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Kanada : Die Jagd nach Seelen und nach Speck

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Erzähle mir etwas: Ein Manager der Kreuzfahrtgesellschaft mit einem Zeitzeugen, der den Passagieren an Bord vom Leben der Inuit berichtet. Bild: Lerchenmüller & Wosnitza

Labrador im Osten Kanadas war eine Schnittstelle der Alten mit der Neuen Welt. Hier betraten die ersten Europäer amerikanischen Boden. Eine Kreuzfahrt führt zu fast vergessenen Orten zwischen Bibel und Harpunen.

          Cole, der kleine, stämmige Begrüßungs-Wikinger, tut sich schwer, den grimmigen Krieger zu geben. Immer wieder bricht sein fröhliches Lachen durch. Doch er bemüht sich tapfer. Mit gezücktem Schwert und gelegentlichem Brüllen stapft er seinen Gästen voran, führt sie durch das Museum mit den Bootsnägeln und Topfscherben und geleitet sie hinaus zu den ausgegrabenen Fundamenten. Hier ist es, wo alles begann. Auf dieser sumpfigen Ebene, die von kleinen Bächen und dürrem Gestrüpp aufgelockert wird, trafen zum ersten Mal Alte und Neue Welt aufeinander. In L'Anse aux Meadows, an der nördlichsten Spitze der kanadischen Insel Neufundland, setzten um das Jahr tausend Wikinger aus Grönland ihren Fuß auf amerikanischen Boden.

          Viele Europäer kamen danach: Fischer, Walfänger, Händler, Siedler, Missionare. Ihre Hinterlassenschaften finden sich immer noch an den Küsten Neufundlands und Labradors. Die meisten sind von Land aus nicht zugänglich. Doch seit fünf Jahren veranstaltet die Reederei Cruise North Kreuzfahrten von Neufundland in die Arktis. Elf Tage lang ist die "Lyobov Orlova" unterwegs. Von St. John's, der Hauptstadt Neufundlands, Kanadas östlichstem Vorposten im Atlantik, fährt sie nach Norden, durchquert die Meerenge Strait of Belle Îsle und arbeitet sich an der Ostküste der Halbinsel Labrador hoch nach Kuujjuaq. Und täglich geht es mit Zodiacs, den schwarzen Gummibooten, an Land.

          Das wahre Leben der Wikinger

          In den nachgebauten Langhäusern aus Holz und Torf hat die Magd Torfinna inzwischen den Eintopf aufs Feuer gesetzt und erzählt von den frostigen Begegnungen der Wikinger in L'Anse aux Meadows mit den Skraelingern, den einheimischen Indianern. In der Schmiede lässt Olaf, der Grobknochige, den Hammer rhythmisch auf den Amboss sausen. Es ist ein Sommerjob für den siebzehnjährigen Schüler Adam Henderson, und er geht ihm mit ebenso viel Hingabe nach wie seine acht Kolleginnen und Kollegen. Leben und Rolle fließen ineinander, in der rekonstruierten Wikingersiedlung geht es an diesem Morgen nicht weniger lebhaft zu als in vielen Kneipen Neufundlands spätabends. Und es wundert einen auch nicht, wenn Beowulf, der Schöne, alias Mike Sexton, der Kunstschnitzer, voller Inbrunst und ohne zu stocken, die ersten Verse eines Epos aus dem Jahre 948 vorträgt. Natürlich, sagt Beowulf-Mike, wisse er alle zwanzig Strophen auswendig.

          Es ist nie zu früh: Ein Nachwuchskünstler vom Volk der Nain, das an der Küste Labradors lebt.

          Nur wenige Winter blieben die Wikinger an der Küste Vinlands, wie sie die Gegend nannten. Dann zogen sie ab, vermutlich nach Auseinandersetzungen mit Eingeborenen, und der neblige Landstrich geriet wieder in Vergessenheit. So konnte John Cabot, der italienische Seefahrer in Diensten Englands, 1497 fälschlicherweise für sich den Ruhm in Anspruch nehmen, Neufundland entdeckt zu haben.

          Kabeljau in rauhen Mengen

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