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Internet : Wie Google Earth uns steuert

  • -Aktualisiert am
Die Golden Gate Bridge in San Francisco
          4 Min.

          Vielleicht sollte man es verbieten, denn es gibt Anzeichen dafür, daß es zur Sucht werden kann. Es macht nämlich einfach Spaß, am Computer-Bildschirm auf Luftaufnahmen den eigenen Wohnort aufzuspüren und mit der Computermaus das Areal, in dem man wohnt, so weit heranzuzoomen, daß man die Autos am Straßenrand erkennt. Der rote Pkw, der dort steht, ist das nicht der Wagen vom Nachbarn? Angeregt, gibt man als nächstes die Stadt Rom ein, in der man vor einiger Zeit ein paar Tage verbracht hat. Dort, das kleine, lauschige Café. Erinnerst du dich noch, wie wir davor saßen und die Frühlingsdüfte geschnuppert haben?

          Die Rede ist von Google Earth, dem Programm, das das Internetunternehmen Google erst Ende Juni vergangenen Jahres - seinerzeit noch längst nicht so fortgeschritten wie heute - der Welt vorgestellt hat. Jedermann sollte mit diesem Programm die ganze Erde erkunden können. Dafür waren Satellitenbilder und, zunächst nur von einigen Metropolen, Luftaufnahmen zu einer geschlossenen "Erdoberfläche" zusammengesetzt worden. Und zwar so, daß sie exakt aneinander anschließen. Mit der Computermaus kann man am Bildschirm in dieser Welt reisen. Man kann aber auch den Zielort eintippen, und dann führt die Reise automatisch dorthin.

          Luftaufnahmen statt Satellitenbilder

          Als Vorbereitung hatte Google unter anderem das Unternehmen keyhole.com aufgekauft, das mit Luftaufnahmen und Bildern des Satelliten Quickbird handelte, der von allen zivilen Erderkundungssatelliten die Fotos mit der größten Auflösung am Erdboden liefert: rund sechzig Zentimeter. Andere Satelliten, die bei Google Earth verarbeitet worden sind, haben nur einige Meter Auflösung. Die wesentlich besseren militärischen Produkte sind nicht frei zugänglich.

          New Yorks Manhattan, vom All aus betrachtet
          New Yorks Manhattan, vom All aus betrachtet : Bild: Google.Earth

          Selbst auf den Bildern von Quickbird sind Autos zwar zu sehen, aber nicht genauer zu erkennen. Das war für das Unternehmen zuwenig. Wenn sich der Nutzer in der Welt von Google Earth ganz zu Hause fühlen will, müssen die Satellitenbilder nach und nach durch die wesentlich genaueren Luftaufnahmen ersetzt werden. Auf dem Weg dorthin sind mittlerweile gewaltige Fortschritte erzielt worden, das Unternehmen hat in größeren Mengen zusätzliche Luftaufnahmen aufgekauft oder selbst in Auftrag gegeben. Deutschland ist in dem Programm inzwischen als erstes Land der Erde, wie es heißt, weitgehend mit Luftaufnahmen abgedeckt. Damit wird der Tatsache Rechnung getragen, daß die deutschen Nutzer das Programm am häufigsten aufrufen.

          Totale Überwachung ist unmöglich

          Was das Programm nicht liefern kann, ist ein gerade aktuelles Bild der gesamten Erde. Für die Live-Informationen müßten ja Satelliten und Flugzeuge jederzeit jeden Punkt der Erde im Blick haben, wovon selbst die militärische Aufklärung weit entfernt ist. Und selbst wenn - technisch wäre das Unterfangen noch einmal um einige Größenordnungen komplizierter, es würde alle heutigen Grenzen sprengen. Die jüngsten Bilder der "Welt im Computer" sind etwa einen Monat alt. Die ältesten seien, so heißt es bei dem verantwortlichen Unternehmen, nicht mehr als drei Jahre alt. Was nicht ganz stimmen kann. Denn einige Häuser, die schon vor fünf oder zehn Jahren gebaut wurden, sind noch nicht zu sehen. Über solche "Lappalien" redet man bei dem Unternehmen, das global denkt, meist nicht.

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