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Ko Phi Phi : An einem fernen Strand

Die Ton-Sai-Bucht auf Ko Phi Phi: Wie sie einmal aussah und vielleicht wieder aussehen wird... Bild: Andreas Lesti

Auch die thailändische Ton-Sai-Bucht, wo einst „The Beach“ gedreht wurde, hat die Flut nicht verschont. Auf Ko Phi Phi bleibt den Überlebenden nur die Erinnerung an die „schönste Bucht der Welt“.

          Vom Paradies ist nichts übriggeblieben. Keine Palmen. Keine Bungalows. Kein Strand. Das Auge versucht, die fehlenden Bilder zu ergänzen. Das Gehirn aktiviert die Erinnerung an damals, als wir das erste Mal hier waren; aktiviert die Bilder der Strände, an denen wir damals lebten, lange bevor Ko Phi Phi bekannt wurde durch den Film "The Beach"; lange bevor die Welle am 26. Dezember 2004 alle Träume zerstörte.

          Andreas Lesti

          Freier Autor im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Kurz vor zehn Uhr schlich man aus dem Bungalow und blinzelte mit zusammengekniffenen Augen ins Paradies hinein. Diese Insel, mit dieser einzigartigen Bucht, genannt Ton Sai, die sogar die Thailänder als "die schönste Bucht der Welt" bezeichneten. Allmählich wurde aus dem Blinzeln ein Blick, und die Sonne und das grünblaue Meer und der Sandstrand und die Palmen brannten sich ins Gedächtnis.

          Die Welle traf den „Schmetterling“ mitten ins Herz

          Eigentlich hätte die Welle hier keinen großen Schaden mehr anrichten dürfen. Ko Phi Phi liegt sehr weit im Süden und, vom Epizentrum des Seebebens aus gesehen, im Schutz der Insel Phuket. Aber irgendwie hat der Tsunami seinen Weg nach Ko Phi Phi gefunden, die schmetterlingsförmige Insel im Golf von Phang Nga. Ihre Flügel, zwei Berge, ihr Körper, die flache Bucht, gerahmt von zwei Sandstränden. Genau dort - mitten ins Herz - hat die Welle den Schmetterling getroffen. Und alles zerstört. Vier Wochen später sieht es auf Ko Phi Phi noch immer aus, als hätte hier ein Krieg getobt. Schutt, Sand und Schlamm bedecken eingestürzte Bungalows. Boote klemmen in Hotelzimmern, Strommasten liegen quer über den Trümmern, und große Teile der früher mit Hotelanlagen, Restaurants und Shops bebauten Landzunge sind einfach weg. Sogar die Palmen hat die Welle abrasiert.

          ...und wie sie nach der Katastrophe vom 26. Dezember aussieht

          Die Tage auf der Insel verliefen gleichförmig. Keine Verpflichtungen, keine Pläne, keine Entscheidungen. Außer vielleicht, an welchem Strand man heute im Sand liegen und welches Buch man lesen wird. Auf dem schmalen Weg, der die beiden Strände verband, schlenderte man an den vielen CD- und Souvenir-, Schuh- und T-Shirt-Läden, Tauchschulen und Ausflugsagenturen entlang zum Meer.

          Zurück blieben nur die Symbole eines Urlaubs

          Ein aufgeweichtes CD-Cover der "Chill-Out-Lounge", ein rotes Spaghetti-Träger-Top mit Preisschild, 300 Bath, ein rosafarbenes Bikinioberteil, ein Vietnam-Reiseführer, ein Muschelarmband, eine einzelne Flosse, eine Dose Sonnencreme, das Herz-As eines Kartenspiels. All das liegt jetzt im Schutt dieses Weges, der kaum mehr als solcher zu erkennen ist. Symbole eines Urlaubs, die zu Ko Phi Phi gehörten wie die Rucksäcke zu den Individualtouristen, die auf dieser Insel ihr Glück gefunden hatten. Vor der ehemaligen Tauchschule räumt Georg Kereit das Schild mit der Aufschrift "Tauchen komplett auf deutsch - Gönn dir den Spaß!" zur Seite. Er ist Schweizer und hat auf Ko Phi Phi als "Divemaster" gearbeitet.

          "Ich hatte Glück", erzählt er. Am 26. Dezember sei er mit den Kunden um zehn Uhr schon draußen gewesen - an einem Riff einige Kilometer vor Ko Phi Phi. "Wir wurden plötzlich fünfzehn Sekunden lang wie in einem Fluß am Riff entlanggezogen. Ich habe sofort gemerkt: Irgendwas stimmt hier nicht, und bin mit den Teilnehmern hoch." Alle haben es zurück ins Boot geschafft und die Flutwelle dort unverletzt überstanden.

          Die Menschen sind voller Hoffnung

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