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Ferieninsel Langkawi : Begegnungen auf dem Planeten Urlaub

Ja, so kitschig sind die Sonnenuntergänge auf Langkawi tatsächlich: Boote am Strand von Pantai Kok. Bild: Justin Foulkes/SIME/Schapowalow

Hier kommt zusammen, wer sonst nicht zusammen wohnt: Langkawi in Malaysia lullt sie alle ein. Dass die Insel jedes Jahr mehr Gäste lockt, hat einen Grund: Sie ist eine Art großer Duty-free-Shop.

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          Das wäre jetzt wohl der richtige Moment, um Postkarten zu schreiben. Wäre es nicht viel verlockender, einfach nichts zu tun. Nichts, als am Strand mit den Palmen zu liegen und dem jadegrünen Meer dabei zuzuschauen, wie es träge an den Strand schmatzt. Fast schon Anstrengung zu viel, den Blick auf die Inseln weiter draußen zu heben. Sie sehen aus, wie aus einem Captain-Cook-Film geschnitten. Neun Uhr morgens, 30 Grad, Langkawi dampft unter einem milchigen Himmel. Kaum ein Mensch am Wasser, noch, nur in den Mangroven kreischt ein fremder Vogel.

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

          Es ist noch nicht lange her, da kamen Fremde auf Langkawi, um genau das zu tun: nichts. Mehr, als sich Tropenträumen hinzugeben, gab es ohnehin nicht zu tun auf der Hauptinsel des gleichnamigen Archipels in Malaysias Nordwesten. Damals schleppten sich die Warane noch ungestört über mal matschige, mal staubige Straßen zwischen Gummibäumen, Reisfeldern und Regenwald, der immerhin zwei Drittel der Insel bedeckt. Kaum ein Hotel gab es, die Menschen bauten Reis an, fingen Fisch oder arbeiteten in der Zementfabrik. Und sie erzählten einander ein Märchen: von einer Prinzessin, die Langkawi verflucht habe. Deshalb spiele das Leben anderswo.

          Und dann kam Doktor M.

          Nur Doktor M. wollte nicht daran glauben. So nennen hier alle den Mann, der einst als Kinderarzt über die Insel radelte und heute von Bussen und Plakaten lächelt. Dabei ist Doktor Mahathir längst nicht mehr Premierminister des Landes. Er war es lange genug, um diese halbvergessene Kalksteininsel, halb so groß wie Rügen, in ein Ferienparadies zu verwandeln. Oder das, was jedes Jahr mehr Besucher dafür halten. Und das dank eines einfachen Zaubertricks: Die Insel wurde zu einer Art großem Duty-free-Shop erklärt, einer Freihandelszone, in der man keine Mehrwertsteuer zahlt - und plötzlich fuhren alle hin.

          Über drei Millionen Besucher kamen 2012 nach Langkawi, fast doppelt so viele wie vor sechs Jahren, Tendenz steigend, und sie lassen sich ihren Urlaub etwas kosten. Die Malaysier lieben die Ferieninsel, aber auch Inder, Russen, Chinesen, Koreaner, Araber, Australier, Engländer und Deutsche. Vorbei die Zeiten, in denen der schwarze Strand an der Nordküste die extravaganteste Sehenswürdigkeit war - es heißt, man habe früher mal Asphalt untergemischt, damit die Farbe satter wird. Seit der Jahrtausendwende und erst recht seit die Tsunami-Schäden von 2004 repariert sind, wachsen immer neue Hotels und Attraktionen aus dem Boden: Shopping-Malls, eine Go-Kart-Bahn, Krokodilfarmen, ein Golfplatz, ein Seewasseraquarium, eine Schmetterlingsfarm. Der Flughafen ist nagelneu - auf Langkawi lässt sich bestaunen, was knallharte Wirtschaftsförderung in einem Tigerstaat so kann und will.

          Der Stolz der Insel aber ist ihre spektakuläre Seilbahn, die 2003 eröffnete „Cable Car“ im äußersten Westen, und dorthin geht es jetzt. Also weg vom Hotel mit dem beschaulichen Privatstrand, hinein ins Auto, die Klimaanlage hochgejazzt, denn die Sonne brennt vom Himmel, und los über makellose Straßen Richtung Westen.

          Menschen, Tiere, Attraktionen

          Der Weg führt durch Ebenen und lichte Wälder, in der Ferne steigen steil die von Regenwald bedeckten Berge an. Wasserbüffel käuen auf Feldern wieder, rechts und links fliegen Häuser unter Bäumen vorbei, eingeschossig, bunt bemalt, „Homestay“ steht immer wieder auf Schildern. Man kann auf Langkawi bei Einheimischen wohnen, eine staatliche Stelle vermittelt die Unterkunft. Die Schriftzüge über den Geschäften sind in lateinischer, arabischer und kyrillischer Schrift, ein Radfahrer keucht durch die Tropenhitze, Makaken spurten über die Fahrbahn, denn da kommen Touristen auf Quads angerauscht und Motorroller aus Einfahrten. Unter vielen Helmen flattern bunte Kopftücher hervor.

          „One Malaysia, truly Asia“ lautet der Slogan, mit dem das Tourismusministerium von Malaysia wirbt, will sagen: In diesem islamischen Staat mit portugiesischer, niederländischer und britischer Kolonialgeschichte leben drei große Volksgruppen friedlich zusammen, Malaien, Inder und Chinesen, dazu viele kleine, hier ist das tolerante, multiethnische Asien, hier kann man Urlaub machen. Und das stimmt prinzipiell auch, zumindest Letzteres, jedenfalls in den Touristenzentren, auch wenn die Beziehungen zwischen den Bevölkerungsgruppen nicht ganz so geschmeidig sind. Aber die rasante wirtschaftliche Entwicklung eint das Land. Und auf Langkawi gelten sowieso ganz eigene Regeln.

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