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Gnadenlos günstig (4): Seychellen : Heute isst der Mensch den Hai

Fast zu schön, um wahr zu sein: ein Luxushotel auf der Seychellen-Insel Desroches. Bild: picture-alliance/ dpa

Die Seychellen galten lange als eines der teuersten Reiseziele der Welt. Dann traf sie die große Krise mit voller Wucht. Ihre Währung verlor dreiundvierzig Prozent ihres Wertes, mehr als die jedes anderen Lands der Erde. Also nichts wie hin.

          Die Mission klingt unmöglich: auf dem Sechssternesuperreichensehnsuchtsarchipel der Seychellen, auf dem neulich die sterbensschöne Salma Hayek mit ihrem französischen Milliardärsbräutigam unterm Honigmond saß, eine Woche Urlaub zu machen und nicht die üblichen tausend Euro pro Nacht auszugeben, sondern hundert - pro Tag und Nacht, also für Essen, Trinken, Schlafen. Und Spaß sollen wir dabei auch noch haben. Es gibt schwierige Missionen. Unmögliche gibt es nicht.

          Jakob Strobel y Serra

          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Mahé, 27 mal 8 Kilometer

          Das gottgewollte Leben im Schweiße seines Angesichts gelingt auf Mahé auch dem größten Phlegmatiker vor dem Herrn. Davon gibt es auf der Hauptinsel der Seychellen eine ganze Menge, vor allem Männer, die überall auf Baumstämmen und Plastikstühlen herumsitzen und nicht faul, sondern schlau sind, weil das Nichtstun unter der Hitze des Äquators die angemessenste Lebensform ist. Das ist ansteckend, und so legen auch wir sofort nach dem Verlassen des Flugzeugs eine Vollbremsung aus der abendländischen Daseinshochgeschwindigkeit hin, lassen die Trägheit der Tropen von uns Besitz ergreifen, spüren am Sandstrand die Sehnsucht nach der Sehnsuchtslosigkeit in uns aufsteigen und unterwerfen uns der süßen Monotonie der Seychellen. Denn hier machen alle immer dasselbe: Die Sonne scheint fast unentwegt, das Meer pendelt ohne Hast zwischen Ebbe und Flut, die Temperatur liegt permanent bei sechsundzwanzig bis neunundzwanzig Grad, die Politik wird seit der Gründung des Staates von immer derselben Partei beherrscht. Und die Natur ist seit Erschaffung der Welt so großartig, dass einem die Tränen der Rührung kommen wollen, um sich mit den Schweißperlen zu einem Tänzchen auf der Wange zu vereinen.

          Die Natur spielt Bildhauer: Geschliffene Granitfelsen auf den Seychellen.

          Jedes Klischee von der Schönheit der Seychellen ist eine perfide Untertreibung. Mahé ragt als riesenhafte granitene Schwanzflosse aus dem Indischen Ozean, grau wie die Haut eines Wals, grün übergossen von einem tropischen Füllhorn mit Bougainvilleen, Frangipani, Orchideen, Hyazinthen, Himmelsblumen, Quallenbäumen, duftend nach Jasmin und Vanille, bevölkert nur von freundlichen Lebewesen, die dem Menschen nichts Böses tun. Es gibt keine Giftschlangen, keine Skorpione, keine Vogelspinnen, stattdessen nur lustige Vögel wie den Dickschnabelbülbül oder die Warzenfruchttaube, die so unentwegt in den Wäldern schnattern, dass man sich fragt, was sie denn so Wichtiges zu besprechen haben. Wie Sturzbäche aus Chlorophyll prasseln diese Wälder von den Bergen zur Küste herunter, um dann kurz vor dem Wasser von Granitbrocken aufgehalten zu werden, die sich schützend um winzige, wundersam einsame Strände mit einem Sand, so fein und golden wie Maismehl, legen. Gerade einmal zwei verliebte Menschen haben in diesen Miniaturbuchten Platz, und es gibt so viele davon, dass man glaubt, auf der ganzen Welt gebe es nicht genug Liebe, um sie alle zu füllen.

          Großes Unglück - kein Problem

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