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Kambodscha : Das schnelle Leben in Phnom Penh

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Toll ist in Phnom Penh, was modern ist. Altes zu bewahren gilt heute nur als sinnvoll, wenn es sich rechnet. So verschwinden die französischen Kolonialbauten nach und nach aus dem Stadtbild. Rund um die Hauptpost war das alte französische Viertel. Zwei Prachtbauten stehen am Sothearos Boulevard, wenige Meter von der Riverside entfernt, gleich gegenüber dem Nationalmuseum, das um 1920 nach den Plänen eines französischen Architekten im traditionellen kambodschanischen Stil erbaut wurde. In der einen Villa residiert die Unesco, die andere soll einem Halbbruder von König Norodom Sihamoni, Prinz Norodom Ranariddh, gehören, der dort angeblich seine Leibwächter sowie andere Bedienstete und ihre Familien wohnen lässt. An der Unesco-Villa glänzt weißer Stuck auf ockerfarbenem Grund, die grün-weißen Fensterläden sehen aus wie neu, das ganze Haus ist ein Schmuckstück. An dem anderen, architektonisch noch prächtigeren Gebäude ist das ehemalige Ockergelb der Fassade mittlerweile schmutziggrau, Plastikfolie hält den Regen draußen, Wellblechwände machen aus einem Balkon ein zusätzliches Zimmer.

Klimagerechte Tropenarchitektur

Neben den Franzosen, die in Kambodscha von 1863 bis 1953 herrschten, hat vor allem Vann Molyvann die Architektur der Hauptstadt geprägt. Die Wahrzeichen des „goldenen Zeitalters“ der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts stammen von dem heute achtzig Jahre alten kambodschanischen Stararchitekten. Er entwarf so unterschiedliche Bauten wie das Olympiastadion und die Universitätsbibliothek, das Chaktomuk-Theater und das Unabhängigkeitsdenkmal, Villen sowie das „White Building“ und das „Grey Building“. Diese beiden Gebäude stehen für den einzigen - fehlgeschlagenen - Versuch, in Kambodscha sozialen Wohnungsbau einzuführen. Dank Vann Molyvann, der klimagerechte Tropenarchitektur mit internationalen Stilelementen verband, war Phnom Penh vor 1970 zu einer der modernsten Städte Südostasiens gewachsen.

Dieser Blütezeit setzte der Krieg ein Ende. Im Jahre 1970 putschte der von Amerika gestützte General Lon Nol gegen Norodom Sihanouk und errichtete ein Militärregime. Dass es noch schlimmer kommen sollte, ahnten die Bewohner von Phnom Penh nicht. Im Gegenteil: Als Befreier feierten sie die jungen, ganz in Schwarz gekleideten Männer, die am 17. April 1975 in der Hauptstadt einmarschierten. An diesem Tag übernahmen die Roten Khmer die Macht in Kambodscha - und begannen sofort mit der Vertreibung der Einwohner. Alle Menschen - mehr als zwei Millionen, damit mehr als heute - mussten die Stadt verlassen. Sterbende wurden aus den Krankenhäusern, Mütter aus dem Wochenbett geholt.

Ein Land im Würgegriff

Pol Pot, der Anführer der Roten Khmer, und seine Schergen schickten die Bevölkerung des Landes zur Arbeit auf die Reisfelder. Künstler, Intellektuelle, Mönche aber töteten sie nach Plan. Jeder vierte Kambodschaner verhungerte, arbeitete sich zu Tode, starb an unbehandelten Krankheiten oder den Folgen der Folter. Überall im Land wurden Hinrichtungsstätten eingerichtet, die bekanntesten „Killing Fields“ erstrecken sich direkt vor den Toren der Hauptstadt. Heute sind sie eine der wichtigsten Touristenattraktionen.

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