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Film-Schauplätze : Reisebüro Bond

  • Aktualisiert am

Reisende, die auf den Spuren von James Bond Urlaub machen wollen, könnten enttäuscht werden. Denn die Schauplätze sind selten, was sie vorgeben zu sein. Eine Entzauberung.

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          Es soll ja noch immer bild- und buchstabengläubige Reisende geben, die am Urlaubsort zu finden hoffen, was sie in den Prospekten gesehen haben. Natürlich ist der Strand nie so weiß, das Meer nie so blau, der Martini ist auch nicht geschüttelt, sondern bloß gerührt, und von Bikinischönheiten keine Spur. Man hat sich daran gewöhnt. Wer allerdings auf den Spuren von James Bond Urlaub machen will, wer erleben möchte, wo der Agent Ihrer Majestät geruht, geflirtet und nebenbei auch noch die Welt gerettet hat, der könnte vor lauter Enttäuschung sogar auf den Gedanken kommen, den Reiseveranstalter wegen Vortäuschung falscher Tatsachen zu verklagen. In den mittlerweile einundzwanzig Filmen der Serie ist ein Ort selten, was er vorgibt, und wenn Bond sich dort vergnügt hat, bleiben oft nur Trümmer. „Die Welt ist nicht genug“, sagt der Titel eines Bond-Films ganz freimütig.

          Früher war das Reisebüro Bond bescheidener. Da war Jamaika noch Jamaika, und die Bahamas waren tatsächlich die Bahamas. Die Welt war noch groß, auf der Karte des globalen Tourismus gab es viele weiße Flecken, und niemand wäre auf den Gedanken gekommen, den Dienstreiserouten des Agenten zu folgen. Inzwischen haben die Filme, wie auf einer Weltkarte in der Internet-Enzyklopädie „Wikipedia“ anschaulich wird, mehr als die Hälfte der Welt in Schauplätze verwandelt, und die Tourismusindustrie ist ihnen gefolgt. Wo gestern Bond war, sonnen sich heute Pauschalreisende.

          Kein Casino-Hotel in Montenegro

          Auch in „Casino Royale“, dem neuesten Bond-Film, der diese Woche in die Kinos kommt, dürfen die Bahamas zwar noch ein bißchen Bahamas sein, sie müssen aber auch Madagaskar doubeln, und Prag-Besucher werden annehmen müssen, sie seien beim letzten Mal aus Versehen auf dem Miami International Airport gelandet. Und wer nach Ansicht von „Casino Royale“ neugierig auf den jungen Staat Montenegro geworden ist, wird sich am Ort im falschen Film glauben. Wo sind die schönen, dichten Wälder und sattgrünen Wiesen geblieben, die beim Landeanflug lockten? Wo ist das Hotel Splendide, das einen sehr ordentlichen Eindruck machte, wo das Casino, in dem Bond den Krieg gegen den Terror am Pokertisch führt?

          Casino Royale : James-Bond-Premiere in London

          Das Hotel heißt „Pupp“ und steht in Karlsbad, als Casino-Eingang diente das „Lazne“, ein ungenutztes Heilbad, und die wenig befahrene Straße, ideal für Autos mit guter Kurvenlage, ja, die liegt nun leider in der Schweiz, dort übrigens, wo 1969 der Bond-Film „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ mit dem glücklosen George Lazenby gedreht wurde. Auch Abenteuerlustige, die sich nach „Stirb an einem anderen Tag“ unwiderstehlich von Nordkorea angezogen fühlten, weil die Brandung ein Paradies für Surfer versprach, konnten gleich umbuchen. Die Küstenlinie fand sich in Schottland, die Wellen türmten sich vor Hawaii, den Rest besorgte die digitale Technik.

          Palazzo versinkt in den Pinewood-Studios

          Nicht einmal Venedig darf heute mehr ganz Venedig sein. Zwar erhielt das Team für „Casino Royale“ die Genehmigung, mit einer schweren Jacht den Canal Grande zu befahren, doch der Palazzo, der so eindrucksvoll in den Fluten versinkt, wurde in den britischen Pinewood-Studios aufgebaut. Niemand sollte sich jedoch davon entmutigen lassen: Man kann schließlich immer noch nach Las Vegas fahren, da sind Paris, Venedig und die Sphinx von Gizeh auf ein paar Quadratkilometern komprimiert, und wenn auch James Bond noch nie in der Wüste Nevadas war, dann reist man hier doch von Stadt zu Stadt im selben Tempo wie 007 im Kino. Und vielleicht haben ja die kleinen Territorialverschiebungen auch belebende Auswirkungen auf die Tourismusindustrie. Womöglich baut man in Montenegro demnächst ein Grandhotel mit angeschlossener Spielbank, damit der nächste Bond sein Monte Carlo hat.

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