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Frankreich : Das Lächeln der glücklichen Kuh

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Reden wir erst einmal nicht vom Wetter, schwärmen wir lieber vom Essen. Wir befinden uns in der Normandie, dort, wo sie am stürmischsten ist an manchen Wintertagen, aber auch am lieblichsten, wenn im November milde Südwestwinde wehen.

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          Reden wir erst einmal nicht vom Wetter, schwärmen wir lieber vom Essen. Wir befinden uns in der Normandie, dort, wo sie am stürmischsten ist an manchen Wintertagen, aber auch am lieblichsten, wenn im November milde Südwestwinde den Strandhafer fächeln und die Cox-Orange-Äpfel in den grünen Wiesen leuchten. Das ist die Manche, dieser sandige Streifen Dünenland am Ärmelkanal zwischen dem Mont Saint-Michel im Süden und Cherbourg, dem idyllischen Hafen, im Norden. Mittendrin liegt Montmartin-sur-Mer, erbaut aus hartem Granit, ein Fünfhundert-Seelen-Ort voller kantiger Bauern und Fischer, denen der Golfstrom die feinsten Delikatessen serviert.

          Am Dorfplatz, gleich neben der wuchtigenWehrkirche, steht täglich Pascal Leblond in seinem Laden, der Metzger. Ein Bild satten Lebens ist er, sein Antlitz ein rotes Warnlicht für jene, die "creme fraiche" für Magerjoghurt halten, ein Graus und Albtraum der Kardiologen. Aber wie sollten Normannen imstande sein, die besten Miesmuscheln der Welt, das zarteste Rindfleisch weit und breit, ja überhaupt eine Speise ohne ihre Creme zu essen? Und wie sollten sie die schweren Entrees,die Hauptgerichte und Desserts überstehen, ohne sich Erleichterung zu verschaffen? Die Bewohner der griechischen Insel Kreta, den Nordmännern in vielerlei Hinsichtverblüffend ähnlich, stachen sich früher mit Messern in die Arme, wenn seelische und körperliche Last zu schwer wurden. Hier in der Manche fürchtet der Mensch von jeher zwischen den Gängen das "trou normand", das normannische Loch, in das zu stürzen jedem droht, der es nicht schnell mit einem Glas Apfelschnaps füllt.

          Der Metzger wetzt das Messer

          Die Weiden, auf denen das ganze Jahr über die rotbunten Rinder grasen, bieten nicht nur Futter für das liebe Vieh. Eingefaßt von romantischen Mauern aus gebrochenem Stein, gesäumt von Wäldchen und uralten Eichenbeständen, sind sie das Jagdgebiet der Falken, Bussarde und Milane. In Brombeerbüschen und im Hagebuttendickicht verbergen Zaunkönige und Grasmücken ihre Brut. Doch niemand anderes als die "vache normande", die weltweit bekannte, lächelnde Kuh, kann das Wahrzeichen dieser noch weitgehend unverdorbenen Natur sein, dieses grünen, eichenbestandenen, platten Landes mit seinen Dünen, Stränden und salzigen Marschen.

          Fast herrschte Friede auf Äckern und Fluren.Bis dann schließlich doch der Schlachter kommt. Leblond, der Mann mit den Messern, wählt sich seine Opfer in diesem Idyll aus. Darauf ist er stolz, und sollte es eines Tages anders kommen - weil Verordnungen ja immer die Falschen treffen -, dann gäbe er es drein, dessen jedenfalls ist er sich sicher. Die friedlichen Kälber, Rinder, Kühe und Lämmer, jedes Tier ist am Ende doch nur ein Produkt. "Es ist Qualität", sagt Mireille, des Metzgers Ehefrau, mit wissendem Lächeln. Auf dampfenden Blechen stellt sie im Laden ihre Kochkunst aus. Wer nicht selber kochen will, bekommt bei ihr fast alles, was das Herz begehrt. Fürdie anderen, die lieber aus der eigenen Pfanne genießen, hält Mireille im bauchigen Kühlschrank die Sahne bereit. Leblonds "creme" hat die Konsistenz von Wagenschmiere und die Farbe reinen Elfenbeins - mit dem Löffel aus dem Eimer probiert, weiß Gott, da schmeckt sie zum Fürchten gut.

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