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Kreuzfahrt : Spaßschiff trifft Hochkultur

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Und die Taufe des neuen Großseglers "Hussar" von Sea Cloud Cruises wurde wegen Überlastung der Werft noch ein weiteres Mal, auf das Frühjahr 2010, verschoben.

Neue Schiffe, neue Reisen

Dabei braucht der Markt stets frische Produkte, neue Schiffe, neue Reisen, neue Themen, Golf, Kulinarik, Musik. Nur das garantiert stetes Wachstum, sind sich die Anbieter sicher. Das größte Potential sehen sie im maritimen Entwicklungsland Deutschland, wo jahrzehntelang die traditionelle Spielart der Seereise dominierte und bislang nur ein Prozent der Bevölkerung eine Kreuzfahrt unternimmt, fast vier Prozent sind es in Amerika. Erst die erste "Aida", ein Popstar der See, erreichte in Deutschland neues und jüngeres Publikum.

Wie das Experiment "Philharmoniker zum Anfassen" auf der "Aidadiva" ausging? Hier die Bilanz: Die Bars blieben auf Cocktails, Bier und Spirituosen sitzen. Der Umsatz an Wein verdoppelte sich, ebenso die Buchungen für die Restaurants mit Service, in denen ein Aufpreis zu zahlen ist. Von den Büfetts wurde weniger als sonst gegessen. In der Boutique war die teuerste Sportkleidermarke in kürzester Zeit ausverkauft. Auch die Rezeption wurde überrannt. Von Reisenden, die von dieser Stelle Sofortservice erwarten, doch keine Anweisungen, sich zu den Öffnungszeiten wieder einzufinden, wie es Brauch ist im organisierten Tourismus.

Es war nicht das letzte Mal

Diszipliniert, doch nicht ohne Murren, stellten sich die Kulturtouristen vor jedem Konzert an Land der logistischen Herausforderung, mit eintausendachthundert anderen Menschen gleichzeitig in einer Flotte von Bussen vom Schiff zum Konzertsaal und wieder zurück verlegt zu werden. In Taormina und in Florenz zwei Stunden hin, zwei Stunden zurück. Dafür konnten sich, wie ersehnt, vom Frühstücksbüffet bis zum letzten Drink an der Bar Musiker und Fan, sonst im Konzertsaal auf respektvoller Distanz, aus nächster Nähe in die Augen schauen. Und nie sah man in glücklichere Gesichter als nach den Autogramm-Sessions mit Zubin Mehta und Lang Lang. Was wiegt da mehr?

Spaßschiff trifft Hochkultur. Das ist eine Provokation. So elektrisierend, dass ein da capo schon jetzt als sicher gilt. Schon haben sich Plattenlabel und Künstleragenturen zur Nachahmung gemeldet. Wie im Triumph lief die "Aidadiva" am Ende der Reise aus der Unendlichkeit von Himmel und Meer wieder in den Hafen von Palma de Mallorca ein, das ganze Schiff erfüllt von wunderbarer Musik. Was an Land unser Herz ergreift, berührt uns auf dem Wasser nur umso mehr. Das ist das ganze Geheimnis der Kreuzfahrt.

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