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Golfen & Tauchen : Das blaue Mauritius

Impression in Blau
Impression in Blau : Bild: MTPA

Zurück am Strand des Hotels "Belle Mare Plage" haben sich die letzten Paare vom Frühstücksrestaurant auf die Strandliegen verlegt. Daß das 234-Zimmer-Hotel ausgebucht ist, sieht man nicht, was unter anderem an den 36 Löchern hinter dem Hotel liegt. Es gibt Gäste, die offenbar keine Augen für das Meer haben; hektisch hampeln sie schon früh vor der Auffahrt herum, rufen nach Taxis, als könnte der gute Golfrasen davonlaufen, wenn man nicht schnell genug auf ihn tritt. Das Publikum ist jetzt, Anfang Oktober, meist jung. Man sieht den Gästen an, daß sie von der Insel lange geträumt haben, daß sie gespart haben, manche haben bis nach der Hochzeit gewartet, andere sind nur deswegen hierhergekommen. Englische Reisezeitschriften warben den Sommer über mit Slogans wie: "Stay two weeks in paradise and pay only one week." Die Gäste wirken zufrieden, auch wenn es zu dieser Jahreszeit manchmal regnet, was die Preise mehr senkt als die Laune. In wenigen Wochen wird hier die Sonne öfter scheinen, aber dann werden die geschmackvollen Villen 1500 Euro pro Nacht kosten. Im Dezember und Januar fliegen die liebsten Gäste ein, die Stammgäste, im Verkaufsdeutsch "Repeater" genannt.

Hoffen auf die Russendollars

Einige Kilometer südlich der Ostküste wandelt wie ein Vorbote der luxuriösen Monate im Hotel "Touessrok" eine große Frau mit Cindy-Crawford-Körper und Paul-Ropp-Tunika durch die Marmorlobby und gibt eine Vorahnung davon, was hier in ein paar Wochen von den High-Heels herunterstrahlt. Wenn erst die Russendollar wieder durchs Hotel gespült werden, wirken Strandtuch-Preise von 485 Dollar in der Hotelboutique nicht mehr unanständig. Früher kam Prinzessin Stefanie von Monaco öfter ins "Touessrok", eine Zeitlang war auch eine Suite nach ihr benannt, aber angesichts ihrer wechselnden Herrenbekanntschaften fiel der Name den jüngsten Renovierungsmaßnahmen an der Suite zum Opfer. Viel lieber erzählen die Hotelangestellten von Gästen wie Alexander McQueen, Elton John, Prinz William oder Roger Federer, und auch über Prinz Albert wisse man das eine oder andere. Erzählen könne man das aber nicht, was der da im Jakuzi veranstaltet hat, sagt ein Hotelangestellter und kichert verschwiegen.

Weil man aber auch im "Touessrok" nicht den ganzen Tag nur Kleidchen spazierentragen kann, hat die Hotelgruppe die benachbarte Ile aux Cerfs mit einem von Bernhard Langer entworfenen Golfplatz überzogen. Noch vor ein paar Jahren liefen die Mauritier gegen das Projekt Sturm, weil es die Mangroveninsel, das beliebte Naherholungsziel, zu ruinieren drohte. "Bei uns wird nur mit organischen Düngern gearbeitet", erklärt David Marsh, der Manager des 18-Loch-Platzes, entnervt. Daß die Insel zum Spielplatz reicher Ausländer umoperiert worden ist, mußte die Bevölkerung hinnehmen; vertreiben lassen hat sie sich allerdings nicht: Da die Strände auf Mauritius der Erholung aller dienen, hängen hier im Schatten der Palmen zauselige Hindu-Hippster mit Gettoblaster ab, während auf dem Grün dahinter ein paar elegante Damen um einen Ball tänzeln. Ganz unter sich sind die Gäste des "Touessrok" dafür auf dem hoteleigenen Ilot Mangenie, einer perfekten Robinsoninsel mit Sandstrand und Champagnerbar - und die Kellner hören tatsächlich auf die Namen Freitag und Robinson.

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