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Japan : Wasserbecken mit Aussicht

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Für den Aufenthalt auf dem neuen Flughafen der zentraljapanischen Stadt Nagoya, Gastgeberin der noch bis Ende September laufenden Weltausstellung Expo 2005 in Aichi, geben Einheimische und Kenner nur einen Rat: Ab ins Wasser.

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          Für den Aufenthalt auf dem neuen Flughafen der zentraljapanischen Stadt Nagoya, Gastgeberin der noch bis Ende September laufenden Weltausstellung Expo 2005 in Aichi, geben Einheimische und Kenner nur einen Rat: Ab ins Wasser. Eigentlich gilt dieses Motto für die ganze sechs Milliarden Dollar teure Anlage, die in der Ise-Bucht aus dem hier nur sieben Meter tiefen, seichten Wasser aufragt. Aber auf dem im Februar 2005 eröffneten Central Japan International Airport, kurz Centrair genannt, hat die Aufforderung noch einen besonderen Charakter: Im Dachgeschoß des Terminalkomplexes einen Kilometer vor der Küste befindet sich eine japanische Badelandschaft mit verschiedenen Becken voller heißem Wasser und grandioser Aussicht. Das weiß jeder hier, wenn die Rede auf den Flughafen kommt. Aber vor Ort angelangt ist es alles andere als einfach, den Ort des nassen Geschehens auch zu finden. Skytown heißt die vierte Terminaletage, auf der sich in einer Art künstlichem Gassenlabyrinth fast fünfzig Läden und Restaurants drängen, die alles von chinesischem Porridge bis zu süßem japanischem Reisgelee anbieten. Schilder, die auf englisch auf heiße Bäder hinweisen, sucht der Besucher allerdings vergeblich. Im komplizierten Terminalplan steht lediglich kryptisch "General Relaxation", und es braucht erheblichen Spürsinn, den Weg zum hellen Vorraum zu finden.

          Glücklicherweise spricht eine Mitarbeiterin Englisch. Sie überreicht den Langnasen gleich mehrere Broschüren und Handzettel auf englisch, die erklären, was alles zu geschehen hat, ehe man endlich dort landet, wo man hinwollte - in einem Onsen, einem heißen japanischen Bad. "Was brauchen wir - eine Badehose?" fragen die Neulinge. "Nein, das ist verboten", kommt die überraschende Antwort. Dann vielleicht ein Handtuch? "Ja, das können Sie hier auch kaufen, dürfen es aber in den Baderaum nicht mitnehmen." Wer kein Handtuch aus dem Flughafen-Hotel mitgebracht hat, investiert umgerechnet zwei Euro in ein weißes Stück Stoff, kaum so groß wie zwei Waschlappen. Das nennen die Japaner Handtuch. Zunächst heißt es nun die bereits zuvor ausgezogenen Schuhe - Japaner sind da sehr streng - in einem Schließfach zu deponieren. Zurück an der Rezeption, tauscht man den Schlüssel gegen ein Armband ein, in den ein Chip integriert ist. Durch einen Vorhang verschwinden die Besucher nun, getrennt nach Geschlechtern, in den Umkleideraum.

          Planschen bei vierzig Grad

          Hier muß der Chip gegen ein freies Schließfach gehalten werden, die Tür springt auf. Alles, was man am Körper trägt, wandert hinein, per Chip wird die Tür verschlossen, dann geht es in den Miyanoyu, den eigentlichen Baderaum. Das Besondere daran ist, daß das Hauptbecken, in dem man sich im vierzig Grad warmen Wasser tummeln kann, einen hervorragenden Blick auf das Vorfeld bietet. Doch halt - vor dem Badevergnügen gilt es sich gründlich abzuseifen, das ist in Japan Pflicht. Dann endlich liegen wir im Wasser, die Entspannung beginnt sich wohlig-warm im Körper auszubreiten, während draußen gerade ein Airbus zum Start rollt. Das Aussichtsbad mit Pistenanschluß bietet sogar reichlich Abwechslung - etwa ein Sprudelbad mit Liegesitzen aus Metall, einen Jacuzzi und ein nur 15 Grad kaltes Becken zum Abkühlen, das ist vor allem nach einem Besuch in der mit Frotteeteppichen ausgelegten Sauna empfehlenswert. Stundenlang ließe es sich in dem täglich von acht bis 22 Uhr geöffneten Komplex aushalten (Eintritt 900 Yen, umgerechnet knapp sieben Euro).

          Centrair ist eine Ausnahme unter Japans Flughäfen. Er entstand in nur viereinhalb Jahren Bauzeit, war einen Monat früher fertig als geplant und ein Fünftel billiger als erwartet. Da der Untergrund hier fest ist, traten in Centrair auch nicht die Probleme auf, für die Japans erste Flughafeninsel Kansai bei Osaka Berühmtheit erlangt hat - sie sinkt. Und Centrair verlangt die geringsten Landegebühren in ganz Japan: umgerechnet rund fünftausend Euro für eine Boeing 747-400 gegenüber mehr als siebentausend in Tokio-Narita. Auch deswegen rechnet man in dem neuen Flughafen, der für maximal siebzehn Millionen Passagiere ausgelegt ist, mit einem schnellen Wachstum. In diesem Jahr werden etwa zwölf Millionen Fluggäste erwartet.

          Platz für 17 Milionen Passagiere

          Zur Zeit fliegen 22 Fluggesellschaften Passagiere zu 28 Städten in vierzehn Ländern, allein acht Mitglieder des Star-Alliance-Verbundes bedienen Nagoya und betreiben hier eine gemeinsame, großzügige Lounge. Europa ist durch die Lufthansa (täglich nach Frankfurt) und Japan Airlines (täglich nach Paris) noch spärlich angebunden, während das innerasiatische Netz mit 194 wöchentlichen Flügen von vierzehn Gesellschaften dicht gespannt ist. Gerade für Reisende zu innerjapanischen Zielen ist der Flughafen von Nagoya ein wesentlich angenehmerer Ort zum Umsteigen als etwa das überlastete Tokio-Narita. Die 35 Kilometer entfernte Innenstadt mit ihrem Bahn-Knotenpunkt ist per Schnellzug in nur 28 Minuten zu erreichen, die Expo in einer einstündigen Busfahrt, und außerdem stehen zwei Hotels direkt neben dem Terminal bereit.

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