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Frankreich : Heimeligkeit nach Hongkong-Art

  • -Aktualisiert am

Links der Beachclub, rechts das Hotel Bild: Brigitte Scherer

Das Märchen vom Dornröschen, das nach langem Schlaf doch noch von einem verliebten Prinzen wachgeküßt wird, findet in der Hotellerie immer wieder sein Happy-End - auch im Fall der vergessenen Grandhotelschönheit Le Beauvallon in der Bucht von St. Tropez.

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          Das Märchen vom Dornröschen, das nach langem Schlaf dann doch noch von einem verliebten Prinzen wachgeküßt wird, findet in der Hotellerie immer wieder sein Happy-End.

          Im Fall der vergessenen Grandhotelschönheit Le Beauvallon in der Bucht direkt gegenüber von Saint-Tropez war es im Jahr 1997 der Hongkonger Immobilienentwickler Hwang, der das nach dem ersten Golfkrieg geschlossene Haus dem amerikanischen Unterhaltungskonzern Disney abkaufte, in dessen Besitz es zu dieser Zeit war. Denn der Ferienclub, zu dem das alte Grandhotel umgestaltet werden sollte, wurde nie eröffnet. Nun nennt sich das Le Beauvallon das am besten gehütete Geheimnis der Cote d'Azur, und da ist etwas dran.

          Kümmern sich um jedes Detail

          Daß Herr und Frau Hwang in dem terracottaroten und cremefarbenen Belle-Epoque-Palast in einem weitläufigen Garten, von dem ein Tunnel unter dem Dauerstau der Uferstraße zu einem eigenen Strand führt, nicht nur aus wirtschaftlichen Erwägungen kauften, sieht der Hotelgast auf Schritt und Tritt. Das Hotel ist ihnen Herzenssache und auch ein "Showcase", in das sie ihre Kunden einladen, potentielle Investoren für die neuen Stadtteile, welche die Firma Hwang in London und Hongkong errichtet. Jedenfalls kümmern sich die Hwangs bis zu den niedlichen Schmuckaufbewahrungskästchen im China-Design auf dem Nachttisch um jedes Detail und scheuen dabei weder Mühe noch Kosten.

          Vor allem Frau Hwang lege größten Wert auf eine heimelige Atmosphäre, sagt Hoteldirektor Olivier Gagnere. Das auf Holzpfählen im flachen Wasser stehende Restaurant des Beachclubs, an dessen Teakholztischen man sich vorkommt wie in einem Overwater-Bungalow in der Südsee, wird gar jedes im Frühjahr auf- und im Herbst wieder abgebaut - mitsamt allen Balken und Bohlen, Sesseln und Tischen. Und um den Pool mit den Mosaikeinlegearbeiten stehen nicht etwa Sonnenschirme wie in anderen Hotels, sondern üppige weiße Zelte mit dunkelrot gepaspelten Schabracken, Quasten und Vorhängen, in deren Schatten man auf dickgepolsterten Matratzen wie ein Pascha ruht.

          Das Prinzip Feng Shui

          Auch die Wege und Zufahrten im Park nahmen die neuen Besitzer nicht hin, wie sie waren, sondern änderten ihren Verlauf nach Feng-Shui-Prinzipien. Die Wände des Salons wurden nach dem Geschmack der neuen Besitzer nun jadegrün, und im chinalackroten Restaurant blicken kunstreiche Statuen aus Leder, die mythische chinesische Helden darstellen, auf die französisch-asiatisch inspirierte Haute Cuisine auf den mit feinstem Leinen gedeckten Tischen.

          Was auf das französische Porzellan an Speisen gelangt, entspricht der Erwartung nach Klasse - von den Himbeer-Nuß-Aromen zum Meerbarben-Filet bis zu Blumenkohlsorbet, Sellerie-Emulsion und Tintenfisch-Tinte zum Bouquet junger Gemüse. Der Preis für das Menü im Gourmetrestaurant fällt im Vergleich zu den Tellergerichten im Beachclub sehr moderat aus. Und wie von einem Restaurantchef erhofft, der im Winter, wenn das Hotel geschlossen ist, im feinen Queens Room der "Queen Mary 2" arbeitet, präsentiert sich der Service beim Dinner tadellos und herzlich.

          Mit dem größten Sandstrand der ganzen Gegend

          Glanzstück des Hotels aber ist der Beachclub mit dem größten hoteleigenen Sandstrand der ganzen Gegend. Hier sitzt man im Sommer im Pfahlrestaurant in der leichten Seebrise, nippt an einem Daiquiri und verspeist zu einem traumhaften Blick auf die Bucht von Saint-Tropez teure Thai-Gerichte, während unter den Füßen leise das Wasser schwappt und "Silversea" und das Clubmed-Schiff dem Sonnenuntergang entgegensegeln.

          Manchmal sitzt Königin Silvia von Schweden mit ihrer Familie am Nachbartisch, sie habe ein Ferienhaus hier in der Nähe, sagen die anderen Gäste. Am Beachclub befindet sich auch die Anlegestelle für den Shuttle zum Hafen von Saint-Tropez. Wer im Beauvallon wohnt, wird im hoteleigenen Boot in einem mitunter wilden, acht Minuten dauernden Ritt von sportlichen Studenten im Ferienjob quer über die Bucht dorthin gebracht. Das ist in Hochsaisonzeiten ein mehr als königliches Privileg. Mit dem Auto über die verstopfte Uferstraße dauert der gleiche Weg Stunden, und einen Parkplatz findet man sowieso kaum.

          Gerüchte um Scott Fitzgerald

          Das war völlig anders, als Monsieur Emile Bernheim, ein geachteteter Geschäftsmann aus Paris, beeindruckt von der Schönheit der unverdorbenen Landschaft, 1911 seinen Architektenfreund Flegenheimer bat, hier ein Palasthotel zu errichten wie die in Cannes und Nizza. Zwei Jahre später war das Beauvallon in seiner heutigen Gestalt fertig. Aber erst nach dem Ersten Weltkrieg und dem Bau eines Golfplatzes konnte das Haus sein ursprüngliches Geschäft aufnehmen. Künstler und Schriftsteller, Neureiche und Sänger verbrachten die Ferien hier, und noch immer geht das Gerücht, Scott Fitzgeralds Erzählung "Tender is the Night" sei hier ersonnen worden.

          Im Zweiten Weltkrieg wurde das Hotel Militärkrankenhaus wie schon im Ersten, und bevor die Amerikaner 1944 an der französischen Küste landeten, war es nacheinander von französischen, italienischen und dann deutschen Truppen okkupiert worden. Nach dem Krieg mußte das Haus von neuem für viel Geld renoviert werden, wieder traf sich hier im Sommer die elegante Welt, Lady Churchill, Michele Morgan, die Kennedy-Familie, bis das Hotel unter wechselnden Besitzern an Glanz verlor und in die Vergessenheit abglitt. So entdeckte es die Familie Hwang. Seitdem präsentiert sich das Le Beauvallon, weitgehend harmonisch, als französisch-chinesisches Crossover-Grandhotel. Nur an die Sträuße mit künstlichen Blumen draußen auf der Terrasse, mitten im Sommer Südfrankreichs, will sich das europäische Auge ganz und gar nicht gewöhnen.

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