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Luftfahrt : Einmal Boom und zurück

  • -Aktualisiert am

Aufstieg und Fall: eine Maschine von Jet Airways, der größten privaten Fluglinie Indiens, beim Anflug auf Bombay. Bild: AFP

So rasant der Aufstieg Indiens zum Luftfahrt-Boomland war, so dramatisch ist jetzt der durch Überkapazitäten ausgelöste Absturz. Die Krise kann man jeden Morgen in Brüssel besichtigen, wenn sich gegen acht Uhr sechs Großraumflugzeuge der privaten Jet Airways am Terminal des Flughafens Zaventem nebeneinanderdrängen.

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          Die Krise der indischen Luftfahrt kann man jeden Morgen in Brüssel besichtigen. Wenn sich gegen acht Uhr sechs Großraumflugzeuge der privaten Jet Airways am Terminal des Flughafens Zaventem nebeneinanderdrängen, dann ist das auf den ersten Blick weiterhin sehr eindrucksvoll.

          Die größte und erfolgreichste indische Fluggesellschaft hatte Mitte 2007 ihr wichtigstes interkontinentales Drehkreuz in der belgischen Hauptstadt eingerichtet, ein Zwischenstopp auf dem Weg vom Subkontinent nach Nordamerika, wo Jet die beiden New Yorker Flughäfen sowie Toronto bedient. Brüssel erwies sich auch deshalb als ideal, weil die hier beheimatete, jetzt von Lufthansa übernommene Brussels Airlines wertvolle Zubringerdienste zu über zwanzig europäische Zielen wie Hamburg oder Berlin leistet. Doch dort, wo noch vor einem halben Jahr mehrere riesige Boeing 777-300ER zwischen Indien und Amerika pendelten, an Bord die branchenweit beachteten acht First-Class-Kabinen mit Schiebetüren und insgesamt dreihundertzwölf Sitzen, da stehen jetzt ausschließlich Airbus 330-200 mit nur zwei Klassen und zweihundertsechsundzwanzig Plätzen. "Wir haben die Kapazitäten zwischen Indien, Brüssel und Nordamerika um bis zu dreißig Prozent reduziert", sagt Wolfgang Prock-Schauer, der Geschäftsführer von Jet Airways. "Die First Class passte nicht mehr in das gegenwärtige Umfeld, da hatten wir zuletzt Auslastungen von nur noch zwanzig Prozent und damit nur noch halb so viel wie in besseren Zeiten", erklärt Prock-Schauer.

          Die Sorgen des Biermilliardärs

          Die Zeiten sind schlecht, vor allem in Indien. So schlecht, dass sich Jet Airways entschlossen hat, sieben ihrer zehn 777- 300ER zu verleasen. Drei der Großraumflugzeuge fliegen jetzt für maximal zwei bis drei Jahre bei Turkish Airlines, vier weitere 777 sind seit März für Gulf Air in Bahrein im Einsatz, während zwei A330 bis Ende 2009 Oman Air helfen, deren internationale Dienste unter anderem nach Frankfurt zu starten. Bis zu 2,2 Millionen Dollar an Einnahmen pro Flugzeug kann Jet Airways so monatlich generieren - das ist allemal besser als die teuren Flieger in Indien am Boden zu lassen wie Ende 2008. Damals fielen Kosten von neun Millionen Dollar dafür an. Insgesamt hat Jet Airways als die weiterhin stärkste indische Fluggesellschaft noch Glück gehabt: "Wir haben es noch halbwegs geschafft, vor dem großen Einbruch unsere internationale Präsenz aufzubauen", sagt Wolfgang Prock-Schauer, "trotz einiger Anpassungen ist unser interkontinentales Netz nicht beschädigt, und wir sind auf dem Nordatlantik nahe an der Gewinnzone sowie von Mumbai und Delhi nach London-Heathrow Marktführer mit dreißig Prozent Anteil, deutlich stärker als etwa British Airways." Auf der Paraderoute von Mumbai nach Heathrow fliegt zweimal täglich nach wie vor die 777-300ER, dazu einmal von Delhi aus.

          Andere indische Fluggesellschaften haben es da schwer mitzuhalten. Die erst im Jahr 2005 gegründete Kingfisher Airlines des Brauereimilliardärs Vijay Mallya hat die internationale Expansion nahezu vollständig gestoppt, drei Airbus A340-500 an die nigerianische Arik Air weitergegeben und lediglich zwei Interkontinentalrouten beibehalten - von Mumbai sowie Bangalore jeweils mit A330 nach London-Heathrow. Die finanzschwache Staatslinie Air India tut sich mit der Umstellung auf moderne Boeing 777 weiterhin schwer. Lediglich die Strecke Delhi-Frankfurt-Chicago wird inzwischen überwiegend mit der 777 geflogen, sonst kommen weiterhin betagte 747-400 zum Einsatz, so zwischen Mumbai, Frankfurt und New York-Newark. Die Reaktion vieler Kunden auch auf das neueste Air-India-Produkt zeigt die Unterlegenheit etwa gegenüber Jet Airways.

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