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Kambodscha : Das schnelle Leben in Phnom Penh

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Am 7. Januar 1979 befreite die Armee Vietnams das Nachbarland aus dem Würgegriff der Roten Khmer. Dennoch konnten die Hauptverantwortlichen des Genozids dreißig Jahre lang unbehelligt in Kambodscha verbleiben. Nur Kaing Khek Iev, bekannt unter dem Namen „Duch“, sitzt seit nunmehr acht Jahren ohne Verurteilung im Gefängnis. Er hatte das berüchtigte Foltergefängnis Tuol Sleng im Süden der Hauptstadt geleitet, in dem siebzehntausend Menschen gefoltert wurden, bevor man sie auf den Killing Fields ermordete. Heute ist in der ehemaligen Schule das Genozid-Museum untergebracht. Bei den Kambodschanern ist das von den Vietnamesen eingerichtete Museum wie auch die Killing-Fields-Gedenkstätte, die inzwischen von einer japanischen Firma verwaltet wird, umstritten. Als Buddhisten gedenken sie der Toten anders. Ihrem Glauben nach dürfen Gebeine nicht ausgestellt, sondern müssen verbrannt werden.

Kommerz kommt vor Tradition

Während Phnom Penh seine Stätten des Grauens schon der Touristen wegen erhält, stehen etliche Bauten von Vann Molyvann zur Disposition. Abreißen oder restaurieren, lautet die Frage. Die Stadtväter zögern noch. Das heißt, sie tun gar nichts. Ein Beispiel für Verharren im Spannungsfeld sich widersprechender Interessen ist das Bassac-Theater. Große Teile des 1966 erbauten Nationaltheaters sind vor zwölf Jahren abgebrannt. Seitdem lebt es als Ruine fort und bietet arbeitslos gewordenen Schauspielern, Tänzern, Musikern, Puppenspielern und Akrobaten eine morbide Heimat.

Auf der Bühne, die kein Dach mehr schützt, wachsen Bäume, im Zuschauerraum ist eine Kochecke eingerichtet, eine Frau hängt Wäsche auf. Doch der Ort ist immer noch voller Kunst: Im Foyer, das die Flammen verschonten, probt eine Gruppe Mädchen den traditionellen Apsaratanz, zwei Männer spielen Xylophon. In den Ecken stapeln sich Kulissenteile, Trommeln und ein Buddha aus Pappmaché. Rinderhäute, aus denen Schattenpuppen gefertigt werden, sind zum Trocknen aufgespannt. Manchmal treten die Künstler, die in einfachen Hütten hinter dem Theater wohnen, bei privaten Festen auf.

Der letzte Hoffnungsschimmer

Das Gebiet am Ufer des Tonle Bassac, in dem das Theater liegt, wird zurzeit entwickelt. Den Blick auf den braunen Strom mit seinen Fischerbooten verstellt ein Bauzaun. Schräg gegenüber dem Theater entsteht ein repräsentativer Neubau für die Nationalversammlung, Tausende Bewohner einer wild gewachsenen Siedlung mussten inzwischen einem geplanten Handelszentrum weichen.

Das Schicksal von Vann Molyvanns Gebäude und der Künstlergemeinde in der Ruine ist in dem Möchtegern-Vorzeigeviertel ungewiss. Die Aussichten sind allerdings eher düster: In der Vision des neuen, modernen Phnom Penh rangiert Kommerz vor Tradition. Die Stadtplaner wollen Wolkenkratzer sehen, keine Wellblechhütten. Investoren sollen die Stadt bevölkern. Und Touristen. Dass die auch das alte Phnom Penh erleben wollen, könnte der letzte Hoffnungsschimmer sein für Kolonialvillen und Sechziger-Jahre-Bauten, die der Stadt bis heute einen Charme verleihen, den vielleicht wirklich nur noch Parangs wahrnehmen.

Anreise: Die Deutsche Lufthansa und Thai Airways fliegen über Bangkok nach Phnom Penh, Malaysia Airlines steuert die kambodschanische Hauptstadt über Kuala Lumpur an. Hin- und Rückflug kosten ab 900 Euro.

Unterkunft: Phnom Penh bietet ein großes Übernachtungsangebot vom einfachen Gästehaus bis zum Luxushotel. Die Preise liegen zwischen 12 und 160 Euro.

Unternehmungen: Rundreisen durch Kambodscha und Stadtführungen in Phnom Penh organisiert beispielsweise Diethelm Travel, 65 Street 240, PO Box 99, Phnom Penh, Telefon: 00855/23/129151, im Internet: www.diethelm-travel.com. Auf Architektur-führungen in der Hauptstadt hat sich Khmer Architecture Tours spezialisiert. Buchungen nur via E-Mail: contact@ka-tours.org, Informationen im Internet: www.ka-tours.org.

Informationen: Indochina Services, Enzianstraße 4 A, 82319 Starnberg, Telefon: 08151/770222, im Internet: www.indochina-services.com.

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