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Golfen & Tauchen : Das blaue Mauritius

Mauritius vermarktet sich seit Jahrzehnten vor allem als exklusives Fünfsterneparadies, ausgelegt auf die Bedürfnisse zahlungskräftiger Reisender - obwohl es auf Mauritius auch Vierzimmerappartements für 60 Euro die Nacht zu mieten gibt. Wenn andererseits Mauritius einen Superlativ im Indischen Ozean hält, dann hinsichtlich der Golfplätze und der Fünfsternehoteldichte. Das hat den positiven Effekt, daß die Hotels in der Regel sehr gut in Schuß sind und der Service hervorragend ist. Großen Wert legen die Hoteliers auf ihre Köche, ihre Suiten und Villen und auf die Spa- und Fitneßbereiche. Für die ereignisreiche Vergangenheit der Insel haben die Touristen leider meist keine Zeit, wie Alain Huron, der Kurator des Blue Penny Museums in der Hauptstadt Port Louis, bedauert. "Die Touristen werfen einen Blick auf unsere Briefmarken, und dann müssen sie schon wieder weiter", sagt er. Und dabei hat sich Huron die allergrößte Mühe gegeben, als er die Sammlung der Mauritius Commercial Bank vor sechs Jahren im Museum installierte. Obwohl sich an dem Tag, als wir das Museum besuchen, dicke Regenwolken über der Insel ergießen und Golf spielen jetzt definitiv keine angenehme Freizeitbeschäftigung sein kann, ist es hier an diesem Nachmittag an der Waterfront erstaunlich ruhig - was man vom gegenüberliegenden Einkaufszentrum nicht behaupten kann.

Zärtlich streicht Huron über die Informationstafeln, die Port Louis im 19. Jahrhundert erklären. Fotolithographien zeigen Straßenzüge, als hätte Baron Haussmann sie entworfen. Es ist das Port Louis, durch das Twain spaziert ist, eine Insel, auf der zwar die Engländer bereits das Sagen hatten, die Menschen aber noch immer französisch sprechen durften. "Man muß sich vorstellen, wie hart und gefährlich einst die Reise nach Mauritius war", sagt Huron und schaut auf die aufwendigen Schiffsmodelle, die über den antiken Karten baumeln. Die Geschichte der Insel ist eine Geschichte von großem Unglück, von großem Untergang. So ist das, was von der auf einer wahren Begebenheit beruhenden Novelle von Paul und Virginie wirklich übriggeblieben ist, das Wrack der "Saint Geran". Mit diesem Schiff ist der Geschichte nach die aus Frankreich zurückkehrende Virginie untergegangen, weil sie sich weigerte, ihren Reifrock zum Schwimmen auszuziehen, woraufhin Paul ebenfalls, an gebrochenem Herzen, verstarb. Den Liebenden ist ein ganzer Saal des Museums gewidmet; die Reste der "Saint Geran" liegen noch immer am Unglücksort - und selbst für Taucher ist das Schiff ein gefährlicher Ort. Zwei Mal im Jahr vielleicht ist das Meer ruhig genug, um dort zu tauchen, und selbst dann sollte man bei jeder Welle die Hände vor dem Körper halten, der Sog zurück ans Riff ist so stark, daß man leicht mit dem Kopf gegen die Felsen geschlagen wird.

Wracks aus „den wüste Zeiten“

Wer etwas über die Vergangenheit der Insel erfahren will, kommt unter Wasser weiter als an Land. Langlois hat vor Jahren mit einem deutschen Wissenschaftler das berühmte Wrack der "Sirius" untersucht; manchmal sind auch Engländer zu Gast im Hotel, die ihn nach der "Sirius" fragen, jenem englischen Kriegsschiff, das 1810 in der Bucht von Mahebourg unterging. Es waren wüste Zeiten damals, besonders um 1789, als etliche Franzosen, denen zu Hause die Guillotine drohte, sich auf die Insel absetzten; die meisten Frankomauritier, zu denen auch Langlois zählt, gäbe es ohne die Französische Revolution überhaupt nicht.

Später dann, als der Regen nachließ, verließen wir das Museum und fuhren zurück zum Strand, wo die Tauchboote ablegen. Über der Bucht hingen die letzten dunklen Wolken und warfen ihre Schatten auf das spiegelglatte Meer. Ein paar Taucher standen am Ufer und betrachteten die Oberfläche einer Welt, in der zwischen Wracks und Felsen viele Geheimnisse lagern, darunter auch die Antwort auf die Frage, wie in aller Welt ein Seebär auf Mauritius landen konnte.

Anreise: Condor fliegt drei Mal in der Woche nach Mauritius; Preis für November: etwa 1000 Euro. Wer bequemer reisen möchte: 590 Euro kostet der Upgrade in die Comfort Class am Check-in, falls Plätze verfügbar sind, www.condor.de, Tel. 0 18 05/76 77 57.

Unterkunft: Fünf Sterne sind auf Mauritius nicht gleich fünf Sterne. Es gibt günstige und weniger günstige Häuser, und neben den Sternen ist vor allem der Preis und das Sportangebot ein Indikator für den gebotenen Standard. Alle großen Reiseveranstalter haben die Insel im Indischen Ozean im Programm. Bei Thomas Cook beispielsweise kosten zwei Wochen im Hotel „Belle Mare Plage“ 2831 Euro mit Flug und HP. 14 Tage im „Touessrok“ kosten 3848 Euro pro Person im DZ. Mehr unter www.thomascook.de oder www.hotelsconstance.com und www.oneandonlytouessrok.com.

Tauchen: Direkt am Strand des Hotels Belle Mare Plage liegt eine der Tauchbasen von Blues Diving; die Tauchgänge werden sehr sorgfältig vorbereitet. Für interessierte Gäste organisiert Jean Michel Langlois Tauchsafaris im Norden der Insel oder Wracktauchgänge. Ein Tauchgang kostet 50 Euro; weitere Informationen unter www.bluesdiving.net oder www. bellemareplagehotel.com oder www.princemaurice. com, Tel. 0 61 96/77 73 80.

Unterwasserboot: Wer keinen Tauchschein hat und trotzdem sehen will, wie es dreißig Meter unter der Wasseroberfläche aussieht, kann in ein echtes U-Boot (das einzige touristisch genutzte im Indischen Ozean) steigen und für umgerechnet 80 Euro abtauchen, www.blue-safari.com.

Blue Penny Museum: Das private Museum beherbergt eine der vier ungestempelten indigoblauen Zwei-Penny-Briefmarken, die es noch gibt, www.bluepennymuseum.com.

Weitere Informationen www.mauritius.net.

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