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In der Wildnis Ostafrikas : Die trügerische Gelassenheit des Hippopotamus

Auch Elefanten können Linkshänder sein. Man erkennt es an der Länge ihrer Stoßzähne. Bild: Rose-Maria Gropp

Die Bilder sind bekannt, und die Tiere hat man im Zoo schon oft genug gesehen. Doch die Wildnis Ostafrikas leibhaftig zu erleben ist eine überwältigende Erfahrung: Zu Besuch bei Löwen und Hyänen in Kenia.

          Wovon träumt, wer nach Afrika fährt, der Wildnis halber? Vielleicht davon, einmal im Leben zu sehen, wie ein Löwe seine Beute schlägt: „a catch“ heißt das. Es ist ein Glücksfall, ein blutiger freilich, und das Sprichwort, dass der Löwe nur einmal springe, behält dabei nicht recht. Wir sehen in der Masai Mara sieben Löwen gemeinsam schlagen.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          ***

          Der Flughafen Mombasa ist sehr reinlich. Am frühen Morgen landet eine Maschine nach der anderen. Das hat seinen Grund; denn dort - und nicht in Nairobi - kommen all die Leute an, denen der Busch und die Steppe Kenias egal sind, die an die Küste wollen. Viele dieser Touristen werden vielleicht nie ein wildes Tier sehen, bloß den erstrebten Genuss am Meer unter der hohen Sonne erleben. Für sie ziehen sich die Hotelburgen an der Küste entlang. Der Küstenstreifen scheint fest in der Hand italienischer Urlauber zu sein, doch zunehmend überwintern dort auch die Rentner aus ganz Europa, warm und preisgünstig. Ihnen will man es recht machen, sie werden am Flughafen abgeholt und weitertransportiert. Lange Zeit hat Kenia intensiv auf diesen Massentourismus gesetzt. Der zweite Devisenbringer sind die Nationalparks und Wildreservate, die inzwischen vor Besuchern überquellen.

          Hinterm Horizont der Kilimandscharo

          Einige Stunden später und einige Kilometer weiter nordwestlich von Mombasa sitzen wir auf großen warmen Steinen in der Kipalo Lodge, an der Grenze zum Tsavo West National Park, und schauen beglückt ins Land über viele sanfte Kuppen unterm weiten afrikanischen Himmel. Dass dort hinten am Horizont der Kilimandscharo liegt, sagt man uns. Dazu gehört unbedingt diese hübsche falsche Geschichte, dass die englische Königin Victoria weiland ihrem Verwandten, dem deutschen Kaiser Wilhelm II., den Kilimandscharo geschenkt hätte. So erzählt es auch der britische Großwildjäger Denys Finch Hatton seiner Geliebten Karen Blixen in Sidney Pollocks unverwüstlichem Kenia-Melodram „Out of Africa“. In Wirklichkeit war es anders, Deutschland und Großbritannien wollten beide ihre Einflusssphären in Ostafrika ausweiten, es ging auch um die Hafenstadt Mombasa im Hoheitsgebiet des Sultans von Sansibar. Schließlich setzten sich die Briten durch. Am 1. Oktober 1886 unterzeichneten die beiden Länder einen Vertrag, der Mombasa den Briten überließ und dafür das Gebiet um den Kilimandscharo den Deutschen, im heutigen Tansania. Dennoch enthüllt sich uns der Kilimandscharo jetzt nicht, weil es eben auch in Afrika im Frühjahr mal Wolken gibt; dafür ist das Land ungewöhnlich grün, ein Segen für Tiere und Pflanzen.

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