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Luftverkehr : Die Star Alliance spreizt ihre Flügel

  • -Aktualisiert am

Roter Teppich zum Start der Star Alliance 1997 Bild: dpa

Es begann an einem heißen Maitag 1997 auf dem Frankfurter Flughafen, als unter der Führung des damaligen Lufthansa-Chefs Jürgen Weber und seinem Kollegen von United Airlines sechs führende Fluggesellschaften antraten, ein Bündnis zu bilden.

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          Es begann an einem heißen Maitag 1997 auf dem Frankfurter Flughafen, als unter der Führung des damaligen Lufthansa-Chefs Jürgen Weber und seinem Kollegen von United Airlines sechs führende Fluggesellschaften antraten, ein Bündnis zu bilden. Lufthansa, United, Air Canada, SAS, Varig und Thai Airways waren die Gründungsmitglieder der Star Alliance und damit Vorreiter einer Entwicklung, die die ganze Branche in ihren Bann schlagen sollte. Mehr als drei Viertel aller Passagiere reisen heute mit Flügen, die zu einem Allianzsystem gehören. Dieser Verbund bietet dem Passagier koordinierte Flugpläne, gemeinsame Vielfliegerprogramme, Tarife und Lounges, er kann mit einem Ticket unterschiedliche Fluggesellschaften nutzen. Für die Fluggesellschaften liegt der Vorteil darin, nicht überall selbst eine Strecke bedienen zu müssen und trotzdem weltweit präsent zu sein.

          Die Star Alliance profitiert als erste solcher Allianzen bis heute gegenüber später gegründeten Verbünden wie Oneworld (unter anderem British Airways, Iberia und American Airlines) oder Skyteam (unter anderem Air France, Delta Air Lines, Alitalia) von ihrem Vorsprung. Ursprünglich wollten die Gründungsmitglieder die Star Alliance als eine eigene Fluggesellschaft auf den Markt bringen. Doch von dieser Idee der Vereinheitlichung sind alle wieder abgekommen. Statt dessen versucht man, die individuellen Stärken der Mitglieder herauszustellen.

          Von Harare bis Honolulu

          Alle vier Sekunden startet oder landet weltweit der Flug einer Mitgliedsgesellschaft, mit 2264 Flugzeugen bietet "Star" täglich an die elftausend Verbindungen an; 314 Millionen Passagiere im Jahr werden befördert. Insgesamt stehen den Reisenden 680 Flughäfen in 127 Ländern der Welt in den kombinierten Streckennetzen zur Verfügung - dabei erhalten sie Vielfliegermeilen und durchgehende Abfertigung in Hannover ebenso wie in Harare, Honolulu oder Ho-Tchi-Minh-Stadt. Neben den sechs Gründungsmitgliedern gehören Air New Zealand, ANA All Nippon Airways, Asiana, Austrian, bmi British Midland, Mexicana, Singapore Airlines, Spanair und ab Anfang 2004 US Airways dazu. Vor wenigen Tagen hatte sich in Warschau die Star-Familie versammelt, um mit der polnischen Fluggesellschaft LOT ihr jüngstes und inzwischen fünfzehntes Mitglied zu begrüßen.

          Der nächste Wunschkandidat wäre Air China, mit der Lufthansa bereits kooperiert, aber noch kamen trotz andauernder Bemühungen aus dem Reich der Mitte noch keine klaren Signale zum erhofften Allianzbeitritt. Am wenigsten abgedeckt ist Afrika; doch die hier einzig allianzwürdige Gesellschaft South African Airways (SAA) macht keine Anstalten, sich unter das Star-Dach zu begeben. Auch am Persischen Golf haben die Allianz-Strategen noch eine Lücke entdeckt. Hier gilt Gulf Air aus Bahrein als beitrittswürdig, weil die eigentlich begehrenswerte Emirates Airlines aus Dubai lieber eigene Wege geht und Qatar Airways noch zu neu im Geschäft ist. In den nächsten zwei Jahren, so hieß es in Warschau, sollten die letzten Lücken geschlossen sein.

          Arbeit am lebenden Objekt

          Wie es mit der Star Alliance weitergehen wird, hängt freilich weniger von den Neuzugängen als vom Schicksal einiger Gründungsmitglieder ab, von denen sich zwei mit Konkursverfahren herumschlagen. United Airlines hofft, daraus im ersten Halbjahr 2004 wieder herauszukommen, Air Canada hat dies bereits Ende 2003 vor, trotzdem gilt: Ausgang ungewiß. Auch die brasilianische Varig ist angeschlagen und kommt bei einer geplanten und möglicherweise rettenden Fusion mit dem Konkurrenten TAM nicht voran. Ein früheres Allianzmitglied, Ansett Australia, ist bereits im Frühjahr 2002 vom Markt verschwunden. Nicht umsonst betonten die Manager bei der Aufnahmefeier für LOT in Warschau: "Star - das ist Arbeiten am lebenden Objekt." Denn mit zunehmender Größe kommt es nicht automatisch zu Synergien und Einsparungen, sondern auch zu einer wachsenden Ineffizienz. Doch jetzt soll eine erste Gemeinschaftsbestellung von zweihundert nach Allianz-Standards ausgelegten Regionaljets wirklich massive Einsparungen bringen.

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