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Myanmar/Birma : Hier ist alles Gold, was glänzt

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Neue Goldschichten für die Shwedagon-Pagode Bild: F.A.Z. - Foto Andreas Obst

Die Shwedagon-Pagode in der Fünf-Millionen-Metropole Yangon, Hauptstadt des ehemaligen Birma, ist mit mehr Gold verziert, als die Bank von England besitzt.

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          Die Shwedagon-Pagode steht nicht genau im Mittelpunkt der Fünf-Millionen-Metropole Yangon, der Hauptstadt von Myanmar, wie die Machthaber im Lande das ehemalige Birma nennen. In der Mitte der Innenstadt, von den britischen Kolonialherren im Schachbrettmuster angelegt, erhebt sich die Sule-Pagode. Von diesem Bauwerk aus werden alle Entfernungen in den Norden des größten Landes Südostasiens berechnet, dieses Heiligtum ist auch eine geographische Größe. Doch die Shwedagon-Pagode ist seit jeher der geistige Bezugspunkt für die Menschen in Myanmar, die Mitte des Koordinatensystems aller Lebensformen in diesem stillen Land, das sich nach wie vor abgewandt hält von der übrigen Welt.

          Ob armer Reisbauer oder schlechtbezahlter Universitätsprofessor aus der Hauptstadt, ob Greisin, der das Gehen schwerfällt, oder Kindermädchen mitsamt den Schutzbefohlenen: Die Shwedagon-Pagode bietet allen Mühseligen und Beladenen ein Zuhause, jeden Tag vom frühen Morgen bis in die späte Nacht hinein. Sogar die Militärmachthaber, die das Land seit bald fünfzig Jahren im Würgegriff halten, respektieren dieses Heiligtum als Symbol der innigen, ganz und gar selbstgenügsamen Religiosität der Menschen. Neben der Armee, die bei jedem Anzeichen von Widerstand gegen die Staatsmacht wenig Federlesens macht, ist es der Glaube, der die Menschen ihr Schicksal geduldig ertragen läßt - und die Hoffnung auf ein besseres nächstes Leben.

          Glaube im Uhrzeigersinn

          Die Shwedagon-Pagode erhebt sich auf einem Hügel im Norden Yangons, ihr zentraler Stupa, der glockenförmige Turm, ist von fast überall in der Stadt zu sehen. In Yangon stehen bisher nur wenige Hochhäuser. Das Stadtbild soll von der Shwedagon-Pagode bestimmt bleiben. Über einen der vier Aufgänge des Komplexes betritt man eine in sich geschlossene Welt. Doch sie bleibt niemandem verschlossen. Auch wer dem Buddhismus und seinen Riten fernsteht, wird sich gleich geborgen fühlen in den gemessenen Bewegungen der Menschen im Uhrzeigersinn rund um die Pagode, wie es der Glaube vorschreibt.

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          Von der zentralen Plattform aus ist viel zu sehen. Zumal Fremden bedeutet die Shwedagon-Pagode in erster Linie einen beispiellosen Kunstschatz. Sechzigtausend Quadratmeter mißt die Plattform, von deren Mitte der zentrale Stupa bald hundert Meter aufragt. Die Plattform bietet daneben mehrere Dutzend Tempel und Andachtshallen, Pavillons und Altäre, übermannsgroße Figuren als Wächter vor den Mächten des Bösen, kostbare Tierdarstellungen für die Planeten und Wochentage. Die Spitze des Stupa aber krönt der wertvollste Schirm als Symbol des Himmlischen, der je im Land gefertigt wurde. Die Angaben über die Zahl der Edelsteine, die darauf angebracht sind, variieren, auf der Eintrittskarte heißt es, es handele sich um "79 569 Diamanten und andere wertvolle Steine" sowie um 3154 Glocken aus reinem Gold - sichtbar sind diese Schätze nur für die Vögel, die unablässig um die Spitze des Heiligtums kreisen.

          Überirdisches Licht und dumpfe Klänge

          Die Ursprünge der Pagode liegen im Dunkeln, sie reichen zweieinhalbtausend Jahre zurück. Die ersten Baumeister blieben unbekannt, von ihrer Schöpfung existieren keine Pläne. Stattdessen ranken sich zahlreiche Legenden um das Bauwerk. Eine davon berichtet von dem Omen, das genau an diesem Ort das Erscheinen von fünf Buddhas voraussagte. In den geheimen Kammern des Stupas sollen Reliquien der vier Buddhas aufbewahrt sein, die nach einer der zahlreichen Deutungslehren bislang auf Erden wandelten, darunter acht Haare des vierten Buddhas Siddhartha Gautama, der als Begründer der Lehre verehrt wird.

          Vom fünfzehnten Jahrhundert an wurde die Shwedagon-Pagode immer wieder umgebaut, vergrößert und verschönert - erst im vorigen Frühjahr waren umfangreiche Restaurierungsarbeiten vollendet, die den zentralen Stupa in frischem Gold glänzen lassen. Es ist ein geradezu überirdisches Licht, das bei Tag und auch bei Nacht leuchtet, wenn die Pagode von Scheinwerfern angestrahlt wird; dieses Licht ist nicht in Lux zu messen. Es ist ein Leuchten des Geistes, der diesen magischen Ort umfängt. Man läßt sich nieder auf dem sonnenwarmen Marmorboden der Plattform und nimmt in sich auf: die Vielgestaltigkeit der Formen und Farben, das Tapsen nackter Füße auf dem Stein, der Wind, der in den Glöckchen spielt, die dumpfen Klänge der Gongs, deren Schläge anzeigen, daß ein Mensch Gutes getan hat, das anregende wie diskrete Flüstern der Gläubigen. Die Shwedagon-Pagode ist ein wunderbarer Ort.

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