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Guinea-Bissau : Wir machen den Weg frei

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Die Geister der Insel sind den Besuchern wohlgesinnt: Kinder beim traditionellem Maskentanz Bild: FRanz Lerchenmüller

Auf den Bijagos-Inseln vor Guinea-Bissau versuchen spanische Biologen und ein französischer Hotelier Tourismus, Naturschutz und Fortschritt für die Menschen unter einen Hut zu bringen.

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          Noch einmal spuckt der alte Augusto einen Schluck Schnaps aus der Shampooflasche über den geschmückten Holzpflock und streicht jedem im Kreis mit einer Gerte über den Rücken. Dann holt er das Hühnchen aus dem Korb, klemmt es mit seinen Zehen auf ein Brett und säbelt ihm mit einem nicht allzu scharfen Messer den Kopf ab. Federn fliegen, Sand stiebt, panisch flattert das Tier kreuz und quer und verspritzt sein Blut auf die Beine der Umsitzenden, ehe es wie ein auslaufendes Uhrwerk zu stottern beginnt und endlich zuckend im Staub verendet. Viele Blutspritzer, viel Glück, so deutet Augusto das Ergebnis, von jetzt an sind die Geister der Insel den Besuchern wohlgesinnt. Die Spannung löst sich. Denn auch wenn zwei, drei der Jungs, die im Hotel arbeiten, sich das Lachen kaum verbeißen konnten - die übrigen verfolgten das Geschehen ebenso gebannt wie die Besucher aus Europa.

          "Wir machen den Weg frei" heißt die Zeremonie frei übersetzt. Seit alters werden alle Neuankömmlinge auf Orango damit willkommen geheißen. Auch der Satellitenschüssel auf dem Dach des Orango Parque Hotel wurde diese Ehre kürzlich zuteil. Uralte Traditionen bestimmen noch heute das Leben auf Orango. Die Insel ist eines der siebenundsiebzig Eilande, die das Bijagos-Archipel vor der Küste von Guinea-Bissau bilden. Das westafrikanische Land von der Größe Baden-Württembergs mit seinen eineinhalb Millionen Einwohnern taucht in der Weltpresse - wenn überhaupt - nur mit unrühmlichen Schlagzeilen auf. Es gilt als einer der zehn ärmsten Staaten der Erde. Vor ein paar Monaten wurden Armeechef und Präsident ermordet. Und zu allem Übel eignet es sich aus Sicht kolumbianischer Drogenbosse ideal als Umschlagplatz für ihren Stoff zum Weitertransport nach Europa.

          Disziplin und Humor

          Doch es gibt auch Erfreulicheres zu berichten, zum Beispiel von einem Projekt, das gemeinsam von der Schweizer Mava-Stiftung, der spanischen Entwicklungshilfe und einer spanischen Organisation zum Schutz der Biodiversität finanziert wird. Es soll Naturschutz und Tourismus auf den Inseln unter einen Hut bringen, die der Lebensraum von Salzwasser-Flusspferden, Meereskrokodilen und fast dreihundert Vogelarten sind, darunter Kafferntrappen, Kuckucksweihen und Madeira-Wellenläufer. Seit kurzem gehört auch das Orango Parque Hotel zum Projekt, das einzige auf der Insel. Zwei strohgedeckte, runde Bungalows mit sieben Zimmern stehen direkt am Strand, unter Palmen führen Wege aus Muschelschalen hinauf zum luftigen Restaurant, und die orangefarbenen Blütenkelche des Tulpenbaumes sprenkeln den Boden. Geleitet wird das Hotel von dem Franzosen Laurent Durris, der auf der winzigen Nachbarinsel Keré eine Anlage für Sportfischer betreibt. Der ehemalige Offizier ist hoch geachtet bei den Bijagos. Er wurde offiziell in ihre Gemeinschaft aufgenommen und leitet seine Angestellten mit einer Mischung aus Disziplin und herzlichem Humor.

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