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Golfen & Tauchen : Das blaue Mauritius

Traumstrand-Ziel Mauritius Bild: MTPA

Junge Seebären und alte Wracks: Die Insel Mauritius hat eine bewegte Geschichte - und einige dunkle Geheimnisse.

          7 Min.

          Der Tag hatte für Jean Michel Langlois begonnen wie immer. Auf dem Weg zu seiner Tauchschule hatte er sich über die Neubauten in Flacq geärgert, die bis an die Straße reichen und keinerlei Bebauungsplan folgen, die deswegen illegal sind und doch bleiben werden, weil jeder Mauritier mit irgendeinem Politiker verwandt ist. Wie immer hatte Jean Michel Langlois' Mobiltelefon geklingelt, was täglich Hunderte Male vorkommt; die Redseligkeit der Mauritier erlebt durch die Einführung des Mobiltelefons eine neue Blüte. Doch dieser Anruf sollte anders sein.

          Barbara Liepert

          Verantwortlich für das Ressort „Reise“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein Freund bat ihn, sofort vorbeizukommen, ein seltsames Tier liege da am Strand. Was Langlois zwanzig Minuten später am Strand des Luxushotels "Prince Maurice" vorfand, war feucht, tat leblos und erinnerte entfernt an einen überdimensionierten Unterwassermaulwurf. Erst als ein paar Eimer Salzwasser über dem Bündel ausgegossen wurden, bewegte sich etwas. Was sich dort bewegte, sah aus wie ein junger Seebär, aber das war nicht möglich, denn die Südspitze Afrikas ist über zweitausend Kilometer weit weg. War das Tier versehentlich in einem Netz aus antarktischen Gewässern mitgebracht und über Bord geworfen worden? Oder auf einer Eisscholle so weit getrieben? Langlois suchte im Internet nach Antworten, beriet sich mit Ozeanographen und Meeresbiologen. Ein paar Wochen lang flößte er dem kleinen Seebären täglich sechs Kilo Octopus- und Fischbrei ein, suchte Sponsoren und fand jemanden bei South African Airlines, der das Tier nach Südafrika ausflog. "Jetzt", sagt Langlois, "müßte das Tier von East London nach Kapstadt unterwegs sein. Dort wird man weitersehen."

          Kein Auge auf das Meer, sondern auf den Golfball

          Langlois, der Retter des Seebären, steht am Strand von Belle Mare Plage und schaut auf die Wellen, die sich am Riff brechen. "Wir warten noch auf die Italiener, und dann fahren wir raus. Es wird ein guter Tauchgang, keine Sorge." Nachdem auch die italienischen Honeymooner in Neopren gezurrt sind, legt das Boot ab und nimmt Kurs Richtung "La Passe de Belle Mare". Was dann in einer Tiefe von bis zu zwanzig Metern passiert, ist eine Mischung aus Actionfilm und Märchen. Die Strömung spült einen an Riff-Felsen und Korallen entlang; gerade als einige Taucher Gefallen daran gefunden hatten, wie Superman durchs Wasser zu fliegen, hält Langlois an einem Felsvorsprung an. Ganz langsam zeigt er mit der anderen Hand in Richtung des Felsens. Ein paar Trompeten- und Papageienfische treiben vorbei; aber plötzlich schält sich etwas Silbernes, Balkenförmiges aus dem Blau. Ein Barrakuda, fast zwei Meter lang, steht unbewegt in der Strömung. Durch einen Felsspalt betritt ein im edlen Graublau gewandeter Giant King Fish die Szene, die Fremden schweben weiter, vorbei an einem Rochen, der wie ein unordentliches Bettlaken im Sand dümpelt; ein kleiner Riffhai starrt verschlafen ins tiefe Blau seiner Welt.

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