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Golfen & Tauchen : Das blaue Mauritius

Edelhölzer, Zuckerrohr und Dodos

Natur wird auf Mauritius gerne als heiteres Erlebnispaket mit Ungefährlichkeitszertifikat verkauft. Wenn man durch die Hügel des privat geführten Naturparks "Etoile" streift, wird man den Eindruck nicht los, über ein Filmset zu wandern. Wer aufregende Landschaften im Indischen Ozean sucht, fliegt nach Reunion, wer einsame Strände sucht, schaut sich besser die Seychellen an, und die Fische sind auf den Malediven sowieso bunter. Aber Mauritius ist zweifelsohne die am besten vermarktetste Insel des Indischen Ozeans. Erstaunlich, wenn man bedenkt, daß schon die ersten Gäste aus Europa, die Holländer, die Tropeninsel im 17. Jahrhundert gründlich ruiniert haben.

Als sie die Insel verließen, waren die Edelhölzer bereits abtransportiert und der Dodo ausgestorben. Franzosen und Engländer pflanzten Zuckerrohr, weshalb die Insel dort, wo kein Golfplatz angelegt wurde, immer noch aussieht wie eine riesengroße Plantage.

Der Mythos Mauritius

Wahrscheinlich sind zwei Schriftsteller schuld am Mythos Mauritius: der eine, Bernardin de Saint-Pierre, schrieb die rührselige Geschichte zweier Naturkinder, die sich trotz aller gesellschaftlichen Widerstände lieben, eine Novelle, die als Plädoyer für die Abschaffung der Sklaverei und gleichsam als tränenselige Tragödie berühmt wurde. Der andere, Mark Twain, verstieg sich zu der Theorie, Gott habe zuerst Mauritius erschaffen und dann das Paradies nach diesem Vorbild. Weswegen vor allem er schuld ist, daß heute der eine oder andere Besucher enttäuscht durch das spaziert, was aus diesem Paradies geworden ist, vorbei an Strip Malls, wildwuchernden Neubauruinen und den Outletstores von Grand Baie, die vollgestopft sind mit Cerruti-Fakes und schlechten Boss-Kopien. Twain hat die Meßlatte für Tourismusmanager ordentlich hoch gehängt: Gebetsmühlenartig wird betont, daß keine Charterairlines, denn das ist ja ein Zeichen von Massentourismus, auf der Insel landen dürfen. Allerdings fliegen Condor (aber das ist ein Tochterunternehmen der Lufthansa) und LTU (allerdings als Codeshare-Partner der staatlichen Air Mauritius) ganz selbstverständlich auf die Insel. Genauso stolz wird betont, wie sicher Mauritius sei. Keinerlei giftiges Getier sei zu fürchten. Daran, daß vor zwei Jahren eine Deutsche, nachdem sie am Strand auf einen Steinfisch getreten ist, starb, erinnern sich nur noch ein paar Leute im Tourismusgeschäft. "Heißes Wasser drüber. Ein Steinfischstich muß nicht tödlich sein", sagt Langlois, der den Fisch aus der Tiefe gut kennt. "Man sollte aber schnell ins nächste Dorf fahren, die Fischer wissen, wie man mit so was umgeht."

Auch im Krankenhaus gibt es ein Gegengift. Über Steinfische redet man auf Mauritius nicht gern, denn es passiert höchst selten, daß sie bis auf die Steine am Strand gespült werden. Im "Touessrok" werden die Gäste lediglich gebeten, mit Badeschuhen zu plantschen, denn auch Seeigel fühlen sich in den feinsandigen Buchten des Luxusressorts sehr wohl.

Exklusives Fünfsterneparadies

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