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Kolumbien : Das Land der Liebe und des Schmerzes

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Es gebe nur drei Dinge in ihrem Dorf, sagen die Leute: Fisch, Musik und Touristen, jetzt wieder, zum Glück, Gäste statt Guerrilleros. In den späten neunziger Jahren überfiel die Farc Capurganá, der Tourismus brach zusammen, die Menschen litten, dem Staat war es egal. Heute ist er so massiv präsent mit Polizei und Militär, dass die Leute scherzen, sie würden besser bewacht als der Präsident. Es ist fast schon ein bisschen zu viel, wenn man sich bei seinen Robinsonaden mit Roomservice in den Lodges außerhalb des Dorfes oder während der Wanderungen an der wilden Küste den Dschungel mit ganzen Armeebrigaden teilen muss, freundlich grüßenden Schutzengeln in Tarnuniform. Es muss wohl sein, die Grenze ist nah, der Drogenschmuggel ein gutes Geschäft, die Gewalt gezähmt, nicht besiegt, Präsident Álvaro Uribe sei Dank, der mit eiserner Faust die Guerrilla zerrieben, Kolumbien den Optimismus und Capurganá seine Touristen zurückgegeben hat - und jenem alten Mann die Hoffnung auf ein kleines Stück Glück, der mit seiner hölzernen Sackkarre das Gepäck vom Hotel zum Flugplatz schafft. „Transportes El Paisa“ hat er mit rührendem Stolz auf die klapprige Karre geschrieben, gestatten, man nennt mich den Paisa, Spediteur aus Muskelkraft, endlich wieder im Dienst.

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„Wir alle haben Schuld, auch diejenigen, die nichts getan haben - weil sie nichts getan haben“, sagt Douglas Alfonso Romero Sánchez, der Kultus- und Tourismusminister des südkolumbianischen Departements Huila, und macht es sich schnaufend in seinem Dienstjeep bequem, das viele Frittierte fordert Tribut. „Es gibt nicht die Guten und die Bösen in diesem Krieg und jetzt weniger denn je. Jetzt sind alle einfach nur müde nach so vielen Jahren des Mordens und Leidens. Ich kenne Familien, denen die Farc einen Sohn gestohlen haben und einen die Paramilitärs, und dann haben sich die Brüder gegenseitig im Dschungel umgebracht.“ Auch der Minister sieht müde aus, er weiß, wovon er spricht. Sein Departement war rote Zone, Kriegsgebiet und diese Fahrt hinauf nach San Agustín vor fünf, sechs Jahren noch hochriskant - damals, als die Motorradfahrer noch keine Leuchtwesten mit ihrem Nummernschild darauf tragen mussten; nun müssen es alle tun, als ebenso simplen wie effizienten Schutz vor den Sicarios, den Auftragsmördern auf Motorrädern, einer kolumbianischen Pest. „Wisst ihr, dass die Farc auf dieser Allee vor ein paar Jahren einen Senator verschleppt haben? Erst haben sie die Bäume gerodet und die Brücken gesprengt, um vor Verfolgern sicher zu sein. Dann haben sie sein Flugzeug auf dem Weg von Bogotá in die Departementshauptstadt entführt, sind auf der Straße gelandet und mit dem Senator in den Bergen verschwunden. Sechs Jahre lang war er im Urwald, sechs Jahre.“ Der Minister schweigt und schaut stumpf aus dem Fenster. Er weiß, dass es genauso gut ihn hätte treffen können.

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