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Monaco : Das Fürstentum baut um

  • -Aktualisiert am

Überall in Monaco ist Aufbruchstimmung zu spüren, Visionen werden schon sichtbar. Das, wasin dem winzigen Fürstentum zwischen Nizza und Menton geschieht, ist bestensfalls mit jenen neuen Welt, an den Dubai baut, zu vergleichen.

          8 Min.

          Lau ist die Abendluft, es blitzen Juwelen und schimmern Schultern, während das Orchester die Instrumente stimmt und Parfümduft herüberweht. Vor dem illuminierten Fürstenpalast von Monaco fahren immer noch Autos vor, durch das Schloßtor streben die letzten Besucher auf einem über das holprige Pflaster gebreiteten Teppich, von Platzanweisern im Abendanzug zu den Sitzreihen am Fuß der Freitreppe im Ehrenhof geleitet, um die sich die monegassischen Philharmoniker gruppieren. Bevor der Orchesterchef Marek Janowski den Taktstock zum traditionellen Sommerkonzert in den Mauern des Fürstenpalasts hebt, betritt Albert, der Hausherr und neue Regent, seine Loge hinter den Zuschauerreihen, ein wenig Unruhe entsteht, man erhebt sich, klatscht. Dann rauscht Beethoven auf, und über allem funkelt der Sternenhimmel.

          Monaco ist ein Ort magischer Momente. Um sie zu genießen, braucht es nicht zwangsläufig Geld. Hundertfünfzig Jahre besteht das philharmonische Orchester des Fürstentums, und immer noch kann man mit Veranstaltungsort und Preis seiner Sommerkonzerte zu Hause in Deutschland verblüffen. Während im touristischen Biotop Ticketpreise um die fünfhundert Euro für eine solche Veranstaltung vermutet werden, obgleich die Kosten für die besten Plätze nur etwa ein Zehntel davon betragen, zeigt sich die Hochkulturfraktion daheim eher sprachlos. Nicht wenige unter jenen, die nach Salzburg und Bayreuth zu pilgern pflegen, empfinden das Begriffspaar Monaco und Kultur als etwa so kompatibel wie Schwimmen und Nordpol und wissen nichts von monegassischen Philharmonikern.

          Vision Tourismusmetropole

          Was derzeit außer Schloßkonzerten sonst in Monaco geschieht, ist noch viel unglaublicher - doch in Deutschland schaut keiner hin. Dabei ist das, was an Aufbruchstimmung zu spüren und von Visionen schon zu sehen ist in dem winzigen Fürstentum auf dem fünf Kilometer langen Küstenstreifen zwischen Nizza und Menton, mit nichts zu vergleichen, nicht in Amerika, erst recht nicht in Europa - außer vielleicht mit jenen neuen Welten, an denen Dubai baut. Doch während das Emirat frei assoziierte Phantasien in den jungfräulichen Sand arabischer Wüsten setzt, basieren in Monaco noch die ausgefallensten Statements der Architektur, die das neue Zeitalter des Fürstentums als Metropole des Kongreß-, Kultur- und Eventtourismus begleiten sollen, auf der eigenen Kultur.

          Den Plan, Funktion und Ruf eines Steuerparadieses hinter sich zu lassen, faßte Monaco vor mehr als einem Jahrzehnt. Gleichzeitig hat das Fürstentum vor, sich vom Ballett bis zur Kunstausstellung als kulturellen Mittelpunkt aufzubauen für jene achteinhalb Millionen Menschen, die in bis zu drei Autostunden Entfernung zwischen Marseille und Mailand leben. Dafür wurden, fast unbemerkt von der Außenwelt, Milliardensummen in Infrastruktur, Renovierung und in Bauten gesteckt, die Felsen ausgehöhlt für ein Tunnelsystem mit Bahnhof und Geleisen und neues Land geschaffen durch teure Erdaufschüttungen im steil abfallenden Meer.

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