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Mietwagen : Selbst gesteuert durch ferne Länder

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Mit dem Mietwagen im Urlaubsland unterwegs: Wer früh und von zuhause aus bucht, fährt in der Regel billiger. Sofern er auf das Kleingedruckte achtet.

          Urlaub muß ja nicht nur am Strand stattfinden. Viele Länder laden zu Entdeckungsfahrten durch herrliche Landschaften ein. Mit dem Bus oder Fahrrad ist das beschwerlich. Doch ob am Flughafen, in großen Städten oder touristischen Zentren: einen Mietwagen kann man fast überall bekommen, wo man ihn braucht.

          Das Auto sollte schon von Deutschland aus organisiert werden, rät Franz Frank, zuständig für Autovermietung beim ADAC. Je früher die Buchung, desto größer die Chance auf einen Bonus. "Außerdem bekommt man alle Informationen in deutscher Sprache und hat im Falle einer Reklamation einen Ansprechpartner in Deutschland", sagt Frank. Internetseiten, die einen Überblick verschaffen, sind zum Beispiel www.autovermietung.de oder www.mietwagenmarkt.de.

          Auf vollständige Papiere achten

          Egal, wo das Auto geordert wird: das Kleingedruckte lesen. Tiefstpreise, die in der Werbung herausgestellt werden, enthalten unter Umständen weder Vollkaskoschutz noch Reinigung des Wagens. "Am besten sind Pakete, in denen unbegrenzte Kilometer, Haftpflicht-, Vollkasko- und Diebstahlversicherung enthalten sind", rät Rechtsanwältin Martina Philippi von der Verbraucherzentrale Hessen (siehe Kasten unten)

          Zwar werden EU-Führerscheine und auch die nationalen Vorgängerpapiere meistens anerkannt, ein internationaler Schein ist also nicht nötig. Aber alles ist nicht wie zu Hause. Meist liegt das Mindestalter für das Mieten bei 21 Jahren, und es gibt Begrenzungen nach oben. Manchmal läßt sich die Altersgrenze durch Zahlen einer Gebühr ändern, und auch Achtzehn- oder Fünfundsiebzigjährige dürfen dann ans Steuer. Wichtig ist, daß der Vermieter die kompletten Papiere übergibt: Unterlagen über die Versicherung, Notfallnummern und einen mehrsprachigen Unfallbericht. Sicherheitshalber bringt man ein eigenes Formular schon von zu Hause mit. Ausdrucken kann man es unter www.adac.de.

          Auf Sonderkonditionen achten

          Wünsche nach Gepäckträger oder Kindersitz sollten frühzeitig angemeldet werden. Wer an einem der Vielfliegerprogramme der Fluggesellschaften teilnimmt, zum Beispiel bei "Miles & More" von Lufthansa, kann bei einigen Vermietern Sonderkonditionen erhalten.

          Beim Entgegennehmen des Fahrzeuges muß eine Kaution hinterlegt werden. In einigen Ländern, zum Beispiel Frankreich, ist eine Kreditkarte auf den Namen des Fahrers erforderlich. Schecks werden in den meisten Ländern nicht als Kaution akzeptiert. Der Wagen sollte bei der Anmietung genau inspiziert und Schäden notiert werden. Dieses Protokoll sollte der Vermieter unterzeichnen, damit einem die Mängel nicht selber angelastet werden. Hat man unterwegs eine Panne, auf keinen Fall das Auto selbst abschleppen oder reparieren lassen, sondern zuerst die Mietwagenfirma informieren.

          Rückgabezeitpunkt unbedingt einhalten

          Überraschende Zusatzkosten auf der Abrechnung müssen nicht sein. Ob das Auto an der Station, wo es gemietet wurde, zurückgegeben werden muß, läßt sich im voraus klären. Wer das Auto in Alicante ausleihen und in Malaga zurückgeben will, zahlt meist mehr. Ebenfalls wichtig: Wie viele Kilometer sind im Preis inklusive? Ob jemand außer der im Vertrag genannten Person auch mal das Steuer übernimmt, sollten die Reisenden von Anfang an wissen, sagt Rechtsanwältin Philippi:. "Versicherungen decken keine Schäden ab, die von einem Fahrer verursacht werden, der nicht im Mietvertrag steht." Weitere Fahrer können gegen Gebühr eingetragen werden.
          Grenzen überqueren oder den Wagen auf eine Fähre mitnehmen ist spontan keine gute Idee. Teilweise ist eine Zusatzversicherung dafür notwendig. Bei der Rückgabe ist zu beachten, ob der Tank voll sein muß. Oft ist es teurer, das Auto vom Verleiher wieder auftanken zu lassen. Der Literpreis für Benzin ist dann höher, und es wird eine Servicegebühr verlangt. Ein weiterer beliebter Streitpunkt: das sauber zurückzugebende Auto. Mancher Vermieter erwartet, daß das Fahrzeug praktisch fabrikneu ohne jegliche Spritzer zurückkommt. Und einige Vermieter kennen keine Zeittoleranz. Mit etwas Pech wird bei verspäteter Rückgabe ein weiterer Miettag berechnet.

          Auch nachdem das Auto erfolgreich gemietet wurde, sollte der Urlauber nicht allzu unbeschwert aufs Gas treten. Im Ausland fallen Geldbußen oft drakonisch aus. Innerhalb der EU werden Geldstrafen ab 70 Euro grenzüberschreitend eingezogen. Und in den Vereinigten Staaten könnte es noch Jahre später Probleme bei der Wiedereinreise geben.

          Absichern für alle Fälle:

          1. Vollkaskoschutz ist wichtig, um Schäden am Fahrzeug bei einem selbstverschuldeten Unfall abzusichern.

          2. Die Diebstahlversicherung greift, wenn das Auto gestohlen wird sowie bei Schäden, die durch einen Diebstahlversuch entstehen. Sie gilt nicht für Gepäck im Fahrzeug.

          3. Die Höhe der Selbstbeteiligung bei Vollkasko- und Diebstahlversicherung ist bei Vertragsabschluß zu klären. Wichtig: Voraussetzung für Schadenersatz ist ein Polizeiprotokoll, unabhängig davon, wer den Unfall verursacht hat. Außerdem sind Haftungsausschlüsse zu beachten: So ist das Fahren auf unbefestigten Straßen meist verboten.

          4. Die Haftpflichtversicherung deckt Sach- und Personenschäden außerhalb des eigenen Fahrzeuges ab. Die Deckungssumme sollte mindestens 1,5 Millionen Euro betragen. Ansonsten ist eine Zusatzversicherung ratsam.

          5. Eine Mallorca-Police gilt für Europa, die Mittelmeerstaaten, die Kanaren und Madeira. Sie ist in der Haftpflichtversicherung für das eigene Fahrzeug in Deutschland oft enthalten. Sonst kann man sich für etwa 20 Euro nachversichern. Falls die Haftpflichtsumme des Urlaubslandes ausgeschöpft ist, bietet sie unbegrenzte Deckung.

          6. Die Traveller-Police gilt weltweit. Sie kostet für einen Monat um die 40 Euro.

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