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Hotellerie : Hotels, die geliebt werden

  • -Aktualisiert am

Es sind persönliche Schatzkammern, europäische Legenden, die Zeiten und Moden überdauern. Jetzt präsentieren sich die Oetker-Hotels als Kollektion von Grandhotels mit großer Geschichte, eine Sammlung, in der jedes Detail von der gestärkten Miniserviette bis zum ausgesuchten Teegeschirr dem Gast eine Liebesgeschichte zwischen Besitzer und Haus verrät.

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          Seit das Wort "Luxushotel" zu Falschgeld in abertausend Werbebroschüren verkam, gibt es keinen gemeinsamen Begriff mehr für die kleinen und großen, die ländlichen und städtischen Häuser jener Klasse, die man betritt wie eine schönere Welt der Grazie und Harmonie. In ihr verrät dem Gast jedes Detail von der gestärkten Miniserviette bis zum ausgesuchten Teegeschirr eine Liebesgeschichte zwischen Besitzer und Haus. Hier ist kein geiziger Investor im Spiel, der mit ein paar Eyecatchern eine Show im Foyer inszenieren läßt, um unter dem Decknamen "Design" karge Zimmer und Bäder, unbequeme Betten und ein serviceloses, tischdeckenfreies Restaurant als "luxuriöses Understatement" unterm Fünf-Sterne-Etikett zu verkaufen.

          Was für ein Vergnügen, allein im Internet in echten Palasthotels zu schwelgen mit ihren Mosaikfußböden, geschwungenen Geländern, üppigen Seidenvorhängen. Ein Mausklick ist es nur vom Restaurant des Hotels Le Bristol in Paris, das mit Gobelins und seidenbespannten Sesseln eingerichtet ist wie der Speisesaal in einem Schloß, zu den gedeckten Tischen unter knorrigen Olivenbäumen im Garten des Chateau du Domaine St. Martin in Vence oder zur spektakulären Terrasse des Hotel du Cap Eden Roc in Antibes. Und dann die Spiegel, Lüster, glänzenden Kommoden in Brenner's Parkhotel in Baden-Baden, die Märchenschloßtürme mit wundervollem Blick im Parkhotel Vitznau am Vierwaldstättersee - alles Hotellegenden.

          Eine Sammlung, keine Kette

          Eines haben diese fünf Häuser gemeinsam: Sie sind seit langem im Besitz der Oetker-Familie, ganz persönliche Schatzkammern in Hotelgestalt, deren Inneneinrichtung in der Verantwortung der Familie und deren Geschmack liegt. Jetzt treten sie erstmals unter dem Logo "Oetker Hotel Collection" gemeinsam auf. Doch weder als Gruppe noch gar als Kette, sondern als eine Sammlung europäischer Grandhotels wie bei Gemälden verstehe sich der Zusammenschluß, sagt Frank Marrenbach, Direktor von Brenner's Park-Hotel, Flaggschiff und mehr als hundertdreißig Jahre altes Symbol der Grandhotellerie in Deutschland. International und individuell solle der gemeinsame Nenner aller Häuser der Hotelkollektion sein. Ziel sei es, die Unverwechselbarkeit jedes einzelnen Hauses hervorzuheben. So strebt etwa das Parkhotel Vitznau nach einem Michelin-Stern, serviert aber auch eine Bratwurst am Schwimmbad. Und im Eden Roc gibt es weder einen Fernsehapparat im Zimmer, noch werden Kreditkarten akzeptiert. Hier bleiben Gäste bis zu zehn Wochen am Stück, in der Saison ist es sehr schwer, überhaupt ein Zimmer zu bekommen.

          Luxus stärkt den Standort

          Daß die Familie Oetker bereit war, ihren Namen dem Zusammenschluß zu leihen und damit auch ein Bekenntnis zur Hotellerie abzugeben - ja keinesfalls ihr Hauptgeschäft -, ist den fünf Hoteldirektoren besonders wichtig. Rudolf August Oetker hatte die familieneigenen Hotels nicht als Gruppe präsentieren wollen. Sein Sohn August Oetker verfolgt einen anderen Ansatz. Er sieht in der Kollektion die Möglichkeit, Synergien zu schöpfen, etwa eine gemeinsame Datenbank und einen gemeinsamen Internetauftritt unter der Adresse www.oetkerhotels.com. Die Klientel der fünf Häuser besteht jeweils zu mehr als der Hälfte aus ausländischen Gästen, Amerikanern, Briten, Russen, Saudis und Reisende aus den Emiraten. Nun soll China ein neuer Markt werden.

          Große Expansionen, was die Zahl der Häuser angeht, sind nicht geplant. Das eine oder andere Objekt könne vielleicht im Lauf der Zeit dazukommen, nicht jedoch in Deutschland wegen der im Vergleich zum Ausland zu geringen Zimmerraten. So liege das Brenner's Parkhotel zwar mit 322 Euro tatsächlich erzieltem Zimmerpreis in Deutschland an erster Stelle, ungleich mehr aber nehmen die Schwestern ein: Dreimal soviel kann zum Beispiel das Eden Roc in Antibes verlangen. Luxus stärkt aber auch die Wirtschaftskraft der einzelnen Standorte. Ein einziges Hotel aus der Oetker-Kollektion beschäftige fünfzigmal mehr Festangestellte als ein Budgethotel, sagt Marrenbach. Tausend Menschen stehen in den fünf Hotelpalästen in Lohn und Brot, viele von ihnen sind schon mehr als fünfzehn Jahre da.

          Ohne Backpulver kein Hotel

          Die Oetker-Kollektion präsentiert sich als eine der wenigen Hotelgesellschaften in Europa, in der alle Häuser im Besitz einer Hand sind und auch von eigenen Angestellten betrieben werden. Ob sie Geld verdienen müssen oder im milden Licht des Mäzenatentums wirtschaften können, ist eine beliebte Frage. Richtig ist: Ohne Backpulver wären die Hotels nicht da - aber die Produkte des Mutterhauses müssen nicht zwangsweise eingesetzt werden. Richtig sei aber auch, betont Frank Marrenbach, daß alle Häuser, schon wegen der unternehmensinternen Etikette, rentabel wirtschaften müssen.

          Das Neue ist des Alten Tod, heißt das Gesetz der Kettenhotellerie. Doch Häuser wie das Adlon in Berlin, das Le Bristol in Paris oder die anderen vier Oetker-Hotels sind für Generationen gebaut, nicht zum Zocken und Weiterverkaufen. Sorgfältig restauriert nach alten Handwerkstugenden und technisch in die Moderne transferiert, überdauern diese wahren Grandhotels Zeiten und Moden: Wer sich im Hotelzimmer wirklich wohl fühlen will, ist in der Klassik noch immer am besten aufgehoben.

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