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Malediven : Rückkehr auf die verlorenen Inseln

Ein zauberhafter Ort: Auch nach dem Tsunami Bild: Four Seasons

Die Malediven gehören zu den schönsten Tauchorten der Welt, aber sie waren auch vor dem Tsunami nie ein Paradies ohne Schatten. Eine Schadensbilanz - und ein Plädoyer dafür, trotz allem einmal hier den Kopf in den Indischen Ozean zu stecken.

          10 Min.

          Plötzlich wurde es dunkel. Das Licht an der Oberfläche verschwand, die kleinen Fische verloren ihre silbern schimmernden Farben und wurden grau, das Wasser strömte dunkler als vorher. Vielleicht war das schon ein Zeichen.

          Barbara Liepert

          Verantwortlich für das Ressort „Reise“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Vielleicht würde er jetzt kommen, der Fisch, von dem sie auf den Inseln redeten, der größte Fisch der Welt, hatten sie am Steg gesagt und ehrfürchtig auf das Wasser geschaut, so, als würde seine bloße Erwähnung ihn anlocken. Dabei tut er nichts. Er ist nur: sehr, sehr groß.

          Silberne Fäden und goldener Staub

          So groß, daß es unter Wasser dunkel wird, wenn er kommt: Der Walhai. Bis zu 15 Tonnen schwer, bis zu 18 Meter lang. Er liebt das warme Wasser der Malediven, 6000 Liter saugt er davon in der Stunde ein, klar, daß er hier lebt und nicht am Nordpol, man möchte ja auch nicht 6000 Liter kaltes Eiswasser pro Stunde trinken.

          Zur Lage im Paradies

          Wenn es unter Wasser aussieht, als regne es silberne Fäden und goldenen Staub, ist der richtige Zeitpunkt, um ihn zu treffen. Jetzt, im März, treibt viel Plankton, viel Nahrung für den Walhai, zwischen den Korallenriffen um das Ari-Atoll herum. Der größte Fisch der Welt verfügt über ein sehr raffiniertes Siebsystem, mit dem er das Wasser wiederausspucken und nur die nahrhaften Dinge behalten kann.

          Zeitlupenwelt unter Wasser

          Für den Fall, daß er doch mal einen Autoreifen oder anderen zivilisatorischen Müll verschluckt, stülpt er seinen Magen wie einen Ärmel aus, entleert ihn, um ihn anschließend wieder einzufahren. Vielleicht war es ein Walhai, der vor sehr langer Zeit einmal einen Mann namens Jonas verschluckte, die alte biblische Geschichte klingt jedenfalls so.

          Aber das, was dunkel über uns kam, war dann leider doch kein Walhai, nur ein Boot, das oben vorbeizog - und so tauchten wir weiter durch diese Zeitlupenwelt unter Wasser, vorbei an Anemonen und blauen Langusten, die aussahen wie japanische Köche, denen gerade die Löffel explodieren, und mit jedem Meter wurde der Körper leichter, die Welt weicher.

          Eine sehr, sehr lange, langsame Welle

          Das letzte große Ding im Wasser, auf das der Tauchlehrer Oliver Deubel wirklich gespannt wartete, war kein Walhai, sondern der Tsunami. Am Steg von Holiday Island im Süden des Ari-Atolls wartete er, nachdem sie den Anruf aus Male erhalten hatten; es habe ein Beben gegeben, ein sehr starkes, und jetzt gebe es da eine Welle, haben sie gesagt. Wie ein Tsunami entsteht, wußte Deubel. Er stand da und blickte Richtung Osten, Rettungsweste in der einen, Unterwasserkamera in der anderen Hand. Er wäre vorbereitet gewesen. Wie alle anderen im Hotel. Was dann auf ihn zukam, war eine sehr, sehr lange, langsame Welle, die den Wasserspiegel um nicht mal einen halben Meter anhob und irgendwann wieder verschwand. Mehr nicht.

          Aber man konnte sogar das Beben auf den Malediven spüren. Der Hoteldirektor auf Kuda Huraa im Südosten des Nord-Male-Atolls, Armando Kraenzlin, schlief noch fest, als die Gläser im Schrank plötzlich anfingen zu klingen. Der Wind, dachte er, das kommt vor. Erst vier Stunden später wußte er, daß es kein tropischer Sturm war. Die Welle kam, als die meisten Gäste und Angestellten des Four-Seasons-Hotels beim Frühstück nahe des Pools waren. "Die Welle schwappte bis zu 1,80 Meter hoch in die Bungalows - nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn sie nachts gekommen wäre." Auf Kuda Huraa kam kein Mensch ernsthaft zu schaden. Ein Wunder.

          Zu zerstreut, das Land

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