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Kreuzfahrt : Trinkgeld muß keinen Spaß machen

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Das Problem ist so alt wie die moderne Vergnügungsreise zur See, mehr als hundert Jahre also. Bis heute nämlich ist die Frage ungeklärt, wieviel Trinkgeld an Bord eines Kreuzfahrtschiffs angemessen ist.

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          Das Problem ist so alt wie die moderne Vergnügungsreise zur See, mehr als hundert Jahre also. Bis heute nämlich ist die Frage ungeklärt, wieviel Trinkgeld an Bord eines Kreuzfahrtschiffs angemessen ist. Jede Reederei hat ihre eigenen Tarife, auf jedem Dampfer wird unterschiedlich abkassiert. Verbindliche nationale oder internationale Regeln gibt es nicht. Gemeingut der Reedereien hingegen ist längst, Trinkgelder eindringlich als "internationale Gepflogenheit" zu deklarieren, sie "gemäß internationalem Brauch" diskret, aber nachdrücklich einzufordern. Tatsächlich ist es so, daß die Trinkgelder wie selbstverständlich auch in die Lohnkostenkalkulation der Reedereien einfließen.

          Alles freigestellt

          Dabei geht es gar nicht um die grundsätzliche Berechtigung des Personals, auf Trinkgeld zu spekulieren. Das Unternehmen Delphin Seereisen hat gewiß recht, wenn es meint, gute Leistungen gehörten auch honoriert. Die Trinkgeldempfehlung aus Offenbach lautet: fünf Euro pro Gast und Tag. Bei der Peter Deilmann Reederei sollte sich der Passagier auf acht Euro pro Tag einstellen, wenn er auf der "Deutschland" übers Meer schippert. Hingegen bleibt Seetours auch in der Frage des Trinkgelds bei seiner zwanglosen "Freestyle-Cruising"-Philosophie: "Das Verteilen und die Höhe von Trinkgeldern bleibt Ihnen selbstverständlich freigestellt." Aber natürlich sehe man es nicht ungern, wenn am Ende einer Fahrt mit den "Aida"- oder "Arosa"-Schiffen einige Scheine in der sogenannten Trinkgeld-Box zurückblieben.

          Vom Bordkonto abgebucht

          Die Amerikaner sind rigoroser. Carnival Cruise Lines rechnet für den deutschen Markt fest mit 9,75 Dollar pro Tag und Gast, wobei das Bordkonto jedes Passagiers stillschweigend mit der Summe des Trinkgelds belastet wird - mit 68,25 Dollar also, wenn die Seefahrt sieben Nächte dauert. Das Unternehmen verteidigt dieses Direktinkasso sinnig: Indem sie sich um das unerfreuliche Thema Trinkgeld kümmere, verschaffe die Reederei dem Gast mehr Urlaubsfreude. Ähnlich argumentiert Norwegian Cruise Line (NCL): "Um Ihnen die Verteilung zu erleichtern, werden die Trinkgelder für den Kabinensteward sowie das Restaurantpersonal am Ende Ihrer Reise automatisch und unkompliziert von Ihrem Bordkonto abgebucht" - zehn Dollar pro Tag und Gast.

          Grobe Orientierung

          Auch bei der Disney Cruise Line solle der Passagier "selbstverständlich" nicht das Gefühl haben, daß ein Trinkgeld von ihm erwartet werde. Aber guter Service, bitte schön, das sollte man doch bedenken, habe seinen Preis. Als "grobe" Orientierung schlägt Disney vor: Pro Gast und Kreuzfahrt (drei Nächte) 10,50 Dollar für die Bedienung im Speisesaal, 7,50 Dollar für die Bedienungshilfe, 2,50 Dollar für den Oberkellner und 10,50 Dollar für den Kabinensteward. Gesamtsumme pro Passagier für den Kurztrip: 31 Dollar. Es kommt schon vor, daß ein Gast wegen der Zwangsabgabe auf hoher See murrt. Gabi Arnold von Delphin Seereisen springt für die Branche in die Bresche: Trinkgelder, sagt sie, seien eben Zusatzkosten, die "eigentlich keinen Spaß machen".

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