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Kambodscha : Das schnelle Leben in Phnom Penh

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In Phnom Penh drängt alles vorwärts Bilderstrecke

Weil immer mehr Hauptstädter immer mehr Klimaanlagen und Kühlschränke anschließen, häufen sich Stromausfälle. Wer in der heißesten Zeit des Jahres, die gerade wieder begonnen hat, tagsüber in einem Café an der Riverside, dem Ufer des Tonle Sap, den Tag verdämmert, muss damit rechnen, dass der Ventilator über ihm plötzlich aufhört, sich zu drehen. Doch bevor das Bier im Kühlschrank warm wird, ist der Strom meist wieder da.

Markisen aus Stein

Vor dem Zeitalter der Klimaanlagen bekämpften die Bewohner der Hauptstadt die ganzjährig tropische Hitze mit raffinierter Architektur: mit hohen Räumen, schattenspendenden Gebäudeelementen und natürlicher Ventilation. Der Psah Thmey, der 1936 unter französischer Kolonialherrschaft erbaute Zentralmarkt, zeigt bis heute vorbildlich, wie umfassende Winddurchlässigkeit bei gleichzeitigem Schutz gegen Sonne und Regen erreicht wird. Der kreuzförmige Bau mit einer großen Kuppel im Zentrum ist löchrig wie ein Sieb. Steinerne Markisen schützen die Mauern vor Sonnenstrahlung und heftigen Regenfällen.

Ein angenehmer Luftzug weht durch die Halle. Sogar in dem Flügel, in dem rohes ungekühltes Fleisch verkauft wird, das schon einige Stunden liegt, ist der Geruch erträglich. Der Anblick der Ware hingegen ist für Menschen, die ihre Filets üblicherweise aus dem Supermarkt beziehen, ungewohnt. Schweineschnauzen liegen neben Schüsseln voller Eingeweide. Was hier verkauft wird, sind keine anonymen Fleischstücke, sondern erkennbare Körperteile. Dazwischen Stände mit Bergen pinkfarbener Drachenfrüchte, stacheligen Rambutan, süßlich stinkenden Durian. Ungezählte Früchte ohne deutsche Namen. Man darf sie alle probieren. Geröstete Spinnen und Heuschrecken gibt es auch.

Illegale Verlockung

Im Flügel auf der anderen Seite, über das Rondell hinweg, wo Uhren, Schmuck und Sonnenbrillen verkauft werden, kann sich der Tourist aus Europa oder Amerika mit Levi's-Jeans, Adidas-T-Shirts und GAP-Blusen eindecken. In jeder Größe, zu einem Zehntel des Preises von zu Hause. Die Markenstücke werden in Kambodscha genäht: Die Textilindustrie ist die einzige nennenswerte Industrie im Lande. Wichtigster Wirtschaftszweig ist nach wie vor die Agrarwirtschaft.

Den dritten Flügel des Markts, mit Kleidung für Kambodschaner, durchqueren die meisten Parangs, wie westliche Ausländer hier genannt werden, schnell. Zu klein. Zu rosa. Zu rüschig. Auf der anderen Seite lockt Illegales. Hollywood-Filme landen per raubkopierte DVDs, Monate bevor sie ins Kino kommen, im Psah Thmey. Das Computerprogramm Windows XP kostet zwei Dollar. Computerspiele und Musik-CDs: kaum ausgelegt, sind sie schon weg. Zwar ist Kambodscha seit drei Jahren Mitglied der Welthandelsorganisation, doch das Land hat eine Schonfrist, bis es die internationalen Regeln des Kaufens und Verkaufens wirklich einhalten muss.

Toll ist, was modern ist

Die neue Warenwelt ist inzwischen in direkter Nachbarschaft des Zentralmarktes im mehrstöckigen, zylinderförmigen Soriya Shopping Center zu bewundern. Das 2002 erbaute erste Einkaufszentrum Kambodschas ist eine Attraktion für sich. Während Touristen das vermeintlich authentische Flair traditioneller Märkte bevorzugen, führen die Hauptstädter ihre Besucher in das kälteste Gebäude Phnom Penhs. Menschen vom Land sind daran zu erkennen, dass sie einander fest an den Händen fassen, bevor sie sich auf die Rolltreppen wagen. Die Reichen kommen in Geländelimousinen und kaufen Fernseher und Playstations, ihre Kinder essen Hamburger bei BBWorld.

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