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Kreuzfahrt : Ändern Sie bitte Ihre Lebensweise!

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Für die Tage auf See lockt die „Constellation” mit Kursangeboten vielfältiger Art Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Mehr als eine Schifffahrt: Seetage auf Kreuzfahrtschiffen wie der „Constellation“, dem Flaggschiff der Reederei Celebrity Cruises, können ganz schön anstrengend sein. Dann nämlich, wenn man das umfangreiche Kursangebot nutzt.

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          Noch sind es 388 Seemeilen bis Georgetown, der Hauptstadt von Grand Cayman; es ist der zweite Tag auf der „Constellation“. Auf Deck fünf hat Dr. Drew gerade seinen Vortrag über Arthritis beendet. Auf Deck neun schließt Isabell den Computerraum für ihre Kursteilnehmer auf. Im Bordfernseher erklärt Shanee den Unterschied zwischen Smaragden aus Kolumbien und Mexiko, und oben auf dem Sportdeck führt Fitnesstrainerin Ann Pilates-Übungen vor - angeblich verdanken Hollywoodstars diesen ihre traumhafte Figur.

          „Enrichment Lectures“: „Bereicherungskurse“ werden die Seminare auf Kreuzfahrtschiffen genannt. Manchmal scheinen sie wichtiger zu sein als das Ziel selbst. Im bordeigenen Fitnesscenter wird trainiert, um mit gestählten Bauchmuskeln nach Hause zu kommen, im Musikkurs ein Instrument getestet, im Sprachlabor die Spanischkenntnisse verbessert, oder im Computerkurs das Wissen auf den neuesten Stand gebracht. Auch auf der „Constellation“ sind die „Lectures“ an den wenigen Seetagen gut besucht. Zwischen den Badeausflügen an den Stränden der Caymans und den Einkaufstouren nach Cartagena und Cozumel bleibt für Bildung genügend Zeit.

          War Marc Chagall eigentlich religiös?

          Am zweiten Tag auf See wartet eine Reihe von Kunstvoarträgen auf die Passagiere. Der Seminarraum liegt im Emporium, der Einkaufsmeile an Bord. Im Raum nebenan gibt es eine Kunstauktion, bei der man zu Preisen von sechzig bis mehreren hunderttausend Dollar Kopien von Gemälden jener Maler erwerben kann, über deren Leben, Werke und Stil man in Seminaren wie „Maler des zwanzigsten Jahrhunderts“ an den kommenden Kreuzfahrttagen etwas erfährt.

          Eineinhalb Seetage noch bis Oranjestad auf der Karibikinsel Aruba, 775 Seemeilen. Wir lernen, dass der Maler Marc Chagall von Gauguin, Goya und van Gogh inspiriert worden ist. War Marc Chagall eigentlich religiös, will Esther aus Israel wissen. Aber Seminarleiter Arthur ist schon bei der „Legendenbildung um Dalí“ angelangt. Am Ende der Reise soll jeder Kursteilnehmer einen echten Druck mit Zertifikat geschenkt bekommen, sagt er.

          Inzwischen hat auch Isabell, die junge Computerlehrerin des Schiffs, ihre Kursteilnehmer vor den Laptops plaziert. Nicht mit den Nachbarn quatschen, bitte. Schließlich soll der Umgang mit dem Windows Movie Maker erlernt werden. „Sie wollen doch nicht dauernd Ihre Tausenden von Reisefotos mit sich herumschleppen?“, fragt sie herausfordernd. Einige geduldige Erklärungen später haben alle das Programm begriffen. Nach dem Kurs reicht die Zeit gerade noch für ein schnelles Eis im Café auf Deck fünf.

          Aruba, Akupunktur und Calypso

          Dann eilen wir zu einem Vortrag über die Insel Aruba, die am nächsten Tag besichtigt werden soll. Doch statt Landeskundliches zu erfahren, erzählt die Gästebetreuerin Shanee von den schönen Diamanten, die es auf der Insel zu kaufen gibt. Aruba sei der „Hotspot“ für farbige Diamanten, die viel seltener seien als weiße. Die berühmtesten unter den Steinen seien der blaue Diamant „Hope“ und der gelbschimmernde „Tiffany“. Man müsse kein Millionär sein, um Diamanten in Aruba kaufen zu können, strahlt Shanee und verteilt die Adressen geeigneter Diamantengeschäfte. Wir flüchten - zum Vortrag eines Lebensberaters, Bestsellerautors und ehemaligen Rennfahrers aus Kanada. Es sei nicht wichtig, zu bekommen, was man wolle, sondern es noch zu wollen, wenn man es habe, rät er uns, und erklärt, dass die Liebe das Leben verlängere. Verschiedene Wissenschaftler hätten herausgefunden, dass das Immunsystem von Paaren stärker sei als das von Singles.

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