https://www.faz.net/-gxh-z6tj

Jamaika : Stolz und lässig wie ein Löwe

  • -Aktualisiert am

Bis gerade eben war es am Strand noch herrlich ruhig: Jamaikaner lieben Musik, vor allem Reggae. Das kann manchmal ganz schön anstrengend sein. Bild: Jörg Kersten

Der Rastafarismus ist auf Jamaika viel mehr als nur eine Modeerscheinung - für die Menschen der Karibikinsel symbolisiert er die Hoffnung auf Freiheit und ein besseres Leben.

          Mikes Imbissbude fällt auf. Die karibikblaue Hütte an der Landstraße zwischen Montego Bay und Negril lockt mit einem Klischee, das einfach jeder von Jamaika kennt: "Cold Beer Joint" steht da in großen Lettern an die Budenwand gemalt. Wir bremsen. Die drei Wörter verführen zu einem Halt.

          Mike gibt sich lässig: "Hey ole rass, like yo eat and drink?", ruft der Lokalbesitzer zur Begrüßung. Es ist eine Frage und doch eine Aufforderung. In ihrer bestimmten Tonlage duldet sie keinen Widerspruch: Natürlich wollen wir etwas essen und trinken. Im Umgang mit Fremden zeigen sich die Jamaikaner gern selbstbewusst und stolz. "Nuff" nennt man das auf der Insel. Aber dann ist der Tourist auch schon willkommen. Denn irgendwie ist der Jamaikaner ja auch kein Einheimischer, sondern ein Eingewanderter, und das verbindet.

          Daddy schaffte die Sklaverei ab

          Es waren die Briten, die das Gerangel europäischer Kronen um die Karibikinsel für sich entschieden und im achtzehnten Jahrhundert Tausende von Schwarzafrikanern als Sklaven auf das Eiland brachten. Sie mussten auf den Plantagen der Zuckerbarone schuften. Zweihundert Jahre lang, bis zur Abschaffung der Sklaverei im Jahr 1838, lebten die Großgrundbesitzer einen verschwenderischen Luxus, begründet auf Gewalt. Einen Einblick in diese Zeit bekommt man, wenn man nach Rose Hall fährt, einem Landsitz nur wenige Kilometer von Montago Bay entfernt. Das frühere Gutshaus mit seinen Tapeten aus Seide, seinen Möbeln aus Mahagoni und Pfostenbetten aus Zedernholz wurde restauriert und nach historischem Vorbild eingerichtet. Stacy, die die Besucher durch das Anwesen führt, öffnet die Schatulle, in der die Herrschaften das Essbesteck über Nacht unter Verschluss hielten. "Sie hatten Angst, im Schlaf von ihren Sklaven damit ermordet zu werden", sagt sie. Es ist ein Schicksal, das viele der Kolonialherren tatsächlich ereilte.

          Jedes Kind auf Jamaika kennt die Namen der Nationalhelden, die sich mit Erfolg gegen die Plantagenlords auflehnten. Unvergessen geblieben ist bis heute Samuel Sharp, genannt "Daddy", der mit seiner Rebellion die Abschaffung der Sklaverei auf Jamaika einleitete. Auf dem Sam Sharp Square in Montago Bay erinnert heute ein Denkmal an den Freiheitskämpfer.

          Schwarz, grün, gelb

          Die Nachkommen der einstigen Sklaven haben es weit gebracht. In der Musik, im Sport, ja selbst in religiösen Dingen ist Jamaika ein Markenzeichen. "Wenn Sie aus Berlin kommen, dann haben Sie sicher Usain Bolt gesehen, Jamaikas Superstar?", fragt Mike und jubelt über die beachtlichen sportlichen Erfolge, die das jamaikanische Team im vergangenen August bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin erringen konnte. In der Nationenwertung belegten sie den dritten Platz, hinter Russland und den Vereinigten Staaten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Das war nichts: Gegen Arsenal ist die Eintracht um Filip Kostic unterlegen.

          Heimdebakel in Europa League : Die Eintracht fällt auseinander

          Das mutige Auftreten gegen den FC Arsenal wird nicht belohnt: Zum Auftakt in die Europa League verlieren die Frankfurter zu Hause deutlich – und müssen in der nächsten Partie auf einen wichtigen Spieler verzichten.
          Signale des Bewusstseins, im Computer rekonstruiert: links ein fast bewusstloser Komapatient, rechts ein Gesunder, in der Mitte ein Komapatient mit Bewusstsein.

          Wegen Fehlverhaltens : Urteil gegen den Primus der Hirnforschung

          Der weltbekannte Hirnforscher Niels Birbaumer behauptet, Locked-In-Patienten wieder kommunikationsfähig zu machen. Jetzt hat ihn die DFG wegen Fehlverhaltens verurteilt. Er will trotzdem weitermachen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.