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Tagebuch: Größte Sternwarte der Welt (5) : Ein Wald voller Teleskope

  • -Aktualisiert am

Das Apex Teleskop auf der Chajnantor-Hochebene Bild: ESO, www.eso.org

Apex ist ein experimentelles Teleskop, das bereits erste wissenschaftliche Erkenntnisse liefert - etwa über ein neues Molekül im All. Der Forschungserfolg gibt eine Ahnung davon, was später einmal möglich sein wird.

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          „Das ist jetzt wirklich ein Spaziergang hier“ sagt Jörg Eschwey während er seinen Mitfahrer in dem mit Stahlplatten beschwerten und mit zwei Ersatzreifen ausgerüsteten Toyota-Geländewagen ordentlich durchschüttelt. In Eschweys Bemerkung mischt sich Stolz mit Wehmut. Stolz ist er, denn die überbreite Geröllstraße wurde unter seiner Leitung gebaut. Sie überwindet 2300 Höhenmeter, von der Basisstation bis zum zukünftigen Standort des Acatama Large Millimeter Array (Alma) auf dem Llano de Chajnantor in 5100 Metern über dem Meeresspiegel - und ist dabei an keiner Stelle steiler als neun Prozent. Schließlich sollen hier einmal Speziallaster die tonnenschweren Teleskopantennen für Wartung und Reparatur zur Basisstation bringen.

          Ulf von Rauchhaupt
          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Topographie war für Eschweys Bauingenieure dabei nicht das einzige Problem. „Wir durften nicht sprengen, sondern nur baggern, wegen der Vizcachas“. Diese kleinen Nager, die aussehen wie ein Mix aus Ratte und Kaninchen, sollten nicht von den Hängen des Chajnantor vertrieben werden. Das war eine der vielen Umweltauflagen, welche die chilenische Regierung den Teleskopbauern machte. Eine andere verbot ihnen, auch nur eine der riesigen Kakteen der Art Echinopsis atacamensis zu fällen, die hier oben in einer Zone zwischen 3500 und 3800 Metern Höhe wachsen. „Also mußten die Straße manchmal um einen Kaktus herumbauen“ erinnert sich Eschwey. „Von einer anderen, ebenfalls geschützten Kakteenart mußten wir einige Exemplare versetzen. Nur ein einziges ist uns dabei eingegangen.“ Nun ist die Straße fertig und bringt uns in kaum einer dreiviertel Stunde auf 5100 Metern Höhe. „Früher dauerte das vier oder fünf Stunden“ sagt Eschwey. „Die Pioniertage sind hier endgültig vorbei“. Da war die Wehmut.

          Tägliche Reparatureinsätze

          Doch die Stimmung hellt sich sofort wieder auf, als Apex in Sicht kommt, das Atacama Pathfinder Experiment: Ein Submillimeter-Teleskop, daß äußerlich den Alma-Instrumenten gleicht, die hier einmal einen ganzer Wald von Teleskopen bilden werden. Hell hebt sich die 12 Meter große Schüssel von dem marsianisch anmutenden Rotbraun ab, das die fast völlig vegetationslose Hochebene dominiert. Davor steht ein bärtiger älterer Herr in Bergsteiger-Gurten.

          Wüstenlandschaft: Llano de Chajnantor im Blickfeld
          Wüstenlandschaft: Llano de Chajnantor im Blickfeld : Bild: ESO, www.eso.org

          Juan Fluxá betreut das Instrument als Ingenieur und wollte sich gerade für eine Kletterpartie hinauf zum Sekundärspiegel anseilen, als wir ankamen. Für Fluxá sind solche Einsätze normal. Fast jeden Tag kommt er hier herauf um irgend etwas zu reparieren - allerdings nicht vom Alma-Camp, wo ich übernachtet hatte, sondern von der Apex-Basis Sequitor am Rande von San Pedro de Atatama. Das hat historische Gründe. Obwohl auch Apex von der Eso betreut wird, ist es kein Teil von Alma, sondern ein separates Instrument, das das Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn zusammen mit einer Schwedischen Forschungseinrichtung seit dem Sommer 2005 hier betreibt.

          Apex üppiger ausgestattet als Alma

          Apex ist üppiger ausgestattet, als die Alma-Teleskope, die ja nicht allein, sondern in Zusammenschaltung beobachten werden. Im Moment verfügt Apex über zwei Meßgeräte, die die eingefangene Strahlung nach verschiedenen Gesichtspunkten analysieren, weitere sollen im kommenden Jahr dazukommen. „Einen reibungslosen Beobachtungsbetrieb haben wir aber noch nicht“ verrät mir ein Astronom einige Stunden später und 2700 Höhenmeter tiefer auf der lauschigen Veranda der Station in Sequitor, „Man darf auch nicht vergessen: das hier ist ein experimentelles Teleskop“.

          Lars-Ake Nyman, der schwedische Chef der Apex-Station, den ich am Abend noch treffe, ist trotzdem stolz auf das Gerät. Experiment hin oder her, schon jetzt hat Apex echte wissenschaftliche Erkenntnisse geliefert, darunter die Entdeckung eines neuen Moleküls im All. Sie geben auch eine Ahnung davon, was mit Alma einmal möglich sein wird, dort oben, wo die Luft so dünn und so trocken ist, daß die von den Astronomen so begehrte Submillimeter-Strahlung aus der Tiefe des Alls beobachtet werden kann. Daß die Erfahrungen mit Apex für den Erfolg von Alma nicht ganz unwichtig sind, kann man vielleicht auch daran sehen, daß Lars-Ake Nyman, der Chef der Apex-Basis Sequitor, soeben zum künftigen Leiter der wissenschaftlichen Operationen von Alma ernannt wurde.

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