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Hotels : Garantiert jugendfrei

  • -Aktualisiert am

Ruhe vor dem Nachwuchs Bild: picture-alliance / dpa

Einen Schriftzug "Wir müssen leider draußen bleiben" mit der Zeichnung eines Kindes sieht man natürlich nirgends. Wer kinderfreie Zonen einrichtet, macht das subtiler und spricht von „erwachsenenfreundlichen“ Hotels.

          Einen Schriftzug "Wir müssen leider draußen bleiben" mit der Zeichnung eines wartenden Kindes sieht man natürlich nirgends. Wer kinderfreie Zonen einrichtet, macht das subtiler. Disney World in Florida hat Anfang Januar nur eine kleine Pressemeldung rausgeschickt, als das edle Restaurant "Victoria & Alberts" seine Türen vor Kindern unter zehn Jahren verschloss. Dort herrscht Jackettzwang und Reservierungspflicht, ein Familienlokal sei es ohnehin nicht, sagt Sprecherin Kim Prunty. Fast hundert andere Restaurants stehen im Freizeitpark zur Auswahl, Disney World sei nach wie vor ein Kinderparadies.

          Es ist nicht das erste Mal, dass Disney kinderfreie Zonen einrichtet: Auf den Kreuzfahrtschiffen "Magic" und "Wonder" gibt es sogenannte "altersgerechte Bereiche": Für Kinder ist ein ganzes Deck reserviert, Erwachsene sind an einem der Pools und in einem Restaurant unter sich.

          Exklusiv für Erwachsene

          Disney World bekam verärgerte Anrufe. Dabei ist das Konzept von Erwachsenenzonen in einigen Ländern schon lange üblich. Nicht nur viele Hotels in Südafrika oder Zypern betreiben eine "No kids"-Politik. Auch englische Landgasthäuser betrachten es als selbstverständlich, dass Kinder nicht überall willkommen sind. Auf Mallorca eröffneten kürzlich zwei Hotels der eigens kreierten Marke "Vanity Hotels - exklusiv für Erwachsene". Und in der Karibik nehmen die Sandals-Resorts grundsätzlich nur Liebespaare ohne Kinder auf.

          Die Zielgruppe sind Eltern, die mal Pause brauchen, Reisende, die ungestörten Luxus suchen, Paare, die keine Lust auf Kindergeschrei haben. Im deutschsprachigen Raum ist das Konzept kaum bekannt, der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband weiß von keinem kinderfreien Hotel. "Wir halten das für ein fragwürdiges Signal", sagt Pressesprecherin Stefanie Heckel, "Kinder sind schließlich unsere zukünftigen Gäste." Bei großen Reiseveranstaltern wie Tui oder Neckermann heißt es, das Angebot regele sich von alleine. Ruhesuchende würden ohnehin nicht in Familienhotels buchen und Familien gezielt nach Kinderangeboten suchen.

          Wütende Proteste gegen den „bösen Mann“

          Ob sich "kinderfrei" auch in Deutschland langfristig als Nische durchsetzen wird? Angebote für spezielle Zielgruppen haben sich schließlich längst etabliert. Ob Kulturinteressierte, Hundehalter, Pärchen, Singles oder Fastende - für jeden Anspruch gibt es die passende Reise. Und kinderfreundlich wollen fast alle sein, nicht nur jene, die sich auch Kinder- oder Familienhotel nennen. Bei Hyatt heißt der Service "Very Important Baby" (VIB), bei Hilton "My little Hilton".

          Wer ein explizites Kinderverbot ausspricht, riskiert scharfe Kritik: Ein Gastwirt aus Bayern, der in sein Restaurant keine Kinder mehr hineinlässt, wurde mit wütenden Protesten konfrontiert. "Er wurde ziemlich fertiggemacht und hat mich sogar um Rat gefragt", erzählt Roland Ballner vom Hotel "Cortisen" am österreichischen Wolfgangsee. Ihm ist vor zwei Jahren das Gleiche passiert. Seitdem nimmt er keine Kinder unter zwölf Jahren mehr auf. Ballner ist vierzig Jahre alt, er hat eine Tochter, ein Kinderfeind ist er nicht. Doch für die meisten, sagt er, sei er jetzt "der böse Mann". Es gab erboste Briefe, Politiker äußerten sich, Journalisten kamen sogar aus Kolumbien und China. Werbetechnisch gesehen hat Ballner jedoch von der Aufregung profitiert: Seitdem sind die Buchungsraten gestiegen. "Alte grantige Menschen sind das nicht", sagt er, vor allem erholungsbedürftige Eltern würden gerne kommen.

          Es heißt „erwachsenenfreundlich“

          In Österreich gibt es seit Ende letzten Jahres ein weiteres Hotel für "Gäste ab zwölf Jahren", das "Alpenhotel Amalienburg" in Saalbach-Hinterglemm. Auf der Homepage verweist man auf familienfreundliche Partnerhotels. Holger Paluszek, der Direktor, hat für seine Hauspolitik eine diplomatische Bezeichnung gefunden: "erwachsenenfreundlich". "Es muss auch Orte geben, an denen man nicht von Kindern umgeben ist", sagt er, "wir gehen selbstbewusst mit dem Thema um." Starke Kritik hat Paluszek bisher nicht erfahren.

          Rechtlich gesehen kann jeder Gastwirt selbst entscheiden, wen er aufnimmt, er hat das Hausrecht. Erst wenn ein Gast aufgrund seiner ethnischen Zugehörigkeit, Religion oder sexuellen Neigung abgewiesen wird, greifen Diskriminierungs- oder Gleichstellungsgesetze. So gibt es sogar ganze Inseln, die ein Einreiseverbot für alle unter 12 Jahren aussprechen: Auf 100 Metern Breite und 500 Metern Länge bietet Komandoo auf den Malediven ein Luxus-Spa, Schnorchelkurse und private Strandhäuschen - und garantiert keine Kleinkinder.

          Das Gegenstück zu Komandoo liegt vor der Küste Kroatiens: Auf "Young Island" hat niemand über 21 Jahren Zutritt. Eine "garantiert elternfreie Zone" nennt der Veranstalter Ruf-Jugendreisen seine Domäne für die Jungen. Eine "nichtelternfreie Zone" dagegen ist das "Kinderhotel Märchenwald" im österreichischen Pitztal, auf der Homepage heißt es klar und deutlich: "Ohne Kinder keine Buchung!"

          Weitere Informationen unter www.vanityhotels.com, www.amalienburg.at, www.sandals.com, www.cortisen.at, www.laerchenwald.com, www.komandoo.com, www.pirates-of-young-island.com.

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