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Indien : Unter Maharadschas und Mogulen

Octopussys Spielplatz: das Lake Palace Hotel in Udaipur. Bild: Eric Martin/laif

Die Bilder vom brennenden Taj-Mahal-Hotel in Bombay gingen um die Welt. Fünf- einhalb Monate nach dem Attentat sind zumindest die äußeren Wunden fast verheilt. Und die Hotelgruppe blickt optimistisch in die Zukunft.

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          Der Baum des Lebens gedenkt der Toten, nicht anklagend, nicht zürnend, sondern als stilles Mahnmal des Unfassbaren. Der Lebensbaum ist eine stilisierte Metallskulptur, die in der Lobby des Taj-Mahal-Hotels in Bombay steht, den Terroranschlag vom 26. November vergangenen Jahres heil überstanden hat und jetzt als provisorische Gedenkstätte die Namen der einunddreißig Menschen nennt, die bei dem Überfall auf das berühmteste Hotel Indiens ihr Leben verloren - siebzehn Angestellte und vierzehn Gäste, ermordet von islamistischen Fanatikern, die damals drei Tage lang aus der Stadt ein Inferno machten. Um zehn Uhr abends kamen die Mörder, schossen um sich, warfen Bomben, wüteten stundenlang, zündeten den historischen Teil des Hotels an, hinterließen Ruinen und traumatisierte Menschen. Die äußeren Wunden werden in ein paar Monaten vollständig verheilt sein, die inneren aber noch lange klaffen.

          Jakob Strobel y Serra

          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Stolz wie eh und je thront das 1903 eröffnete Taj Mahal am Gateway of India, als sei es das Juwel des Juwels der Krone, ein synkretistischer Stilrausch aus Mogul und Moorish, Renaissance und Viktorianismus. Nur noch Rauchspuren an wenigen Fenstern im sechsten Stock erinnern von außen an die Verwüstungen und lassen schaudernd an die Bilder denken, auf denen dicke schwarze Schwaden aus ebendiesen Fenstern quollen. Die schwersten Schäden trug der Südflügel davon, das gesamte Holzdach wurde dort zerstört, derzeit wird es nach dem Vorbild des Nordflügels rekonstruiert. Doch schon vier Wochen nach dem Überfall öffnete das Haus wieder, Ende dieses Jahres sollen fast alle Zimmer im alten Teil bewohnbar sein. Die Ladenzeile und Banketträume werden bereits genutzt, genauso wie die Zimmer im modernen Turmanbau, die unversehrt geblieben waren. Auch das große alte Treppenhaus mit der Büste des Hotelgründers Jamsetij Tata und der Pantheon-Kuppel hat überlebt.

          Gefühl der Fassungslosigkeit

          Die schnelle Wiedereröffnung sei das Beste gewesen, was ihnen passieren konnte, nur so hätten sie die Schockstarre überwinden können, sagen die Angestellten heute. Viele von ihnen werden immer noch psychologisch betreut, und viele senken Blick und Stimme, wenn sie vom 26. November reden. Die Unbegreiflichkeit des Attentats wird ihnen mit dem Abstand der Zeit nicht begreiflicher, ganz im Gegenteil. Das erleichternde und doch bedrückende Gefühl, vom Schicksal verschont worden zu sein, sei allgegenwärtig, sagen nicht nur jene, die Kollegen neben sich sterben sahen, aber auch das Gefühl der Fassungslosigkeit angesichts der Desillusionierung nach den Überfall: Bis zu diesem Abend war das Taj Mahal unantastbar, unangreifbar, eine sichere Burg in der Menschenbrandung Bombays, ein Ort der Sorglosigkeit und des Friedens, an dem die ganze Hektik und Schicksalhaftigkeit des Metropolenmolochs nur ein fernes Rauschen war. Dann wurde das Undenkbare Wirklichkeit und mit ihm die tragische Erkenntnis, dass es jetzt nichts mehr gibt, was nicht geschehen kann. Und so ist der Satz, den ein Gast in das Kondolenzbuch vor dem Baum des Lebens geschrieben hat, bestenfalls Trotz, nicht aber Gewissheit: "Niemand kann das Taj zerstören."

          Indiens Stolz: das Taj Mahal Palace in Bombay
          Indiens Stolz: das Taj Mahal Palace in Bombay : Bild: Bernd Jonkmanns/laif

          Dass sich ihr Mutterhaus so schnell wie möglich wieder im alten Glanz sonnt, ist für die Taj-Hotels, -Resorts and -Palaces nicht nur eine betriebswirtschaftliche, sondern vor allem eine symbolische Frage. Das Taj Mahal, mit 565 Zimmern das größte, umsatzstärkste und zugleich emblematischste Haus der Gruppe, ist der Leuchtturm, der den Weg in die Zukunft weist. Und die Marschrichtung heißt Expansion. Die größte und älteste Hotelgesellschaft Indiens will sich in den kommenden Jahren als globale Marke etablieren. Noch liegen die allermeisten der gegenwärtig mehr als siebzig Taj-Hotels in Indien. Doch zu den bestehenden Häusern im Ausland - in New York, Boston, San Francisco, Sydney, London, Dubai sowie auf Langkawi, den Malediven und Mauritius - kommen in Kürze Neueröffnungen unter anderem in Südafrika, China und auf der arabischen Halbinsel. Das indische Erbe soll dabei aber auch in Zukunft nicht vernachlässigt werden. Bis heute ist Taj die einzige Hotelgruppe des Landes, die sich systematisch der alten Paläste der Mogulen und Maharadschas angenommen hat, um sie in Luxushotels umzuwidmen; ein Klassiker seit James-Bond-Zeiten ist das Lake Palace in Udaipur, eine junge Perle im Portfolio das Hotel im Umaid-Bhawan-Palast des Maharadschas von Jodhpur.

          Bekannt für seine Tiger

          Luxus ist längst nicht mehr das einzige Geschäft der Gruppe, auch wenn ihre Fünf-Sterne-Häuser mit dem Taj Mahal in Bombay und dem Taj West End in Bangalore an der Spitze nach wie vor die Visitenkarten sind. Auf die Entstehung einer zahlungskräftigen, reiselustigen Mittelschicht in Indien hat das Unternehmen mit einer Erweiterung seiner Hotelmarken reagiert. In den großen Wirtschaftszentren wie Delhi, Bangalore, Hyderabad oder Madras, aber auch in Sydney und Dubai werben die Taj-Business-Hotels um Geschäftsreisende, in den Urlaubszentren des Subkontinents und des Indischen Ozeans buhlen die Taj-Leisure-Hotels um Urlauber; manche sind reine Strandresorts wie das Haus in Goa, andere liegen in tropischen Gartenlandschaften, etwa die Taj Garden Retreats in Kerala, wieder andere in der Nähe von Sehenswürdigkeiten wie das Taj View Hotel in Agra mit Blick auf das echte Taj Mahal. Daneben betreibt das Unternehmen - gemeinsam mit einem Spezialisten aus Südafrika - luxuriöse Safari-Lodges in indischen Nationalparks, unter anderem im Bandhavgarh-Schutzgebiet in Madhya Pradesh, das für seine Tiger bekannt ist. In der Drei-Sterne-Kategorie schließlich sind die bislang siebzehn Gateway Hotels angesiedelt, die im Frühjahr an den Start gegangen sind und die es unter anderem in Agra, Calicut, Jaipur, Mangalore und Varanasi gibt. Mit diesen Mittelklassehotels schließt Taj eine Lücke im Übernachtungsangebot des Subkontinents, die alle Indien-Reisenden schmerzlich kennen - Nerven oder Budget, eines von beidem wird bisher fast immer strapaziert beim Übernachten in Indien.

          Informationen zu den Taj-Hotels unter der kostenlosen Reservierungshotline 00800/45881825 oder im Internet unter www.tajhotels.com.

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