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Grenada : Das Lächeln der Juney Bernard

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Grenada in seiner ganzen Pracht: Die Gewürzinsel zeigt was sie hat Bild: grenadagrenadines.com

Grenada ist berühmt für seine Muskatnüsse, Vanilleschoten und Nelkenköpfchen. Doch das sind längst nicht alle Attraktionen der kleinen Karibikinsel. Sie bietet vor allem Vorzüge für Besucher, die nicht ausschließlich auf Sonne, Strand und Meer erpicht sind.

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          Big Mama trägt ihren Namen völlig zu Recht. In ein knallrotes, äußerst großzügig geschnittenes Kleid mit grellen Mustern gehüllt, stolziert die füllige Frau über den Marktplatz von St. George's und preist mit pausbäckigem Lächeln ihre Waren an. Von ihrem kräftigen linken Unterarm baumeln ein Dutzend Gewürzketten, während ihre rechte Hand mit Plastiktütchen wedelt, die mit bunten Pulvern gefüllt sind. Als wir ihr Angebot etwas genauer in Augenschein nehmen wollen, reagiert Big Mama fast ein wenig entrüstet.

          Selbstverständlich habe sie die Nelkenköpfchen und Ingwerstückchen, die gefalteten Lorbeerblätter, die Zimt- und Vanilleschoten, die Muskatnüsse und Samenkörner erst vor wenigen Stunden in ihrem kleinen Heimatelier selbst auf ein Stück Zwirn gefädelt. Auch das Tumeric-Puder, die Pfefferkörner und Mazisschnipsel seien, der Frische wegen, erst vor kurzem von ihr eigenhändig eingetütet worden. Ob das stimmt, spielt letztlich keine Rolle. Wichtig ist allein das Aussehen der Ingredienzen. Außerdem kostet jedes Teil nur einen Dollar. Und das breite Grinsen von Big Mama gibt es gratis dazu.

          Eine unbefriedigende Situation

          An Kunden fehlt es den fahrenden Händlern und Budenbesitzern auf dem Markt nicht, seitdem im Hafen der grenadinischen Hauptstadt ein moderner Kreuzfahrtterminal in Betrieb genommen wurde. Täglich gehen dort ein oder zwei, manchmal sogar drei vielstöckige Schiffe vor Anker. Zu Hunderten strömen die Passagiere in die steilen Gassen, um ein paar Stunden lang in Andenkenläden, Supermärkten oder bei Big Mama und ihren geschäftstüchtigen Kollegen ihre Kauflust zu stillen, bevor sie wieder im Bauch der Ozeanriesen verschwinden.

          Bild: F.A.Z.

          Den sechshunderttausend Tagesgästen stehen pro Jahr nur knapp hunderttausend Urlauber gegenüber, die wenigstens für ein paar Nächte auf der Insel bleiben - eine unbefriedigende Situation, finden die Tourismusverantwortlichen. Grenada sei es leid, bloß Ziel von Stippvisiten zu sein. Man wolle nicht länger benachbarten Inseln wie St. Lucia, Barbados, Trinidad und der Isla Margarita die Filetstücke vom lukrativen Karibik-Geschäft überlassen und sich selbst mit den Krümeln des großen Kuchens begnügen müssen. Zumal Grenada trotz seiner bescheidenen Fläche von 344 Quadratkilometern mehr zu bieten hat als die Konkurrenz.

          Diese trumpft natürlich auch mit Palmen, ganzjähriger Blütenpracht, hellen, feinsandigen Stränden und türkisfarbenem Wasser samt Badewannentemperaturen auf. Doch die Gewürzinsel verfügt zusätzlich über Attraktionen, die man anderswo in der Region nicht findet: Regenwälder, Wasserfälle, Wanderwege, etliche historische Denkmäler, exquisites Essen, kaum All-inclusive-Angebote auf Billigniveau - lauter Vorzüge vor allem für Besucher, die nicht ausschließlich auf Sonne, Strand, Meer und jede Menge Rumpunsch erpicht sind. Ein weiterer Vorteil der südlichsten „Insel über dem Wind“ ist die vergleichsweise niedrige Kriminalitätsrate.

          Grenadas Selbstbewusstsein wurde erschüttert

          Vor knapp vier Jahren allerdings wurde Grenadas Selbstbewusstsein von einem traumatischen Ereignis erschüttert, mit dem keiner gerechnet hatte und auf das deswegen auch niemand vorbereitet war: Am 7. September 2004 traf der Wirbelsturm „Ivan“ die Insel mit fürchterlicher Wucht. Zunächst hatte es so ausgesehen, als würde er weiter nördlich nach Westen abbiegen, so wie alle Hurrikane in den vergangenen fünfzig Jahren. Doch dann war klar: Diesmal würde die Insel, obwohl sie offiziell außerhalb des Hurrikan-Gürtels liegt, nicht verschont bleiben. 85 Prozent aller Häuser wurden von „Ivan“ beschädigt oder zerstört, 39 Menschen fanden den Tod, fast ein Jahr dauerte es, bis die Strom- und Wasserversorgung auf der Insel wieder gesichert war. Bei allem Leid hatten die Geschehnisse auch ihr Gutes. Seither wird auf Grenada viel stabiler gebaut; viele Leitungen, Kanäle, Straßen und Brücken, die über Jahrzehnte in marodem Zustand waren, wurden erneuert und den aktuellen Erfordernissen angepasst.

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