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Luxus-Kreuzfahrt Chile : Breitbeinig ins neue Jahr

Aufbruch in entlegene chilenische Fjorde Bild: © 2006 Nomads of the Seas

Haben Sie 24.098 Dollar übrig? Dann fahren Sie doch 2007 mal mit dem Luxus-Schiff „Atmosphere“ durchs chilenische Patagonien: In Regionen, die nur für Luxustouristen erreichbar sind, gehen Sie fliegenfischen und nippen Sie Ihren Champagner an der Eisbar auf dem Gletscher.

          6 Min.

          Diese Szene, eine einzige maßlose Übertreibung: Auf dem Oberdeck einer Yacht liegt eine Bikini-Schönheit im Whirlpool und nippt an einem Champagner-Glas. Von einem Geräusch gestört setzt sie sich auf und blickt in die Umgebung, auf die Wasseroberfläche eines Fjords, auf eine Bergkette und einen Gletscher in der Ferne. Das Geräusch wird lauter und sie nippt nochmal am Glas. Dann sieht sie den Helikopter, ein leuchtender, roter Punkt, der dicht über dem Meer auf die Yacht zuschießt, einen spektakulären Bogen um sie herum fliegt und dann auf dem Oberdeck landet, direkt neben dem Whirlpool.

          Andreas Lesti

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Doch wenn eine Reise pro Woche 24.098 Dollar kostet, dann muß sie ja auch etwas Besonderes sein. Denn das bezahlen die sogenannten High-End-Touristen, die Urlaub auf der „Atmosphere“ machen, der Luxus-Kreuzfahrt-Yacht des chilenischen Unternehmens „Nomads of The Seas“. Und auf diesem eigentümlichen Schiff gibt es viele solcher Szenen, die zivilisationsferne Naturabenteuer, übertriebene Männerspielzeuge und glamouröse Champagnerparties auf merkwürdige Weise verbinden.

          Mit dem Luxusschiff in die Wildnis

          Schon die Begrüßung vor zwei Tagen, als die Atmosphere noch im Hafen von Puerto Montt lag, der hektischen Stadt im Süden Chiles, hatte etwas Absurdes. Während draußen auf den Straßen das chaotisch und in vielen Winkeln bettelarme Leben tobte, knisterte in der Begrüßungslounge von Nomads of The Seas das Kaminfeuer, hübsche Chileninnen schenkten Rotwein aus und zwei amerikanische Gäste lehnten in Rattan-Sesseln und tippten etwas in ihre Laptops. Dann kamen zwei Männer herein. Einer trug einen braunen Overall mit einem großen „Nomads-of-The-Seas“-Logo auf der rechten Schulter, hatte wasserblaue Augen, einen graumelierten Dreitagesbart und stellte sich als Mechaniker Andres vor. Er sah aus wie eine Mischung aus Terence Hill und Super Mario. Der andere war braungebrannt, eine Sonnenbrille hing um seinen Hals und er sagte fröhlich: „Ich bin Robert, der Expeditionsguide.“ Er sah aus wie eine Mischung aus Richard Gere und Rüdiger Nehberg.

          Aufbruch in entlegene chilenische Fjorde Bilderstrecke
          Luxus-Kreuzfahrt Chile : Breitbeinig ins neue Jahr

          Dann erzählte Robert begeistert vom chilenischen Teil Patagoniens, in den die Atmosphere in wenigen Stunden vordringen werde, von den Bergen, den Pflanzen und vom Wetter, das der Fjordlandschaft 2000 Millimeter Niederschlag an 230 Regentage im Jahr beschert. „Das ist auch ein Grund, warum nach Puerto Montt die Zivilisation mehr oder weniger endet“, erklärte Robert. Und warum die dicht bewachsene Landschaft bisher jeden Annäherungsversuch zu einer langen, mühsamen und entbehrungsreichen Expedition gemacht hat. Warum nun ausgerechnet ein Luxusschiff diese Wildnis erschließt, erklärt Robert nicht.

          Wie aus der Lego-Phantasie eines Kindes

          Am Abend läuft die Atmosphere aus - eine 46 Meter lange und zehn Meter breite Super-Yacht für 30 exklusive Passagiere, um die sich 32 Crew-Mitglieder kümmern. Im verglasten Speise- und Aufenthaltssaal entspannen sich die Passagiere in Ledersesseln, bekommen den ersten Champagner gereicht und blicken direkt auf das Oberdeck des Schiffs. Dort sind sechs 200 PS starke Jetboote und ein furchterregendes Zodiac-Schlauchboot befestigt. Der rote Helikopter steht eine Etage höher auf dem Landeplatz, gleich neben der Sauna und vier Whirlpool-Becken. Alles wirkt dermaßen verspielt und übertrieben als sei es aus der Lego-Phantasie eines Kindes entstanden. Dann stellt sich der millionenschwere Eigentümer der Atmosphere vor, und plötzlich weiß man, daß es genau so ist.

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