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Kalifornien : Der Tag, als der Regen kam

  • -Aktualisiert am

Touristen strömen nach Beatty: zum Blumen-Sightseeing Bild: Thomas Dashuber

Und ewig lockt das Blumenbeet: Von überallher strömen die Menschen derzeit ins „Death Valley“ Kaliforniens. Dort hat der Rekord-Regen das staubtrockene Tal zum Leben erweckt und für eine Jahrhundertblüte gesorgt.

          Oben am "Daylight"-Paß dräuen die Wolken schon am Himmel. Sie stapeln sich im Norden, der Süden erlaubt noch einen Blick auf den Talboden, der weiß und blau und gelb leuchtet. Gleich dann kommt der Regenguß, der bald zu Ende ist und als Dampf wieder aufsteigt.

          Regen, der in diesem Herbst die Erde in Kalifornien aufweichte und Wohnhäuser Berghänge runterrutschen ließ. Regen, der in Rekordmengen auf die Canyons dieses Tales fiel, in das "Death Valley". So viel Regen wie jetzt gab es seit Jahren nicht. Er fiel auf die steinige Erde und die Samen und Sporen von Pflanzen, die seit Jahren nicht mehr geblüht hatten. Anfang März öffneten sich dann im Tal des Todes die Blumen in einer solchen Menge, daß sie schnell zu einem Jahrhundertereignis deklariert wurden.

          Vorherrschende Farbe: Sattes Gelb

          Das Grün der Kreosot- und Burrobüsche bedeckt die sonst mageren Flanken des Tales. Seit Anfang April ist die vorherrschende Farbe noch ein sattes Gelb. Zart ist der weiße Wüstenchicoree neben dem gelben Wüstengold (Eschscholzia glyptosperma), dem Brittlebrush, dem Wüstenlöwenzahn und den blauen Skorpionweed (Phacelia distans), den Wüstenlupinen und dem lilafarbenen Salbei.

          Nichts für Salat: Weißer Wüstenchicorée

          Die Vielfalt der Blumen sei ein einmaliges Erlebnis, sagt Pam Muick von der "California Wildflower Association". Die gelben Blüten stünden zwar jedes Jahr in der Wüste, aber lange nicht in solchen Mengen. "Luxuriös", so nennt Muick den gelben Schaum.

          Das Tal wird zu einem Konvektionsofen

          Zehn Zentimeter Regen sind im Laufe des vergangenen Winters gefallen, die dreifache Menge, die sonst hier auf Steine, Kiesel und Sand fällt. Death Valley ist der trockenste Ort der Vereinigten Staaten, und nirgends steigt das Quecksilber höher: Der Rekord liegt bei 57 Grad Celsius. Meist herrschen hier in den Sommermonaten Temperaturen zwischen vierzig und fünfzig Grad Celsius. Dann lassen sich Touristen aus Deutschland am liebstem neben dem Thermometer in Furnace Creek fotografieren.

          Die Felswände des rund 157 Meilen langen Tales speichern die Hitze und lassen das Tal zu einem Konvektionsofen werden. Die Pflanzen, die in diesem Ofen wachsen, sichern ihr Fortbestehen durch eine Anpassung an das Klima: Ihre Samen sind mit einer dicken Wachsschicht bedeckt, die erst durch einen Niederschlag weggespült wird, damit die Pflanzen keimen können.

          Eine Fahrt ins Erdinnere

          Im Laufe der Wochen werden die Blüten mit der steigenden Temperatur wandern, um Ende Juli dann die Hänge des höchsten Berges zu erreichen, den Telescope Peak. Das könne man sich auch in etwa wie den Seifenring an einer Badewanne vorstellen, sagt Ileene Andersen von der "California Wildflower Association": "Die spektakulären Blicke im Park sind eine Sache, aber mit den Blumen wird alles noch etwas beeindruckender", sagt sie. Rund 28 Pflanzen zeigen sich nur hier im Park. Eintausend der kalifornischen Blumenarten wachsen im Tal.

          Doch eine Reise durch das Todestal, das mit dem Rücken an Nevada, mit der Brust an Kalifornien liegt, ist auch eine Fahrt in das Erdinnere: Die noch nackten Bergschichten, die Erdkräfte vor Millionen von Jahren aufgebrochen und neu aufeinandergelegt haben, zeigen sich auch jetzt Lage um Lage und Farbe um Farbe. Die grauen Steine, das Rot der Venus und schwefliges Gelb wechseln sich ab. Scheint die Sonne, leuchten Golden Canyon und Artist's Palette, und die Funeral Mountains bilden einen schwarzen Saum, der die eisigen Panamint-Berge von der Wüste trennt.

          Der Salzsee heißt „Schlechtes Wasser“

          Blühen die Blumen, verliert der Nationalpark auch etwas von seiner Kargheit. Namen wie Devil's Golfcourse, Funeral Mountains und Hell's Gate, die Siedler und Goldsucher den Salzformationen und Bergzügen gaben, verlieren dann kurzfristig ihre Bedeutung.

          Der Name des Salzsees im Badwater Basin, also "schlechtes Wasser", will an diesem Tag nicht passen. Hier läuft das Wasser von den Bergen herunter, sammelt auf dem Weg Mineralsalze und bildet mit einer Quelle dann eine brackige Pfütze am tiefsten Punkt Amerikas, 86 Meter unter dem Wasserspiegel. Unterhalb dieses Punktes lebt nichts, außer einer mikroskopisch kleinen Schnecke, der Badwater snail und dem sogenannten "Pickleweed".

          Das Wasser ist in diesem Frühjahr zu einem See von rund sieben Kilometer Länge angeschwollen, in dessen Oberfläche sich schneebedeckte Berge spiegeln. Mit dem Regen kamen auch die Menschen. Die Seen im gesamten Park werden jetzt von Kajakfahrern und Seglern befahren. Einige der Touristen springen in die Fluten, die zwei- bis dreimal soviel Salz enthalten wie der Ozean. Mit einer Mineralkruste bedekct, steigen sie dann gereinigt wieder heraus.

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