https://www.faz.net/-gxh-si44

Indonesien : Unter dem Vulkan

Majestätisch: Poollandschaft des „Amanjiwo” Bild: Archiv

Der Berg bewegt sich: Zu Gast am Fuße des Merapi - in Borobudur und dem „Amanjiwo Resort“ auf Java in Indonesien.

          4 Min.

          Die Muezzins riefen in der Ebene, als der Bus die menschenleeren Straßen hinabfuhr zum Tempel von Borobudur. Sie sangen ihr „Allah Akbar“ in den stockfinsteren Morgen, aus schnarrenden Lautsprechern und irgendwie melodiöser, irgendwie milder als am hellichten Tag. Aber vielleicht lag das nur an der Herrgottsfrühe, die einem in den Knochen steckte, die Sinne wattierte, sie in Milch tauchte; es gab nur Zwischentöne, Schattierungen, Halbwissen.

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Java schlief noch, als der Bus abfuhr, es ging vorbei an den flachen Hütten und ihren Veranden, auf denen, trotz der Regenfälle vom Vorabend, trotz dem tropischen Tau und vor allem trotz dieser Herrgottsfrühe kleine Fernseher liefen, Blaupunkte in der Finsternis.

          Als der Bus endlich hielt, lag Borobudur, eine der größten buddhistischen Tempelanlagen der Welt, noch immer im Dunkeln. Die Parkwächter verteilten am Eingang Taschenlampen an die Besucher. Aber dann ging es so schnell mit dem Morgengrauen, daß niemand sie brauchte, um die Stufen hinauf bis zur obersten der drei Terrassen des Tempels zu steigen.

          Heiße Lava fließt aus dem Merapi

          Der Tempel ist der Fixpunkt

          Halb sechs an einem indonesischen Morgen am Ende der Regenzeit: In der Kedu-Ebene, wo eben noch die Muezzins sangen, brummten jetzt die ersten Roller. Dort unten wachten die Zeitungsverkäufer und Garköche und Teetrinker auf, um sich an die Straßen zu stellen und auf Arbeit zu warten. Dort unten löste sich der Nebel von den Reisterrassen und den Fußballplätzen, den Palmen und Zypressen. Schulterten die Backpacker ihre Rucksäcke, blätterten ein letztes Mal im „Lonely Planet“, bevor sie nach Jogjakarta aufbrachen, in die schöne, überfüllte, ehemalige Hauptstadt des Landes, in überfüllten Überlandbussen.

          Hier oben aber, auf den Terrassen des Tempels von Borobudur, in Gesellschaft unzähliger versteinerter Buddhas, war es still bis auf das leise Schnalzen der Kameras beim Auslösen, das digitale Surren des Autofokus. Nach und nach leuchteten die vielen Stupas ringsum auf, Buddha-Schreine, die an Saugnäpfe erinnern: Beim enormen Tempel von Borobudur umgeben 72 dieser Denkmäler die eine, elf Meter hohe Hauptstupa in der Mitte. Diese Spitze ist weithin sichtbar. Auch wenn die Sendemasten in der Ebene höher sind - der Tempel ist der Fixpunkt dieses Landstrichs auf Java, und das seit mehr als tausend Jahren schon, errichtet im 8. Jahrhundert nach Christus und damit 300 Jahre jünger als die berühmte Tempelanlage von Angkor Wat in Kambodscha.

          Kleinere Beben, Ascheregen am Morgen

          Auch das nahe „Amanjiwo Resort“ hat sich ganz auf Borobudur ausgerichtet: Seine zentrale Treppe, seine Sichtachse führen geradewegs auf den Tempel zu. Allerdings wandert der Blick von der Stupa momentan unruhig immer weiter, und zwar zum Vulkan Merapi. Der raucht schon seit einiger Zeit vor sich hin. Stinkende Schwefelwolken, kleinere Beben, Ascheregen am Morgen: Ein Ausbruch, so schrieb die „Jakarta Post“ Anfang dieser Woche, stehe unmittelbar bevor. In den vergangenen Tagen sind deshalb über 20.000 Menschen aus den Dörfern rings um den Vulkan evakuiert worden, nicht immer freiwillig, die Bauer wollen ihr Vieh nicht im Stich lassen. Vulkanausbrüche sind nichts Ungewöhnliches auf Java, doch die Behörden nehmen die Lage sehr ernst: Denn als der Vulkan 1994 das letzte Mal so richtig ausbrach, war auch Borobudur, das viele, viele Kilometer entfernt liegt, dick mit Asche bedeckt.

          Weitere Themen

          Neue Website von Harry und Meghan Video-Seite öffnen

          Sussex Royal : Neue Website von Harry und Meghan

          Der "Megxit" bewegt die Briten: Prinz Harry und seine Frau Meghan hatten angekündigt, sich von ihren royalen Pflichten zurückzuziehen. Auf ihrer neuen Website können Interessierte alles dazu nachlesen.

          So schön leer hier!

          Undertourism in Deutschland : So schön leer hier!

          Alle klagen über Overtourism. Dabei gibt es in Deutschland viele Gemeinden, in die sich nur selten Besucher verirren. Seelze in Niedersachsen etwa, Weida in Thüringen oder Rheinstetten in Baden-Württemberg. Ein Blick auf die Zahlen.

          Topmeldungen

          Arbeitgeber in Panik : Keiner kennt die Kosten der Grundrente

          1,5 Milliarden Euro könnten für die Grundrente womöglich nicht ausreichen, fürchten die Arbeitgeber. In der Union rumoren die Parlamentarier. Doch die Unions-Minister unternehmen keine hörbaren Anstrengungen mehr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.