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Mauritius : Ich suche eine blaue Frau

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Blau ohne Schatten: Aquamarin ist auf Mauritius doch die bessere Wahl, wenn man es auf eine bestimmte Farbe abgesehen hat Bild: ddp

Für Touristen ist das Briefmarkenmuseum ein Pflichttermin. 75 Prozent der Besucher kommen aus Deutschland. Es erzählt viel darüber, wie sich Mauritius heute präsentiert. Die Insel hat aber noch viel Schöneres zu bieten als die Blue Penny.

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          Michael Macaque braucht keine Uhr. Kurz bevor sich die Stunde halbiert, füllt sich sein Körper mit Spannung. Und ein wenig mit Stolz. Der junge Mann mit dem ausrasierten Nacken trägt ein beigefarbenes Polohemd mit Frauenkopf auf der linken Seite, eine schwarze, leicht gestreifte Hose und schwere Schuhe. Sieben Mal am Tag stürmt er eine elegante, geschwungene Treppe hinauf zu seinem Arbeitsplatz, hebt den rechten Zeigefinger und sagt: „Bitte folgen Sie mir!“ Dann trotten Birkenstock- und Eastpak-Touristen hinter ihm her und verschwinden in einem stockfinsteren, u-förmigen Tunnel, in dem es nicht sehr vorteilhaft riecht. Schwitzende Körper reiben sich aneinander, denn es geht um einen guten Platz. Jeder will die zwei daumengroßen Seitenprofile einer Dame mit bereiftem, bezopften Haupthaar sehen, die plötzlich erhellt werden. In diesen Momenten scheint Michael Macaque ganz glücklich. Er verschränkt die Arme, und das Bild suggeriert, dass es für ihn keinen schöneren Arbeitsplatz gibt, als im Blue-Penny-Museum in Port Louis einen Mythos zu bewachen. Der Reiseführer hatte die Marken besonders selten gemacht und behauptet, dass es von der roten One-Penny-Marke weltweit nur noch zwei Stück gebe, die indigoblaue Two-Pence-Ausführung sogar nur noch drei Mal vorhanden sei.

          Ganz so ist es nicht, erklärt uns später, als wir wieder zu Hause sind, der Bonner Philatelieexperte Andreas Hahn. 15 Mal gibt es weltweit noch Rot, zwölf Mal noch Blau! Und dann sagt er noch, dass wir dafür nicht hätten nach Mauritius fahren müssen, weil das Berliner Museum für Kommunikation auch beide Marken besitze. Außerdem soll es im Herbst 2011 eine spektakuläre Ausstellung in Berlin geben: „Mehr Mauritius-Marken an einem Ort sind seit ihrer Entstehung nie gemeinsam ausgestellt und zu bewundern gewesen!“

          Im Schatten der Königin

          Kann ja alles sein, aber in Berlin haben sie garantiert keinen wie Michael Macaque. Einen, der aussieht wie ein Bodyguard, aber ganz empfindsam über ein winziges Stück Papier reden kann. Mit besorgter Miene erklärt er uns, dass die Originale sehr empfindlich sind und täglich zu jeder halben Stunde nur sechseinhalb Minuten beleuchtet werden dürfen. Mit 15 Lux! Das könne sogar nachgemessen werden, meint der Schutzgebende. Er verehrt sie, die Queen Victoria, die sich auf der blauen Marke etwas gouvernantenhafter ausnimmt als auf der roten. Nur er kann ihr ganz nah sein, denn nur er kennt den Geheimcode.

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