

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Die vier Giraffen sind natürlich keineswegs begriffsstutzig, sie wissen schon sehr genau, was sie da zu ihren Hufen haben. Sie sind einfach nur vorsichtig. Und dabei äußerst elegant. Ein Wunder der Verhältnismäßigkeit. Exakt austariert, dieser lange Hals. Die vier langen Läufe. Sie sind vorsichtig, weil man nie wissen kann, was hier im Busch ist.

          Nur flüstern, weil die Tiere ein sehr gutes Gehör haben

          Gerade kommt zum Beispiel ein Schakal vorbei, was die Giraffen immerhin dazu bringt, endlich mal zu trinken. Denn Schakale sind für sie ungefährlich, obendrein schauen die immer so beschäftigt aus, als hätten sie ohnehin etwas anderes im Sinn. Doch diese künstliche Wasserstelle am Rande des Etosha-Nationalparks im Norden Namibias gefällt auch einem Nashorn und seinem Kalb, und Nashörner können sehr ungemütlich werden. Junge Mütter erst recht.

          Ersatzreifen gehören zur Grundausstattung einer Safari
          Ersatzreifen gehören zur Grundausstattung einer Safari : Bild: F.A.Z.-Melanie Ottenbreit

          Es gibt für Giraffen zwei Arten, sich zum Tränken herabzulassen. Entweder gehen sie tief in die Knie - oder sie strecken ihre vier Läufe von sich und senken den Hals. Warum die einen Giraffen knieen und die anderen nicht, das ist noch umstritten, vielleicht Vererbungssache, flüstert Douw. Er flüstert, weil der Verschlag mit seinem Sehschlitz keine fünf Meter vom Wasserloch entfernt steht und die Tiere jedes Wort, jeden Zug am Reißverschluß, jeden Pieps der Digitalkameras hören könnten. Und aufgeschreckt davonstürmten. Dann wären die anderthalb Stunden Warterei im Verschlag für nichts und wieder nichts vertan.

          Japaner passen einfach nicht

          Es ist ja schon enttäuschend genug, daß die versprochene Nashornkuh mit ihrem Kalb nicht auftaucht. Oder vielmehr erst dann, als oberhalb der Wasserstelle in der Ongava Lodge das Abendessen auf dem Tisch steht. Typisch! Jetzt drängeln sich natürlich alle Gäste um das einzige Fernrohr, das auf der Veranda aufgestellt ist. Und trinken Bier dabei und rauchen, wie Douw, der junge Reiseleiter aus Windhoek, der sich seine kleine Pfeife gestopft hat.

          Douw fährt unseren Land Rover: schweres Gerät, auch wenn er und seine Kollegen lieber einen Toyota Landcruiser hätten, weil der zuverlässiger sei. Sagt Douw. Aber der Land Rover ist nun einmal Tradition in Afrika, und wenn ein Tourist auf Safari geht, erwartet er nichts anderes. Weil er „Hatari!“ von Howard Hawks vor Augen hat, John Wayne und Hardy Krüger, und dazu passen Japaner einfach nicht. Man reist auf Safari immer auch Bildern hinterher, die man längst im Kopf hat.

          Touristen bewerfen Elefanten mit Bierdosen

          Das Bild eines verdorrenden Elefanten gehört wohl kaum dazu. Tot liegt er da, auf der staubigen Erde des Etosha-Nationalparks, seit vier Monaten schon. An Altersschwäche ist er gestorben, sagt Douw. Und obwohl man sehr deutlich gewarnt wird, weder die geteerten Straßen noch das Auto zu verlassen, kreisen Reifenspuren im Sand um den armen Kerl herum. Die Geier haben sich an ihm sattgefressen und zum Dank dann noch auf ihm verdaut. Ein Elefantenfriedhof sieht anders aus.

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