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Kreuzfahrt : Spaßschiff trifft Hochkultur

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Das bunteste Schiff aus deutscher Werft: die „Aidadiva”

Das bunteste Schiff aus deutscher Werft: die „Aidadiva” Bild: Aida Cruises

Willkommen zur Themenkreuzfahrt der besonderen Art: Auf dem buntesten Schiff aus deutscher Werkstatt konnte man den Klängen der Wiener Philharmoniker lauschen und dabei gleich nebenan auf dem virtuellen Golfplatz den Abschlag üben.

          6 Min.

          Kultur verändert alles. Als das große weiße Schiff mit den goldenen Augen und dem Kussmund am Bug an der strahlend erleuchteten Kathedrale von Palma de Mallorca vorbei in die Dunkelheit des Ozeans hinausglitt, war nichts mehr, wie es vorher war. Oben, auf dem Pooldeck, saß das ausgehfein gekleidete Publikum aus siebenunddreißig Nationen artig auf den Stufen des Amphitheaters und lauschte mucksmäuschenstill wie im Konzertsaal Begrüßungsansprachen und Musik - dort, wo sonst bei jedem Ablegen die Willkommensparty deutscher Urlauber in Freizeitbunt tobt.

          Am nächsten Morgen, bei schönster Sonne auf glatter See, war die Sensation dann perfekt: Keine einzige der zweitausend Liegen auf den sechstausend Quadratmetern des Sonnendecks mit einem Handtuch reserviert! Sofort ging eine SMS zur Zentrale der Reederei nach Rostock, mit dem Zusatz "Jeans zu Hause lassen!", eine Kleidungsempfehlung an das nachreisende Management. Der urlaubsalltägliche Kampf um die beste Liege ist auf dieser Seereise mit dem poetischen Namen "Meer und Musik" nur eine Legende aus einer fernen anderen, der Pauschalreisewelt.

          Tournee mit Publikum

          Was war mit dem glücklichen Spaßdampfer, der "Aidadiva", geschehen, dem buntesten Schiff aus deutscher Werkstatt, das je die Meere befuhr? Etwas Unerhörtes: Es hatte die Wiener Philharmoniker an Bord, und dies als Premiere. Zum ersten Mal seit seiner Gründung vor hundertsechsundsechzig Jahren stach das berühmteste Orchester der Welt mit neunzig Mann und allen ihren Musikinstrumenten, mit Kind und Kegel, mit Dienstfrack, Badehose und Maestro Zubin Mehta im Poloshirt in See. Ein neun Tage währendes Experiment auf dem Mittelmeer, bei dem niemand wusste, wie es ausgehen würde: Einerseits die ganz normale Tournee in vier Städte, zweimal in Taormina, in Florenz und in Barcelona mit Weltstar Lang Lang am Flügel, dazwischen, immer mit Publikum, die Urlaubsatmosphäre der Kreuzfahrt. Eine gute Idee, fand die Vollversammlung der basisdemokratisch verfassten Philharmoniker und votierte mit "ja".

          Und warum ausgerechnet die "Aidadiva"? Ganz einfach: wegen der Riesensalatschüssel aus Glas, die rechts und links drei Decks hoch aus ihren Schiffswänden herausragt, dem Theatrium mit seiner spektakulären Aussicht aufs Meer. Es war aus dem architektonischen Trick entstanden, Licht und Platz aus dem Nichts zu gewinnen. Vom ersten Konzert der Philharmoniker an erwies sich seine Akustik als so großartig wie erhofft, lobte Zubin Mehta.

          Auf der Meeresbühne

          Von dieser Meeresbühne aus verändern die Abgesandten aus dem Wiener Olymp der Klassik die Cluburlaubswelt der "Aidadiva" gründlich. Nicht eine deutschsprachige Klientel im Urlaubslook von T-Shirt, Shorts und Badeschlappen bestimmt jetzt optisch und akustisch das Leben an Bord, sondern das babylonische Sprachengewirr seriös bekleideter Liebhaber klassischer Musik aus fünf Kontinenten, die Asiatinnen gern in Seidenkleid und Perlenkette. Neunzig Taiwanesen, hundert Japaner, fünfzig Chinesen, siebenundachtzig Koreaner wurden gezählt, dazu Abordnungen aus Thailand und Hongkong, aus Dänemark, Spanien, Italien und sogar Argentinien. Das Ehepaar aus Australien hat seine Rundreise durch Indien dafür unterbrochen. Unter den Österreichern, der zweitstärksten Gruppe, einige Prominenz, "Sacher"-Chefin Elisabeth Gürtler mit Burgschauspieler Helmut Lohner etwa. Auch sechshundert Deutsche sind an Bord. Eine Kreuzfahrt, gar eine auf einem Urlaubsschiff wie der "Aidadiva", wo man den Teller selbst zum Tisch trägt und damit den Reisepreis niedrig hält, hatten die wenigsten unter den Passagieren zuvor unternommen.

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