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Florida : „Conch Republic“: Eine Insel voller Narren

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Benannt wurde das neue Land nach der großen heimischen Schneckenmuschel, der Conch, "Konk" gesprochen. So nennen sich auch jene Menschen, die auf der langen, schmalen Inselgruppe zwischen dem Golf von Mexiko und dem Atlantik geboren wurden. Zugezogene können sich hocharbeiten: Nach sieben Jahren darf man sich immerhin "Freshwater Conch" nennen. Die Bürgermeister der Key Islands dürfen außerdem den Titel "Honorary Conch" verleihen, an jene, die sich besonders verdient gemacht haben. Sir Peter, natürlich, hat diesen Titel, das Zertifikat hängt gerahmt über seinem Schreibtisch.

Es ist kein Zufall, dass der Protest ausgerechnet in Key West begann: Die Stadt pflegt ihr Image als liberalster Ort der Vereinigten Staaten und zieht Aussteiger und Querdenker an. Es gibt eine große und sehr aktive Schwulenszene, jeder Vierte gehört dazu. Fahrräder sind hier keine exotischen Sportgeräte, sondern bequeme Fortbewegungsmittel. Anzüge, Krawatten oder Kostüme trägt keiner, der Alltag funktioniert ganzjährig in Badekleidung. Menschen mit liberaler Gesinnung treibt aber nicht nur das ewige Feriengefühl in die Stadt, sondern ihre Lage: Hier liegt Havanna näher als Miami, die Karibik näher als George W. Bush.

Das Versteck ist berühmt geworden

In Key West leben etwa 28 000 Menschen, und zu bestimmten Zeiten im Jahr wächst die Zahl auf das Dreifache: zum Unterwasser-Phantasy-Festival im Herbst, oder im Juli während der Hemingway-Tage, wenn Ströme von Touristen durch das frühere Wohnhaus des Schriftstellers pilgern und man an jeder Ecke weißbärtige Männer trifft, die am Hemingway-Look-alike-Contest teilnehmen.

So wie Hemingways Jahre in Key West vermarktet werden, wirbt die Stadt auch mit ihrem exzentrischen Image - in jedem Museumsshop liegt das Buch: "Quit your job and move to Key West", eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Neuanfang in der "kleinsten Metropole der Welt". Und auch die Conch Republic ist zum Markenzeichen geworden. Ein Laden in der Hauptstraße, der Duval Street, verkauft ausschließlich Scheinstaat-Souvenirs, Eierbecher, Flaggen und Salzstreuer. Ein Geheimtipp ist Key West seit den sechziger Jahren nicht mehr. Die Immobilienpreise sind gigantisch, das Versteck ist berühmt.

Die besseren Amerikaner

Sir Peter erzählt von Taxifahrern, die früher in der Führungsetage von IBM saßen, und Kellnern, die mal Anwälte waren. "Wir sind die überqualifizierteste Nation der Welt", sagt er. Er selbst kam mit Mitte dreißig, nach vielen Reisen und zwei Versuchen, "die Welt zu retten". Die Conch Republic schien auf ihn gewartet zu haben, umgekehrt genauso. Der Schelmenstaat ist zu seiner Mission geworden: Er ist nicht nur seit 17 Jahren Generalsekretär, Meldestelle und Passfoto-Fotograf in einem, sondern auch Botschafter, PR-Abteilung und Veranstaltungsmanager für "special events".

Unter "special events" fallen Aktionen in der Gründungstradition, die Sir Peter als Beweis nimmt, "dass wir die besseren Amerikaner sind. Weil wir keine Angst haben, gegen die Regierung zu protestieren, der die Macht zu Kopf gestiegen ist." 1995 zum Beispiel, als die US Army Truppenübungen auf Key West ankündigte. Die Conch Republic schrieb Protestbriefe an das Pentagon und das Außenministerium, die "Munitionsfabriken", die Bäckereien, produzierten Berge von Broten. Die Army lenkte ein: Sie habe nie die Souveränität der Republik anfechten wollen.

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